Bild: Sean Gallup/Getty Images

Bislang sind die G20-Proteste in Hamburg eine große Party. Am Dienstag feierten Hunderte friedlich im Schanzenviertel beim Massencornern, am Mittwoch waren es Tausende bei einem Rave: "Lieber tanz' ich als G20".

Schöneren Protest kann es nicht geben!

Die Stadt wird von Hubschraubern überwacht, Zäune riegeln Gefahrenzonen ab, Geschäfte verbarrikadieren ihre Fenster mit Holzplatten, Polizisten patrouillieren an jeder Straßenecke in der Innenstadt. Trotzdem lassen sich nicht alle davon einschüchtern, sondern trauen sich, rauszugehen und ein Zeichen zu setzen. Party statt Barrikade.

Allen, die sagen, junge Menschen setzen sich nicht mehr ein, gehen nicht auf die Straße, können wir entgegenhalten: Seht her, wir tun es. Aber so, wie wir es wollen: mit Bass, Beats und Bier.  

Dadurch werden die Argumente und Anliegen, für die auf der Demo gekämpft wird, kein bisschen abgeschwächt. 

Im Gegenteil: Hier läuft der Gegenentwurf auf der Straße. Es geht auch anders! Fröhlich, ohne Krawall. Stärker noch als Trillerpfeifen. Mit konstruktiver Kritik lässt sich oft mehr erreichen. Und wir wollen etwas erreichen!

  • Wir fordern, dass beim G20-Gipfel nicht über Entwicklungsländer gesprochen wird – sondern mit ihnen. 
  • Wir wollen, dass Industrienationen ihren Reichtum nicht weiter auf Kosten der Schwachen steigern. 
  • Wir brauchen schärfere und verbindlichere Regeln zum Klimaschutz.

Wie könnten diese Forderungen besser in die Welt hinausgeschrien werden als bei ausgelassener Feierstimmung. Das schaffen keine ruhigen Straßenumzüge und erst recht schafft das keine Demo mit brutalen Szenen und Krawall.


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Davon sind nicht alle begeistert.

Der Protestrave ist gerade zu Ende. Über 20.000 Menschen waren bei dem stundenlangen Protestzug durch ganz Hamburg getanzt. Alle sind noch erfüllt von dem dem Glücksgefühl, das diese friedliche Party-Demo bei ihnen ausgelöst hat. Die Musik ebbt langsam ab, die Veranstalter verabschieden sich, die Menschen stehen oder sitzen irgendwo zwischen Gänsemarkt und Feldstraße auf der Straße. 

Im Gängeviertel holt man sich noch ein Bier. Zum Schlafengehen zu aufgedreht weiß man nicht, wo hin mit sich. Bis jemand aufgeregt ruft: "Beginner spielen vor der Laeiszhalle!". Dann geht alles schnell, die Leute rappeln sich auf und strömen über den Sievekingsplatz.