Bild: dpa / Bodo Marks

Am Donnerstag ist Donald Trump mit seinem Privatjet in Hamburg gelandet, um mit den 19 anderen Staats- und Regierungschefs der stärksten Industrieländer die Probleme der globalen Welt zu besprechen. Es geht um Themen wie globale Gerechtigkeit, Handelspolitik und Migration. 

Was ist G20?

G20 steht für "Gruppe der 20" und ist ein Zusammenschluss der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer der Erde. Die einen sind wirtschaftlich bedeutend, die anderen aufstrebend. Beide Seiten kommen regelmäßig zusammen, um Ideen für eine globalisierte Welt zu diskutieren. 

2017 kommen die G20 auf Einladung Angela Merkels am 7. und 8. Juli in Hamburg zusammen, unter anderem US-Präsident Donald Trump, der russische Präsident Wladimir Putin und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wollen kommen. Zehntausende Demonstranten planen zeitgleich Proteste und Aktionen gegen den Gipfel.

Kritiker werfen den G20 vor, dass sie die meisten Probleme, die sie auf dem Gipfel zu bekämpfen versuchen, selbst verursacht haben. 

Deshalb haben sich einige von ihnen zusammengeschlossen und eine Alternativveranstaltung auf die Beine gestellt: den Gipfel für globale Solidarität. Über 50 Initiativen und Organisationen haben ein Programm von über 80 Veranstaltungen und  Workshops zusammengestellt, in denen sie sich inhaltlich und kreativ mit den G20 und ihren Themen auseinandersetzen.

Hier findest du mehr Infos zum Solidaritäts-Gipfel:

Wir haben auf dem Solidaritäts-Gipfel vier Forderungen an die G20 gesammelt, die die Welt besser machen sollen:
Stefanie Holtz, 27, politische Sekretärin, IG Metall Jugend: "Wir wollen Mindeststandards für Ausbildung weltweit."
(Bild: bento)

Bildung ist der Schlüssel zu vielen Problemen, die wir auf der Welt haben. Deswegen wollen wir einen globalen Standard für Ausbildungen erreichen. Unser duales Ausbildungssystem in Deutschland ist einmalig, in Mexiko gibt es das beispielsweise nicht – obwohl auch dort deutsche Unternehmen aktiv sind. Indem wir uns mit Gewerkschaften weltweit vernetzen, setzen wir uns daher für Mindeststandards ein.

Aber auch in Deutschland läuft noch nicht alles rund – die Ausbildungsqualität muss stärker standardisiert und vor allem gesichert werden. Wir fordern beispielsweise eine Frist von drei Monaten, in der Unternehmen ihren Azubis ankündigen müssen, ob sie übernommen werden oder nicht. Und wir wollen ein Gesetz, das Auszubildende an ihren Berufsschultagen verbindlich von der Arbeit freistellt. 

Besonders in kleinen Firmen leidet die Ausbildung häufig, weil es zu viel zu tun gibt.

Jeder kann dazu beitragen, die Bildungssituation zu verbessern: Indem wir unser Anliegen in die Öffentlichkeit tragen. Das geht auch online. Den Teilnehmern des G20-Gipfels würde ich gerne sagen: Macht endlich Politik für die Mehrheit der Menschen! Und hört ihnen zu.

Aram Ziai, 44, Professor für Postkoloniale Studien, Universität Kassel: "Die Afrikapolitik der G20 darf sich nicht an eigenen Wirtschaftsinteressen orientieren“"
(Bild: bento)

Die globale Handelspolitik beutet andere Staaten aus. Auch der "Marshallplan mit Afrika" ist keine Lösung. Er spricht einerseits von fairem und andererseits von freiem Handel. Das ist ein Widerspruch. Die Afrikapolitik der EU ist außerdem nicht fair, sondern von den eigenen Wirtschaftsinteressen geleitet – und der Marshallplan im Grunde ein PR-Dokument.

In Ghana beispielsweise werden Geflügelbauer von Dumpingpreisen europäischer Produzenten aus dem Markt vertrieben. Das kann nicht sein. Als Lösung wollte die Regierung Einfuhrzölle auf ausländische Produkte verhängen, aber der IWF hat das verboten. 

Die Begründung: Liberalisierung ist für alle besser als Protektionismus. Hier brauchen wir ein Umdenken. Schutzzölle sind nicht per se schlecht. Jedes Land – auch in den G20 – hat sie schon mal verhängt, um ihre eigene Wirtschaft anzukurbeln. Aber den südamerikanischen und afrikanischen Ländern wird das verwehrt.

