Das Geschäft mit dem Protest-Merchandise

Bei "Fridays for Future" gehen Zehntausende Schülerinnen und Schüler auf die Straße, bestreiken die Schule und protestieren für mehr Klimaschutz. Auf Amazon gibt es die passenden Protest-Shirts. Es sind Dutzende, sie kosten zwischen 14 und 18 Euro. 

In den Renzensionen zu einem "Fridays for Future"-Shirt finden wir diesen Eintrag. Ein Peter schreibt:

Die Organisatoren von "Fridays for Future" distanzieren sich von sämtlichen T-Shirts, die auf Amazon angeblich von ihnen stammen sollen. Luca Salis aus Hamburg, der sich bei "Fridays for Future" um die Vernetzung und die Homepage kümmert, nennt das eine "Masche". Er sagt: 

Zudem gehen wir davon aus, dass diese Produkte weder nachhaltig noch fair produziert wurden, was einen weiteren Grund für unsere Distanzierung darstellt.
Luca Salis

Wer verdient an diesen T-Shirts? Und wer kriegt das Geld?

Die T-Shirts auf Amazon stammen von verschiedenen Verkäufern. Einige haben "Fridays for Future" im Namen. Viel mehr lässt sich auf Amazon nicht auf den ersten Blick herausfinden.

1. Wir bestellen ein Protest-Shirt

Für 14,99 Euro landet ein marineblaues Damen-Shirt mit Erdkugel und "Fridays for Future"-Schriftzug im Warenkorb. Noch am selben Tag bekommen wir eine E-Mail von Amazon: "Guten Tag, wir möchten Ihnen hiermit mitteilen, dass wir Ihre Bestellung versandt haben." 

Zwei Tage später kommt das T-Shirt in einem flachen braunen Pappkarton an. Kein Logo auf der Verpackung, kein Lieferschein, nichts, das uns weiterhilft.

Auch die Rechnung verrät nicht viel mehr – aber es gibt eine Steuernummer. Die führt zu Amazon. Der Artikel wird vom Onlineversandhändler selbst verkauft.

2. Anruf beim Kundendienst

Fragen wir doch einfach den Kundendienst etwas zu dem Produkt, das wir gerade erworben haben. An wen wir uns da wenden können? "Die T-Shirts werden von Amazon verkauft und versendet", heißt es am Telefon – weitere Details will man uns nicht verraten. 

3. Wir schicken Amazon unsere Fragen

Wir melden uns beim Presseteam von Amazon. Die finden für uns immerhin heraus, dass die T-Shirts auf "Merch by Amazon" zurückgehen. Amazon bietet an, eigene Motive zum Beispiel auf T-Shirts zu drucken und an seine Kunden auszuliefern. 

Für jedes verkaufte Shirt bekommen die Designer des Motivs einen Anteil des Kaufpreises. Außerdem verdient Amazon mutmaßlich an dem Verkauf. Disney und Marvel nutzen den Service zum Beispiel.

Kostet ein T-Shirt 15,99 Euro, erhält eine Verkäuferin oder ein Verkäufer normalerweise 1,74 Euro von Amazon. So steht es auf der Seite. Richtig reich werden die Verkäufer der T-Shirts eher nicht, vor allem nicht, wenn das Motiv erst aufwendig erstellt wurde.

4. Verstoß gegen Richtlinien

"Fridays for Future" sind erstmal nur drei Worte. Dahinter steht kein eingetragener Verein, keine Firma, die sich um die Markenrechte kümmert. 

Zumindest noch nicht: Im offiziellen Markenregister ist schon vermerkt, dass zwei Personen aus Stuttgart am 8. Februar einen Antrag für die Marke "Fridays for Future" eingereicht haben, unter anderem für Druckerzeugnisse, Mode und Finanzberatung. Eine Waldorfschule gratulierte den beiden Anmeldern im vergangenen Jahr zum bestandenen Abitur.

Es gibt auch noch Regeln, an die sich Nutzer und Nutzerinnen von "Merch by Amazon" halten müssen In den sogenannten "Inhaltsrichtlinien" von Amazon steht unter anderem, dass Beschreibungen verboten sind, die den Eindruck erwecken, Amazon würde Erlöse für eine politische Kampagne spenden.

Aber das ist genau der Eindruck, der ensteht. Wenn ich ein Disney-Shirt kaufe, verdient Disney, logisch. Warum soll das bei einem "Fridays for Future"-Shirt anders laufen?

5. Kein Statement von Amazon

Amazon findet offenbar nicht, dass die Protest-Shirts gegen die Richtlinien verstoßen. Wir fragen trotzdem noch einmal nach. Wir wollen wissen: "Glauben Sie nicht, dass der Name suggeriert, dass hinter den T-Shirts die 'Fridays for Future'-Bewegung steckt?" und "Finden Sie das für die Käufer nicht verwirrend?"

Amazon teilt uns mit, dass man darauf nicht antworten werde. Man will uns auch nicht sagen, von wem die Motive stammen. Wer sie hochgeladen hat. Was mit den Einnahmen passiert.

Wie geht es weiter?

Amazon mauert. Verkauft werden die Protest-Shirts weiter. "Fridays for Future" kann im Moment noch nicht sagen, ob sie sich direkt an Amazon wenden wollen, um den Verkauf zu stoppen. 

Das bestellte T-Shirt ist laut Etikett übrigens von einem Hersteller, der auf seiner Homepage damit wirbt, ein "Fast Fashion"-Produzent zu sein. Ziel ist es hierbei, in hoher Frequenz neue Mode in Geschäfte zu bringen. Möglich wird das durch die Beschleunigung in der Produktion. Das geht meist zu Lasten der Umwelt. 

Also genau das Gegenteil von dem, wofür die "Fridays for Future"-Bewegung steht.


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