Bild: dpa/lbn/Hannibal
Codewort "Obst"
Was ist passiert?

Am frühen Dienstagmorgen sind im sächsischen Freital fünf mutmaßliche Rechtsterroristen festgenommen worden. Sie stehen im Verdacht, die terroristische Vereinigung "Gruppe Freital" gegründet zu haben.

An dem Großeinsatz beteiligen sich 200 Beamte des Bundeskriminalamts, der Bundespolizei und der sächsischen Polizei; auch die Antiterroreinheit GSG 9 war vor Ort. Die Polizisten durchsuchten mehrere Wohnungen und stellten eine dreistellige Anzahl von Feuerwerkskörpern aus Tschechien sicher. (SPIEGEL ONLINE I)

Was wissen wir über die Festgenommenen?

Festgenommen wurden vier Männer und eine Frau:

  • Justin S., 18
  • Sebastian W., 25
  • Mike S., 26
  • Rico K., 39
  • Maria K., 27

Sie sollen die "Gruppe Freital" mitgegründet haben und als Mitglieder in ihr aktiv gewesen sein.

Anführer der "Gruppe Freital" sind nach bisherigen Ermittlungen Timo S., 27, und Patrick F., 24; sie sitzen bereits seit November in Untersuchungshaft. Ein weiteres mutmaßliches Mitglied der Gruppe – der 29-jährige Philipp W. – wurde ebenfalls bereits im November verhaftet. (Mitteilung der Bundesanwaltschaft)

Die Mitglieder der "Gruppe Freital" sollen sich in einer geschlossenen WhatsApp-Gruppe organisiert haben. Wenn sie dort über ihre Aktionen sprachen, sollen sie Codes benutzt haben, für Sprengsätze zum Beispiel das Wort "Obst". (SPIEGEL ONLINE II, Tagesspiegel)

Was wird ihnen vorgeworfen?
  • Gründung einer terroristischen Vereinigung,
  • versuchter Mord,
  • gefährliche Körperverletzung,
  • Sachbeschädigung.

Außerdem sollen sie mehrere Sprengstoffexplosionen herbeigeführt haben. (Mitteilung der Bundesanwaltschaft)

Die Anschläge richteten sich gegen Flüchtlingsunterkünfte in Freital sowie ein alternatives Wohnprojekt in Dresden. Im Einzelnen soll die "Gruppe Freital" laut Bundesanwaltschaft für folgende Anschläge verantwortlich sein:

  • In der Nacht vom 19. auf den 20. September 2015 wurde am Küchenfenster einer Flüchtlingsunterkunft in Freital ein Sprengkörper angebracht und gezündet. Die Bewohner der Unterkunft wurden nur deshalb nicht verletzt, weil sich zum Zeitpunkt der Explosion niemand in der Küche aufhielt. Dem gegenwärtigen Ermittlungsstand zufolge soll Patrick F. den Anschlag für die "Gruppe Freital" verübt haben.
  • In der Nacht vom 18. auf den 19. Oktober 2015 wurden Steine und Sprengsätze auf das Gebäude des Wohnprojekts "Mangelwirtschaft" in Dresden geworfen, teilweise wurde auf erleuchtete Fenster gezielt. Hinter dem Anschlag sollen Mitglieder der "Gruppe Freital" stecken, darunter einige der jetzt Festgenommenen.
  • In der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November 2015 gab es einen Anschlag auf eine weitere Flüchtlingsunterkunft in Freital. Wieder wurden an Fenstern Sprengkörper gezündet; ein Bewohner wurde verletzt. Auch hinter dieser Attacke soll die "Gruppe Freital" stecken.

Eventuell sind die Festgenommenen für weitere Anschläge verantwortlich. Laut SPIEGEL ONLINE werden sie außerdem verdächtigt, ein Parteibüro der Partei Die Linke angegriffen und einen Sprengstoffanschlag auf das Auto eines Freitaler Stadtrats verübt zu haben.

(Bild: dpa/Oliver Killig)
Was wissen wir über die Vorgeschichte?

Die "Gruppe Freital" ist den Behörden schon länger bekannt: Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden hatte bereits im vergangenen Jahr Ermittlungen aufgenommen. Am 11. April 2016 zog der Bundesanwalt in Karlsruhe diese Ermittlungen schließlich an sich, unter anderem wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung. Geht es um Terrorverdacht, ist die Bundesanwaltschaft zuständig. (Mitteilung der Bundesanwaltschaft, SPIEGEL ONLINE I)

Die sächsische Stadt Freital ist seit dem vergangenen Sommer in ganz Deutschland bekannt: Fremdenfeinde hatten wochenlang vor einem Flüchtlingsheim in einem ehemaligen Hotel demonstriert; es gab mehrere Angriffe auf Asylbewerber (SPIEGEL ONLINE III).

Warum sprechen wir hier von Terror?

Terrororganisationen haben sehr unterschiedliche Ziele, trotzdem gibt es einige Gemeinsamkeiten, die auch auf die "Gruppe Freital" zutreffen. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung zeichnet sich eine terroristische Gruppe zum Beispiel dadurch aus, dass sie ...

  • nicht staatlich legitimiert ist.
  • politische, ideologische oder religiöse Motive sowie längerfristige Ziele hat.
  • primär physische Gewalt anwendet (Geiselnahmen, Attentate, Morde), auch wenn psychische Wirkungen beabsichtigt sind.
  • Angst und Schrecken verbreitet,
  • auf gesellschaftliche Verhältnisse aufmerksam machen, Meinungen und Handlungen beeinflussen oder zu Umstürzen beitragen will.
  • einen von ihr selbst definierten Feind hat.


Sport

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