Bild: Pascal Hella

Nehmt das!

"Hallo, ich bin's, Marion. Wenn du bei den Wahlen am Sonntag für mich stimmst und mir eine echte Freude machen willst, dann zeichne ein kleines Herz auf deinen Wahlzettel. Dann werde ich wissen, dass du mich liebst. Bitte teilen, danke"
(Bild: Pascal Hella)


Ein Herzchen für die Parteidame deiner Wahl! Klingt beim ersten Lesen harmlos nett, wozu Marion Maréchal-Le Pen, die Enkelin des Front-National-Gründers, kurz vor den französischen Regionalwahlen am Sonntag aufruft. Aber die 25 Jahre alte Kandidatin für die Region Provence-Alpes-Côte-d'Azur wird darüber nicht erfreut sein: Die Kampagne ist ein Fake. Denn handschriftliche Anmerkungen auf einem Wahlzettel machen die Stimme automatisch ungültig, und dazu zählen auch hübsche Herzchen.

Wer hat sich den Spaß erlaubt?

Der Aufruf zur Kritzelei ist bei Wahlen in Frankreich ein Klassiker. Gegner des Front National versuchen damit, die Partei zu schwächen. Hinter dem aktuellen Meme steckt Pascal Hella aus Marseille. Er versteht sich als Künstler, macht Musik und arbeitet als Marketing-Experte in einer Agentur.

Privat parodiert er auf Facebook Politiker. Inspiration zum Front-National-Streich holte er sich bei einem französischen Blogger, der unter dem Pseudonym Anthropocene man auch hart und humorvoll gegen Politiker wettert. Er hatte zuvor einen ähnlichen Post zu Jean-Marie Le Pen veröffentlicht.


"Wenn du den FN wählst, zeig', wie sehr du diese Partei liebst. Zeichne ein kleines Herz auf deinen Stimmzettel, bevor du ihn in die Urne gleiten lässt!"
Wie ist die Reaktion?

Allein auf Facebook wurde der Post bislang rund 12.000 Mal geteilt. Er habe hunderte Freundschaftsanfragen erhalten, schreibt Pascal Hella auf seinem Account. Er müsse nun erstmal prüfen, wie viele neue Freunde er sich allein beim Front National gemacht habe. Die wolle er ja nicht so gern in seine Liste aufnehmen. Die französische Satireseite Nordpresse und der Twitter-Account Rechter Humor haben das Fake-Kampagnenbild auf Twitter weiterverbreitet und -gesponnen.

Die Parteivorsitzende sei neidisch auf den Hype um ihre Nichte Marion, schreibt Nordpresse, sie habe deshalb eine eigene Einladung veröffentlicht:

"Hallo Sch'ti (Anm. d. Red.: Sprecher des nordfranzösischen Dialekts), ich bin's, Marine, wenn du mich am Sonntag wählst und mir eine echte Freude machen willst, dann zeichne ein kleines Hakenkreuz auf deinen Stimmzettel. Dann werde ich wissen, dass du echt auf mich stehst! Teile das, mein Freund!"
Wie hat der Front National reagiert?

Es gibt Versuche von Nutzern, den Post verschwinden zu lassen. Mehrere habe den Eintrag bei Facebook als gewalttätig gemeldet und noch absurder: wegen Nacktheit. Wenn da nicht die sehr umtriebige Social-Media-Cavalerie des Front National selbst dahintersteckt, dann vermutlich zumindest erzürnte Parteisympathisanten.

CETTE FOIS-CI, C'EST POUR « NUDITÉ ». Après « Violence caractérisée », le motif change, mais la... nullité reste inté...

Posted by Pascal Hella on Dienstag, 1. Dezember 2015


Den Tweet von Nordpresse versuchte Marion Maréchal-Le Pen in parteistrategischer Ihr-langweilt-mich-Manier auszuhebeln:

"@Nordpresse, wir haben Humor, aber ihr macht diesen Witz bei jeder Wahl...frischt euch doch mal ein wenig auf ;-)"

Bei den Départements-Wahlen im Frühjahr hatte der Front National wegen eines Kritzel-Tweets gegen die Organisation SOS Racisme geklagt. Solche Aufrufe sind nämlich verboten.

Für Pascal Hella ist das Ganze trotzdem ein großer Spaß. Er dokumentiert auf seiner Facebook-Seite jede weitere Entwicklung. Er fürchte aber auch, dass sein Account bald vorübergehend gesperrt werde, schreibt er. Dies ist wohl schon zweimal passiert. Am Donnerstagnachmittag war seine Seite für mehrere Stunden nicht mehr zu erreichen.

Hat Facebook Pascal Hellas Account gesperrt?