Bild: dpa/Ulrich Perrey
Er sollte den Skandal um Regisseur Dieter Wedel aufklären.

Sechs Frauen werfen dem "Tatort"-Koordinator Gebhard Henke vor, sie belästigt zu haben. Henke arbeitet für den WDR, ist Leiter des Programmbereichs Fernsehfilm, Kino und Serie. Der Sender hat ihn bereits freigestellt.

In der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL berichten die Frauen, wie sie von Henke betatscht und begrapscht worden seien, wie er sie an Po oder Bauch gefasst habe, wie er angedeutet habe, sie zu fördern, wie er angedeutet habe, sie zu fördern, und dafür offenbar körperliche Zuwendungen erwartete oder wie er immer wieder aus seiner professionellen Rolle gefallen sei.

Wer sind die Frauen?

Sechs Frauen äußern sich in dem Text, unter anderem Charlotte Roche unter ihrem Namen. Sie ist die Autorin des Bestsellers "Feuchtgebiete" und lernte Henke 2013 in Köln kennen.

(Bild: dpa/Jens Kalaene)
"Er gab mir die rechte Hand und legte mir die linke gleichzeitig fest mitten auf den Po", sagt Roche. Sie habe versucht, sich wegzubewegen, doch er habe sich mitbewegt. "Das war schlimm und dauerte gefühlt ewig."

Roche mache sich bis heute Vorwürfe, damals nichts gesagt zu haben, sagt sie. Sie habe an dem Abend unter Druck gestanden, es sei um die Verfilmung eines ihrer Bücher gegangen. Das sei falsch gewesen, deshalb spreche sie jetzt.

Vielleicht hilft das ja, dass andere sich auch trauen, etwas zu sagen.
Charlotte Roche

Was sagt Gebhard Henke dazu?

Er bestreitet alle Vorwürfe. Am Donnerstag hatten sich 16 Frauen aus der deutschen Film- und Fernsehbranche mit Henke solidarisiert. "Wir haben in der Vergangenheit persönlich mit Gebhard Henke zusammengearbeitet", heißt es in einem offenen Brief. Unter anderem die Schauspielerinnen Caroline Peters und Anna Schudt sowie die Regisseurinnen Feo Aladag und Isabel Kleefeld haben ihn unterzeichnet.

Die Zusammenarbeit sei  "durchaus nicht ohne Konflikte und Machtkämpfe" gewesen. "Auch nicht frei von unterschiedlichen Auffassungen über Männer- und Frauenbilder. Immer jedoch frei von Übergriffen jedweder Art und Schwere."

Wie reagiert der WDR?

Fernsehdirektor Jörg Schönenborn ist nach eigener Aussage "überrascht" von den Anschuldigungen. Er arbeite seit Jahren "sehr eng und vertrauensvoll" mit Gebhard Henke. Eine Entlastung von den Vorwürfen schließe er nicht aus, allerdings halte er die Schilderungen der Frauen für "gravierend und glaubwürdig".

Der WDR kämpft seit einiger Zeit mit Vorwürfen, Kollegen hätten Frauen sexuell belästigt. Erst vor wenigen Wochen war ein ehemaliger ARD-Auslandskorrespondent wegen des Vorwurfs sexueller Belästigung vom WDR freigestellt worden.

Besonders brisant: Gebhard Henke sollte für den WDR auch den Fall Wedel aufklären. Zahlreiche Schauspielerinnen werfen Wedel sexuelle Belästigung bis hin zur Vergewaltigung vor. (Mehr zum Fall Wedel hier bei bento)

Im Februar hatte Intendant Tom Buhrow verkündet, dass Henke in den Akten nichts gefunden habe. Nur in einer Produktion habe er Hinweise auf "systematische Herabwürdigung" entdeckt. Falls sich die Vorwürfe gegen Henke bestätigten sollten, wolle der WDR die Aufarbeitung des Wedel-Falls überprüfen, das teilte er dem SPIEGEL auf Anfrage mit.


Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL. Du kannst ihn ab Samstagmorgen am Kiosk kaufen oder den Text schon Freitag ab 18 Uhr digital lesen.


Fühlen

Liebes Internet, du kannst so dreckig und hasserfüllt sein – und bist trotzdem der beste Ort der Welt
Ohne dich hätte ich keine Umzugskartons und keine Storys von Stefanie Giesinger.

Liebes Internet, es gibt so viel Fieses in dir. Die Menschen schreiben dich voll mit Beleidigungen und Hass. Dabei hast du das nicht verdient.

Denn durch dich habe ich so viele Freunde gefunden. Ich habe mich verliebt, getrennt und wieder verliebt. Ich habe Wohnungen, Jobs und Umzugskartons gefunden – und immer jemanden, der mir beim Tragen helfen konnte.