Auch in Deutschland würden die Bauern von ausländischen Produzenten verdrängt werden, gäbe es keine massiven Agrarsubventionen.

Die ungerechte Wirtschaftspolitik kann man auch im Alltag bekämpfen: Indem wir fair gehandelte Produkte kaufen zum Beispiel. Noch besser wäre es, wenn wir mehr auf regionale Waren setzen, statt Importe – damit die Bauern in Afrika nicht für uns Kakaobohnen anpflanzen müssen, sondern Nahrung für ihre eigene Bevölkerung.

Abseits des Gipfels gab es viel Protest. So sah es bei der großen Nachttanzdemo aus:
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Abimbola Odugbesan, 30, Lampedusa in Hamburg/Nigeria: "G20 will in Wahrheit nur von Afrika profitieren."
(Bild: bento)

Meine Botschaft ist einfach: G20 ist ein koloniales Projekt. Ich glaube nicht daran, dass es Afrika helfen kann. Um das zu tun, müssten sie die wahren Probleme ansprechen. Warum zum Beispiel thematisieren die Politiker nie den internationalen Waffenhandel? Warum sprechen sie nicht über korrupte Regierungen –  innerhalb der G20 aber auch in Afrika?

Es gibt auf dem Kontinent keine politischen Visionen. Und das liegt auch an der Kolonialisierung.

Den G20 aber ist das egal, denn in Wahrheit wollen sie von Afrika profitieren.

Ihr Interesse ist nicht, dem Kontinent Geld zu geben, sondern zu verdienen. Die Menschen hier und dort müssen das begreifen und etwas dagegen tun. 

In Afrika wird jedes Problem individualisiert, dabei ist die Ursache häufig die gleiche. Die jungen Menschen wollen alle dort weg. Da bringt es auch nichts, einfach Grenzen zu schließen – und die Länder dann weiter auszubeuten. Wir müssen die echten Probleme verstehen und aktiv werden.

Noch mehr Ideen für eine bessere Welt im Video:

Sarah Lincoln, 34, Referentin für Menschenrechte bei Brot für die Welt: "Unternehmen müssen endlich zur Verantwortung gezogen werden"
(Bild: bento)

Wenn man Armut und Ungleichheit bekämpfen will, sollte man damit anfangen, für die globale Wirtschaft globale Regeln zu errichten.

Unternehmen agieren heutzutage weltweit über Ländergrenzen hinweg. Durch Freihandelsabkommen und Investitionsschutz werden ihre Interessen und Rechte geschützt und können im Zweifel bei internationalen Schiedsgerichten eingeklagt werden. 

Bis jetzt fehlt uns eine vergleichbare Instanz für das Einklagen von Menschenrechten.

Ein gutes Beispiel ist der Fabrikeinsturz 2013 in Bangladesch. (Spiegel Online) Beim Bau der Fabrik, in der viele europäische Unternehmen ihre Kleidung nähen ließen, wurden sämtliche Bauregeln missachtet. Über 1000 Fabrikarbeiter kamen ums Leben. 

Die Gerichte in Bangladesch sind korrupt, oft werden Menschen kriminalisiert und verfolgt, wenn sie klagen. Es gibt einfach keine verbindlichen Verantwortungen entlang der Produktionskette, nur moralische Standards.

Darum hat der UN-Menschenrechtsrat vor drei Jahren über die Einrichtung eines Ausschusses abgestimmt, die internationale Regeln zum Schutz von Menschenrechten entwerfen sollen. Beim zweiten Treffen waren immerhin schon 80 Staaten vertreten. Im Oktober 2017 trifft sich der Ausschuss wieder – und die G20-Länder müssen sich konstruktiv an diesen Verhandlungen beteiligen. 


Today

Greift die Bundeswehr bei G20 ein? Das steckt dahinter
Wir haben bei den Verantwortlichen nachgefragt.

Hamburg gleicht am Freitag einer Kampfzone. Im Zentrum der Stadt findet der G20-Gipfel statt, Linksautonome liefern sich mit der Polizei Straßenkämpfe an mehreren Orten der Stadt.

Ein Stadtteil, der am Freitagmittag besonders umkämpft ist, ist Altona: Autos brennen, Blockaden wurden errichtet (bento).

Nun teilen Nutzer auf Twitter ein Foto, das einen Bundeswehr-Konvoi zeigt, der gen Altona unterwegs sein soll.