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Wer Fluchtursachen bekämpfen will, sollte beim Klimaschutz nicht schweigen

Im Notfall Grenzen zu, schnelle Asylverfahren, wenig Geld – und ein "Frühwarnsystem für Flüchtlinge": Möglichst hart will die CDU künftig Flüchtlinge verschrecken. Zwei Tage lang hat die Partei in Berlin dafür über Migration diskutiert. Selbstgewähltes Motto: "Humanität und Härte". 

Die neue Härte gilt auch, wenn in der CDU über Klimaschützerinnen und Klimaschützer geredet wird. Fast zeitgleich zum großen Werkstattgespräch twitterte der junge, neue CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak, was er von der 16-jährigen Klimaschutz-Aktivistin Greta Thunberg aus Schweden und ihrer Kritik an der deutschen Energiepolitik hält:

"Kein Wort von Arbeitsplätzen, Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit. Nur pure Ideologie." 

Dazu der Emoji-Affe, der sich vor Scham die Augen zuhält: "Arme Greta!"

Häme und Härte statt Humanität: Offenbar hält die CDU die Klimastreiks von Zehntausenden Schülerinnen und Schülern in Europa mittlerweile für mindestens so gefährlich wie unkontrollierte Flüchtlinge.

Dabei ist der Klimawandel genau das "Frühwarnsystem für Flüchtlinge", das sich die CDU jetzt wünscht – und es schlägt seit Jahren Alarm. Wenn die CDU wissen will, was in Zukunft Menschen aus aller Welt zur Flucht aus ihrer Heimat zwingt, muss sie nur auf Klimadaten schauen. 

Laut einer Studie der Weltbank könnte der Klimawandel bis 2050 etwa 140 Millionen Menschen auf der ganzen Welt heimatlos machen. (SPIEGEL)

Wobei "auf der ganzen Welt" nicht ganz richtig ist: Steigende Meeresspiegel, Dürren, Missernten und Sturmfluten bedrohen vor allem diejenigen, die auf der Südhalbkugel leben. In Afrika, Südostasien oder Lateinamerika. Diejenigen, die für den Klimawandel oft weniger können als wir. Und oft ohnehin nicht mehr viel zu verlieren haben, wenn es so weitergeht.

140 Millionen Menschen auf der Flucht. Und wo ist es vergleichsweise sicher: bei uns. Wir haben die Erderwärmung angestoßen und können immer noch besser leben als andere. Davon wollen Paul Ziemiak und die CDU aber nichts wissen. 

Beim "Werkstattgespräch" ging es um schnellere Abschiebungen, weniger Sozialleistungen und die Frage, ob man im Notfall auch die Grenzen für Flüchtende verschließen dürfte (Spoiler: aus CDU-Sicht ja).

Die Klimakatastrophe und zukünftige Klimaflüchtlinge waren kein Thema. Geht es doch einmal ums Klima, wird die Stimmung in der CDU schnell aggressiv: 

  • Der Deutschen Umwelthilfe soll wegen der eingeklagten Diesel-Fahrverbote das Geld gestrichen werden. (bento)
  • Schülerinnen und Schüler, die beim Klimastreik "Fridays for Future" mitmachen, will die Junge Union einen Fehlzeiten-Vermerk ins Zeugnis schreiben lassen. (bento)
  • Greta Thunberg, die 16-jährige Initiatorin der Bewegung, wird von CDU-Politikern kritisiert, als sei sie nicht zurechnungsfähig. Gemeinsam in einem Chor mit AfD-Politikern, rechten Bloggern und Verschwörungstheoretikern.

Das ist unangenehm. Vor allem aber ist es Zeitverschwendung. Seit Wochen erinnern uns die Schülerinnen und Schüler bei den "Fridays for Future"-Demonstrationen daran. (bento)

Es geht um eine Zukunft, in der Milliarden von Menschen gemeinsam mit den Folgen der Erderwärmung leben müssen. Und es geht darum, endlich aktiv zu werden, anstatt Dieselfahrzeuge, schnelles Fahren ohne Tempo-Limits und dreckigen Braunkohle-Strom zu Grundrechten zu verklären, die in Wahrheit nur wenigen nur kurz etwas bringen, vielen aber für immer schaden.

Wenn die CDU wirklich etwas gegen zukünftige Fluchtbewegungen tun will, dann sollte sie echte Antworten auf diese Herausforderungen finden. Das Frühwarnsystem dafür ist da. Man muss es aber auch nutzen wollen.


Gerechtigkeit

In Heidelberg steigen die Mieten rasant – also bauen Studierende ein eigenes Wohnheim
Für 16 Millionen Euro

Inas und Felix' Traum misst 14 Quadratmeter. Wie ein Fremdkörper erhebt sich der Kubus auf dem Gelände eines ehemaligen Militärkrankenhauses in Heidelberg. Wo sonst nur Grasbüschel sich ihren Weg durch die Risse des Asphalts bahnen, steht man plötzlich vor dem Prototyp. Am Fenster klebt ein kleiner Zettel, darauf die unverschämte Idee, für die Ina und Felix gerade kämpfen: 300 Euro warm.

Für diese Summe sollen Studierende und Azubis bald in Heidelberg in einem Wohnheim leben können. 

Der Holzkubus ist ein Modell, drinnen zeigt Felix, wie die Wohnungen aussehen werden: Bett, Schrank, zwei Tische, alles aus hellem Holz. Der Raum würde den Charme eines Tiny Houses versprühen, wären da nicht die bodenlangen Fenster und die Schiebetür aus Glas. Sie machen aus dem kleinen Holzhaus ein Zimmer wie aus dem Ikea-Katalog. Der Name des Traums ist ein bisschen sperrig: Collegium Academicum.