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Der IS nahm Nadia Murad gefangen, jetzt kämpft sie gegen sexualisierte Gewalt.

Sie kämpft gegen sexualisierte Gewalt und Kriegsverbrechen an den Jesiden durch den Islamischen Staat – jetzt erhält sie den Friedensnobelpreis. Das Komitee in Oslo hat die 25-jährige Nadia Murad als diesjährige Preisträgerin bekanntgegeben.

Wer ist Nadia Murad?

  1. Nadia Murad stammt aus einem kleinen Dorf im Nordirak.
  2. Sie gehört zu der Glaubensgruppe der Jesiden.
  3. Als der Islamische Staat ihr Dorf überfiel, geriet sie in Gefangenschaft.
  4. Sie wurde über Wochen gequält, erniedrigt und vergewaltigt.
  5. Nachdem sie aus der Gefangenschaft fliehen konnte, begann sie, über ihre Erlebnisse zu berichten und sich für die Jesiden einzusetzen.
  6. Sie macht als UN-Sonderbotschafterin auf die Qualen der IS-Opfer aufmerksam. 

Im Dezember 2016 hielt sie eine bewegende Rede, die das Europaparlament verstummen ließ:

Sie ist zur Symbolfigur im Kampf gegen die Kriegsverbrechen des IS.

Nadia Murad erzählt der Welt, wie der IS jesidische Frauen verschleppt und vergewaltigt. Sie sprach vor den Vereinten Nationen, vor dem Europarlament, auf Kongressen. Sie wurde zur Symbolfigur der Jesiden, zur Symbolfigur des Kampfes gegen die Kriegsverbrechen des IS. 

Seit mittlerweile vier Jahren reist sie durch die ganze Welt, um ihre Geschichte zu erzählen und auf die Gräueltaten des IS gegen die Jesiden aufmerksam zu machen. Wie der SPIEGEL berichtete, stand sie dabei teilweise aber auch unter erheblichem Druck durch ihrer Berater. 

Bis heute hat der IS Schätzungen der UNO zufolge 5000 Jesiden getötet und 7000 Frauen verschleppt

Der Westen sei weit weg von alle dem, sagt Murad. Sie will daran etwas ändern – und erzählt ihre Geschichte immer und immer wieder. Sie wolle die Menschen wachrütteln und den Blick auf den Völkermord lenken, der oft vom Westen ignoriert werde.

Wenn die Welt uns nicht in unserem Land schützen kann, dann fordere ich Europa auf, seine Türen zu öffnen, um eine halbe Millionen Jesiden eine geordnete Flucht zu ermöglichen.
Nadia Murad

Neben Murad erhält auch der kongolesische Gynäkologe Denis Mukwege den Friedensnobelpreis. Der 63-Jährige behandelt in seiner Heimat Tausende Opfer von Gruppenvergewaltigungen.

Die Arbeit von Mukwege und Murad erfülle genau die Kriterien, die Alfred Nobel in seinem Testament für den Friedenspreis festgelegt habe, erklärte das Komitee. "Eine friedlichere Welt kann nur erreicht werden, wenn die Grundrechte von Frauen und ihre Sicherheit im Krieg anerkannt und geschützt werden", so das Nobelpreis-Komitee am Freitag in Straßburg.

Mit Material von dpa


Today

Experte über mutmaßliche Rechtsterroristen von Chemnitz: "Es gibt nicht nur die eine Gruppe"
Warum Gruppen wie die "Revolution Chemnitz" so gefährlich sind

Sie nannten sich "Revolution Chemnitz", sollen Anschläge und Angriffe auf Menschen mit Migrationshintergrund und politisch Andersdenkende geplant haben. Am Montag wurden sieben Männer zwischen 20 und 30 Jahren festgenommen, denen vorgeworfen wird, eine rechtsterroristische Vereinigung gebildet zu haben. Eine achte Person saß bereits seit zwei Wochen in Untersuchungshaft. Die Gruppe soll Teil der Skinhead- oder Neonazi-Szene im Raum Chemnitz gewesen sein. (SPIEGEL ONLINE)

In einem Beitrag des Magazins Monitor ist zu sehen, wie drei von ihnen am 1. September gemeinsam mit führenden AfD-Mitgliedern wie Björn Höcke an einem Trauermarsch teilnahmen. 

Was wir bislang über die Gruppe "Revolution Chemnitz" wissen:

  • Wie die "ZEIT" berichtet, hat der mutmaßliche Rädelsführer der Gruppe, Christian K., am Abend des 10. September eine Chatgruppe über den Messengerdienst Telegram gegründet.
  • Der Name der Gruppe: "Revolution Chemnitz". K. lud sieben weitere Personen ein und schwor die Mitglieder ein, "die Geschichte Deutschlands zu ändern". 

K.s Vorbild soll der "Zeit" zufolge die rechte Terrorgruppe "NSU" gewesen sein. K. soll betont haben, der NSU wirke doch nur wie eine "Kindergartenvorschulgruppe". 

Die Mitglieder von "Revolution Chemnitz" sollen unter anderem die Beschaffung von Schusswaffen geplant haben, die sie für den "politischen Kampf" nutzen wollten. Sogar die Modelle und Preise der Feuerwaffen sollen in dem Chat besprochen worden sein. Als möglicher Tag für den "Umsturz" soll der 3. Oktober genannt worden sein.

Wie konnte sich die rechte Gruppe so schnell organisieren?

Wir haben mit dem Terrorismusforscher Hajo Funke gesprochen. Er befasst sich seit Jahren mit Organisationen im rechtsextremen Milieu.

Herr Funke, die Terrorgruppe "Revolution Chemnitz" hat sich erst um den 11. September gegründet und innerhalb von drei Wochen Anschläge geplant. Wie konnten sie sich so schnell organisieren?

Es gibt schon seit mehr als zwanzig Jahren ein neonazistisches, gewaltbereites Netzwerk in Chemnitz. Die Idee "Revolution Chemnitz" gibt es in Facebook-Gruppen schon seit mehreren Jahren. Das Neonazi-Milieu ist stabil. Es ist eine Infrastruktur. Man kennt sich – und begrüßt sich mit Hitlergruß.

Es sind also viele kleinere Gruppen, die sehr gut miteinander vernetzt sind?

Ja, absolut. Mal als rechtsextremer Fanclub, mal als Hooligans – aber alle als Neonazis. Das ist die Kernideologie: antisemitisch, gewalttätig und gegen alle religiösen und ethnischen Minderheiten.

Ist diese Gruppe ein Einzelfall?

Es gibt nicht nur diese eine Gruppe, sie hat sich nur zu sehr geoutet, sodass man ihrer habhaft werden konnte.

In einem ARD-Beitrag sind die Mitglieder der "Revolution Chemnitz" Seite an Seite mit AfD-Funktionären wie Björn Höcke bei einem Trauermarsch zu sehen. Wie ist diese Verbindung zwischen solchen radikalen Gruppen und der AfD zu bewerten?

Man muss sie ernst nehmen. Bei dem Trauermarsch waren alle zusammen: AfD, Pegida, Identitäre, Neonazis. Da hat sich niemand von niemandem distanziert. Das ist einmalig in der Geschichte der Bundesrepublik, dass eine parlamentarische Partei so rechtsradikal ist und so rassistisch hetzt, dass sie auf diese Neonazis trifft und nichts dagegen hat.