Bild: dpa/Valentin Flauraud
Die Aktivistin will Markenrechte anmelden, um sich zu schützen. Unsere Autorin findet: Sie könnte ruhig auch Geld verdienen.

Der erste Artikel, den wir bei bento über Greta Thunberg veröffentlich haben, trug die Überschrift: "Diese 15-jährige Schwedin schwänzt die Schule, um das Klima zu retten" (bento). Das war im August 2018, als Greta noch weitgehend alleine vor dem schwedischen Parlament saß, um den Politikerinnen und Politikern ihres Landes deutlich zu machen, wie dringend der Klimaschutz ist. 

Nicht einmal eineinhalb Jahre später wurde die heute 17-Jährige vom US-Magazin "Time" zur "Person des Jahres" gewählt. In New York traf sie sich mit Angela Merkel, auf Instagram folgt ihr Hillary Clinton und auf Twitter wird sie von Donald Trump angegiftet. 

Greta Thunberg ist ein Name, den jeder kennt – und den lässt Greta jetzt schützen. 

"Fridays for Future", "Skolstrejk för Klimatet", "Greta Thunberg" – all diese Begriffe sollen zur Marke werden. Die Stiftung "Stiftelsen The Greta Thunberg and Beata Ernman Foundation", die die Familie Thunberg jüngst gegründet hat, stellte den entsprechenden Antrag Ende Dezember beim Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (Euipo), wie "Die Zeit" zuerst berichtete. 

Auf Instagram erklärt Greta, dass ihr Name und der Name der Bewegung immer wieder ohne ihre Zustimmung genutzt werden – beispielsweise für kommerzielle Zwecke oder um Spenden und Gelder zu sammeln. Auf Amazon etwa kann man für den günstigen und wahrscheinlich nicht fairen Preis von 16,90 Euro T-Shirts mit der Aufschrift "Follow Greta", "Team Greta" oder "#fridaysforfuture" erwerben. 

Kommerzialisierung ist kein spezifisches Problem der Klimabewegung, viele Protestkulturen wurden und werden ausgeschlachtet. Feministische Slogans verkaufen sich zum Beispiel exzellent, gern auch auf Jacken und Rucksäcken, die wahrscheinlich von unterbezahlten Frauen genäht wurden.

Um zu vermeiden, dass die Begriffe missbraucht und für Zwecke genutzt werden, die nicht im Sinne der Bewegung sind, möchte Greta die Begriffe der Klimabewegung nun als Marke eintragen und damit schützen lassen.

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Impostors, trademarks, commercial interests, royalties and foundation... First: Unfortunately there are still people who are trying to impersonate me or falsely claim that they "represent" me in order to communicate with high profile people, politicians, media, artists etc. Please be aware that this is happening and be extremely suspicious if you are contacted by ”me” or someone saying they ”represent” me. I apologize to anyone who has been contacted - and even misled - by this kind of behavior. Second: My name and the #FridaysForFuture movement are constantly being used for commercial purposes without any consent whatsoever. It happens for instance in marketing, selling of products and people collecting money in my and the movement’s name. That is why I’ve applied to register my name, Fridays For Future, Skolstrejk för klimatet etc as trademarks. This action is to protect the movement and its activities. It is also needed to enable my pro bono legal help to take necessary action against people or corporations etc who are trying to use me and the movement in purposes not in line with what the movement stands for. I assure you, I and the other school strikers have absolutely no interests in trademarks. But unfortunately it needs to be done. Fridays For Future is a global movement founded by me. It belongs to anyone taking part in it, above all the young people. It can - and must - not be used for individual or commercial purposes. And third: together with my family I’m setting up a foundation. It’s already registered and existing, but it not is not yet up and running. This is strictly nonprofit of course and there are no interests in philanthropy. It is just something that is needed for handling money (book royalties, donations, prize money etc) in a completely transparent way. For instance, taxes have to be paid before we can give them away to specified purposes and charities. This takes a lot of time and work, and when the foundation is fully up and running I will tell you more. The foundation’s aim will be to promote ecological, climatic and social sustainability as well as mental health. Love/ Greta

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Laut Antrag sollen die Begriffe für vier verschiedene Bereiche geschützt werden:

  • Für Werbung,
  • das Versicherungs- und Finanzwesen und das Sammeln von Spenden,
  • den Bildungssektor und
  • die Wissenschaft.

Ein ähnlicher Antrag einer engen Vertrauten der Thunbergs, Janine O'Keeffe, wurde schon im November an die Euipo gestellt. Sie möchte sich den Markenschutz für Produkte wie Taschen, Rucksäcke und Kleidungsstücke sichern lassen. (DER SPIEGEL)

Die Frankfurter Allgemeinen Zeitung lässt einen Werbeagentur-Chef schätzen, was die Marke "Fridays for Future" wohl wert sein könnte. Der kommt zu der Einschätzung, dass er "um ein Vielfaches höher als der von Bayern München" sei. In dem Artikel und in vielen Kommentaren auf Twitter schwingt ein empörter Unterton mit: 

Möchte die junge Schwedin nun etwa Geld mit Tassen und T-Shirts verdienen? Ist das nicht der Ausverkauf aller Ideale? Der Verrat einer Bewegung? Und müssen Demonstrierende demnächst um Erlaubnis bitten, wenn sie unter "Fridays for Future" demonstrieren wollen? 

Die deutsche "Fridays for Future"-Sprecherin Carla Reemtsma erklärt in dem Artikel der FAZ, dass unter deutschen Aktivistinnen und Aktivisten schon einmal darüber diskutiert wurde, ob Merchandise angeboten werden soll. "Da war die Bewegung deutlich dagegen", sagte Reemtsma. 

Aber warum eigentlich? Was spräche dagegen, dass Greta Thunberg Geld verdienen könnte? 

Wenn jemand von dem Wert, den diese Marke hat, profitieren sollte, dann doch wohl die junge Frau, die die Bewegung ins Leben gerufen hat. Die alleine vor dem schwedischen Parlament saß, bevor Millionen weltweit sich ihr anschlossen. Die den Kampf für Umweltschutz vor ihre eigene Schulbildung gestellt hat. Und deren ganzes Leben jetzt von der Öffentlichkeit verfolgt wird.

Tatsächlich werden Greta Thunberg und ihre Vertraute Janine O'Keeffe wohl nicht drum herumkommen, ihren Namen und den der Bewegung für wirtschaftliche Zwecke zu nutzen. Denn, so sagt es der in Markenrecht spezialisierte Anwalt Paul Lange der Zeit, es gelte als Missbrauch, wenn eine Marke nur "reserviert" werde, um andere am Gebrauch zu hindern. 

Und warum sollte sie es auch nicht nutzen? Fast das gesamte Wirtschaftssystem der westlichen Welt ist auf Gewinn und das Vermehren von Kapital ausgerichtet. Solange es kein bedingungsloses Grundeinkommen gibt und man von etwas anderem als Sozialhilfe leben möchte, ist man Teil dieses Systems und muss Geld verdienen. Warum sollte Greta Thunberg, die seit Beginn des Schulstreiks ihr gesamtes Leben dieser Bewegung gewidmet hat, nicht in irgendeiner Weise finanziell für ihren Einsatz entschädigt werden?

Ja, es könnte ihre Glaubwürdigkeit als Aktivistin untergraben, die sich allein um die Zukunft des Planeten und künftiger Generationen sorgt, wenn sie ihre Sorge auch als Marketingtool für, sagen wir, vergane Würstchen nutzen würde.

Andererseits: Greta Thunberg ist ja auch ein Mensch, wie jeder andere auch. Das mag man vielleicht schwer glauben, wenn man die 17-Jährige auf einer Bühne zu den mächtigsten Menschen der Welt sprechen sieht. Aber sie wird wohl auch noch andere Sorgen haben, als allein die Zukunft des Planeten. Etwa ihre finanzielle Absicherung. 

Es bleibt abzuwarten, was Greta mit den Markenrechten von Fridays for Future macht. Wer weiß, zu was ihre Stiftung heranwächst. Wer weiß, wozu Greta Thunberg sie eines Tages nutzen will. Sie hat es zumindest geschafft, dass Menschen ihr vertrauen. Sie kann das nutzen. 

Ob sie es ausnutzt oder ob sie es schafft, den Ansprüchen zu genügen, das steht noch nicht fest. Aber wenn jemand das Recht hat, mit dieser Bewegung Geld zu verdienen, dann ist es Greta Thunberg. 


Food

Hausgemachte Pasta : So machst du Nudeln selbst

Sie ist die Retterin aller Menschen, die absolut keine Lust haben, sich weiter mit ihrem Abendessen auseinanderzusetzen, aber wahnsinnigen Hunger haben: die Tüte Penne vom Discounter. Sie hat drei unschlagbare Argumente auf ihrer Seite: den Preis, die Tatsache, dass Nudeln sehr schnell ziemlich satt machen, und sie sind dafür recht lecker. 

Das einzige Problem ist, dass einem beim Restaurantbesuch dann leider auffällt, wie grandios das Geschmackserlebnis von handgemachten Ravioli oder Tagliatelle eigentlich ist – und die günstige Industrieware da nur schwer mithalten kann.