Bild: Alexander Müller / dpa
Gibt es bald keine Fusion mehr?

Die Festival-Saison geht wieder los: Zelte und Luftmatratzen werden aus dem Keller geräumt, im Supermarkt die Dosenbierregale geplündert und der Timetable studiert: Bloß keine Band verpassen.

Für Besucherinnen und Besucher des Fusion-Festivals in Lärz in Mecklenburg-Vorpommern könnte es dieses Jahr die letzte Vorbereitung sein. Der Veranstalter droht, das Festival in Zukunft nicht mehr stattfinden zu lassen. Grund hierfür sind verschärfte Auflagen der Polizei.

Was ist da los?

Das Fusion-Festival findet seit 2004 jährlich auf dem ehemaligen russischen Militärflughafen in Lärz statt. Veranstaltet wird es vom gemeinnützigen Verband Kulturkosmos e.V. Im vergangenen Jahr war es mit 70.000 Besuchern eines der größten nicht-kommerziellen Festivals in Deutschland (NDR.de). Das könnte auch daran liegen, dass das Festival als eine der friedlichsten Musikveranstaltungen Deutschlands gilt.  

Ein friedliches Festival mit wenig Problemen – eigentlich doch wunderbar für alle Beteiligten. Trotzdem will das zuständige Polizeipräsidium Neubrandenburg nun deutlich härtere Auflagen für die Fusion vorgeben. Die Veranstalter wehren sich gegen die Pläne. Größter Streitpunkt: Eine mögliche mobile Polizeiwache auf dem Festivalgelände. 

Warum fordert die Polizei plötzlich härtere Auflagen?

Das fragt sich auch der Veranstalter der Fusion, Martin Eulenhaupt: "Wir sind schon seit letztem November mit den Behörden im Dialog. Aber die Polizei fährt nun eine neue Taktik", sagt er im Gespräch mit bento. 

Laut Eulenhaupt gab es in den vergangenen Jahren im Durchschnitt lediglich 2,5 Gewaltdelikte pro Jahr – bei 70.000 Besuchern. Darunter fallen Körperverletzung oder Raub. Im vergangenen Jahr sei es sogar noch ruhiger gewesen als in den Jahren zuvor. 

Genau deshalb sei die Herangenhesweise der Behörden für ihn nicht nachvollziehbar. "Auf jedem Dorffest ist mehr los", so Eulenhaupt. Eine hohe Dunkelziffer von Straftaten, die zwar begangen aber nicht angezeigt werden, würde es nicht geben. "Die Polizei sagt immer, es würde nur niemand hinsehen. Wir sagen: Bei uns ist es friedlich wie auf dem Kirchentag." 

Die Polizei will trotzdem Präsenz auf dem Festivalgelände zeigen. Warum? Es sei "eine Beteiligung politischer, in Teilen hoch gewaltbereiter Personen zu erwarten" heißt es Zeit Online zufolge in einem Schreiben des Polizeipräsidenten an das Ordnungsamt. 

Die Initiatoren des Festivals können die Begründung nicht nachvollziehen. "Die Polizei sagt, es sei ein Bürgerrecht, die Beamten jederzeit ansprechen zu können. Bei diesem Argument sind wir auch mitgegangen. Deshalb haben wir angeboten, außerhalb des Festivalgeländes eine zentrale Station der Polizei aufzubauen." Diese könne eben so leicht erreicht werden wie der Geldautomat, sagt Eulenhaupt. Die Idee lehnten die Behörden aber ab. 

Mittlerweile sind die Veranstalter skeptisch, ob es der Polizei tatsächlich um die Bürgernähe geht. "Wenn die Dokumente stimmmen, die wir erhalten haben, plant die Polizei einen Großeinsatz mit mehr als 1000 Beamten. Dann geht es nicht mehr darum, Bürgernähe zu zeigen. Das ist ein Vorwand, um in das Festival einzugreifen und es repressiv zu begleiten", so der Veranstalter.

Das Polizeipräsidium Neubrandenburg wollte zu dem Vorwurf keine Stellung beziehen. Es werde in absehbarer Zeit eine Pressekonferenz geben, bei der sich die Polizei äußern wolle, so ein Sprecher.

Eine solche Polizeipräsenz wäre diffamierend für die gesamte links-alternative Szene
Martin Eulenhaupt, Veranstalter Fusion Festival

Wie geht es jetzt weiter?

Bleibt die Polizei bei ihrem Vorhaben, wäre für den Veranstalter der nächste Schritt eine Beschwerde vor dem Verwaltungsgericht. Zumindest in diesem Jahr soll das Festival noch stattfinden, sagt Eulenhaupt. Die Planung sei schon zu weit, außerdem werde der gemeinnützige Verein die hohen Kosten, die durch die Rückforderungen der bereits gekauften Tickets entstehen würden, kaum stemmen können.

Ab dem nächsten Jahr sehe es aber anders aus. "In diesem Jahr wird die Fusion stattfinden, sollten die Auflagen aber bestehen bleiben, sehe ich keine Zukunft für das Festival." Die Veranstalter hätten eine gewisse Verantwortung gegenüber ihren Besuchern: "Sie haben gewisse Ideale und vertreten eine bestimmte Philosophie. Feiern mit der Polizei gehört nicht dazu."


Grün

China und Afrika sollen für Klimaschutz zahlen? Erstmal ist Deutschland dran
Wenn ein CDU-Politiker Argumente nutzt, die man aus Facebook-Kommentarspalten kennt.

Talkshows zum Klimaschutz sind oft vorhersehbar (ARD). Diesen Sonntag war das anders. Bei "Anne Will" wurde über eine ganz konkrete, umstrittene Maßnahme für mehr Klimaschutz diskutiert: Die CO2-Steuer, wie sie auch von "Fridays for Future" gefordert wird. "Wer zahlt für den Klimaschutz?", lautete die Frage des Abends.

Darauf gäbe es viele Antworten: Wir alle? Die Industrie? Eine ganz besonders kuriose Antwort fiel dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) ein. Für ihn ist klar: Deutschland zahlt schon genug – jetzt sind mal andere dran: