Bild: Christoph Soeder/dpa
Ein Gastkommentar der "Fridays for Future"-Aktivisten Carla und Nick.

Die Große Koalition muss mit ihrem politischen Gestaltungswillen am Ende sein – anders lässt sich die Klimapolitik der vergangenen Wochen nicht erklären. Während am 20. September 1,4 Millionen Menschen an über 600 verschiedenen Orten für die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens auf die Straße gingen, verabschiedete sich die Bundesregierung offiziell von diesem. Und schmiedeten stattdessen ein an Lächerlichkeit kaum zu überbietendes Klimapaket.

Wollen wir das 1,5-Grad-Ziel noch einhalten, muss die Regierung ihr Klimapaket so schnell wie möglich zurücknehmen. Wenn das in den kommenden Monaten nicht passiert, sollte sie zum Wohle dieses Landes zurücktreten.

Denn so wie die Regierung arbeitet, kann es nicht bleiben. Und sie kommt damit auch nicht durch: Gerade hat der Bundesrat das Klimapaket der GroKo gestoppt (SPIEGEL). Doch die absurd niedrige CO2-Bepreisung und Flugsteuer wurden durchgenickt. Damit halten wir keine Klimaziele ein.

Doch Berlin macht unbeirrt weiter. Aktuell verhandeln die Kabinettsmitglieder einen Vorstoß von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), der Wind als ernsthafte Energiequelle in unserem Land einschränken würde. Das Papier, das momentan noch in der Ressortabstimmung steckt und nächste Woche im Kabinett verabschiedet werden soll, würde eine pauschale Empfehlung von einem Kilometer Abstand zwischen kleinen Siedlungen und Windrädern einführen (Die Zeit). De facto würde das bedeuten: Es gäbe nur noch sehr wenige Orte in Deutschland, die sich für ein Windrad eignen würden.

Das Argument, dass dadurch die Akzeptanz der Anwohnerinnen und Anwohner für die Windkraft gesteigert würde, ist nachweisbar falsch. Das hat etwa die Fachagentur Windenergie schon vor einiger Zeit in Befragungen festgestellt.  Vielmehr wirkt es wie ein Versuch, den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu verlangsamen, während fast gleichzeitig ein neues Kohlekraftwerk ans Netz gehen soll (Handelsblatt). 

Wie soll eine Generation, die sich um ihr Überleben sorgt, diese Signale von Altmaier interpretieren, wenn nicht als Angriff?

Viele Regierungsvertreter scheinen immer noch die Lieblingsfantasie zu hegen, dass sich der Klimaprotest irgendwann verläuft, dass wir aufhören, zu protestieren und "Fridays for Future" endlich vorbei ist. Im vergangenen Jahr hieß es, die Proteste überdauern die kalte Jahreszeit nicht. Dann hieß es, die Schülerinnen und Schüler verlieren spätestens in den Sommerferien die Lust.

Und nun? Sind wir immer noch da. Und werden auch diesen Winter über weiter protestieren!

Auch am heutigen Freitag finden in weit über 500 Orten Klimastreiks statt. Und wir werden nachlegen: Wir werden solidarisch mit der Anti-Kohle-Bewegung "Ende Gelände" in die Lausitz fahren und an einem der größten Braunkohlekraftwerke des Landes protestieren. Wir werden da sein, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel kommende Woche auf der Weltklimakonferenz in Madrid gefeiert werden will. Wir werden unsere Schlüsse ziehen, wenn sich die SPD in Sachen Klima entweder vorwärts oder rückwärts orientiert – je nachdem, wen sie am kommenden Wochenende zum Parteivorstand wählt.

Wir werden zeigen, dass die Politik gerade den Großteil einer ganzen Generation verliert.

Um das deutlich zu machen, stehen wir heute wieder im ganzen Land auf den Straßen und rufen weiter:

„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“

Future

Aktiwissmus: Das Bilderbuch zur Klimakrise kommt von zwei BWL-Studenten
Hier erzählen sie, warum ihnen das Buch gerade wichtiger ist als ihr Studium.

Wer das Wort "Klimawandel" googelt, erhält binnen 0,36 Sekunden über 25 Millionen Ergebnisse. Treibhausgase, Meeresspiegel, Fleischkonsum, fossile Energiequellen – viele Menschen fühlen sich vom Umfang des Themas erschlagen. Wie soll ein Laie das verstehen?

Die Studenten David Nelles und Christian Serrer, beide 23, haben sich das auch gefragt. Und weil sie keine verständliche, kurze Erklärung fanden, schrieben sie selbst eine. 

"Kleine Gase, große Wirkung – der Klimawandel", heißt ihr Buch. 

Es ist klein und handlich, 132 Seiten kurz, mit wenig Text und vielen Grafiken, eine Art Bilderbuch für Erwachsene.