Bild: Unsplash/Joshua Rawson Harris

Am 14. Oktober wurde eine 18 Jahre alte Frau in Freiburg vergewaltigt. Acht Männer im Alter von 19 bis 29 Jahren sitzen als Tatverdächtige in Untersuchungshaft. 

Die Frau war an dem Abend in einem Club feiern, als ein Mann ihr ein Getränk anbot, das sie annahm. So erzählt sie es später. Der Mann soll etwas in den Drink gemischt haben, das sie wehrlos machte. Später, sagt sie, habe er sie in einem Gebüsch vergewaltigt. Danach hätten sich noch weitere Männer an ihr vergangen. (SPIEGEL ONLINE)

In einem SPIEGEL-Interview äußerte sich jetzt der Freiburger Polizeipräsident Bernhard Rotzinger zu dem Fall. Er sagte, er halte die Sicherheitslage in Freiburg auch nach der Gruppenvergewaltigung für stabil. Und dann fiel dieser Satz:

Wir können den Bürgern keine Vollkaskoversicherung bieten. Einen Ratschlag habe ich aber: Macht euch nicht wehrlos mit Alkohol oder Drogen.
Bernhard Rotzinger, Freiburger Polizeipräsident

Das ist wirklich kein guter Ratschlag. 

Indem Rotzinger dazu rät, man möge sich nicht wehrlos machen, impliziert er, dass Opfer sexualisierter Gewalt etwas zu den Taten beigetragen haben. Dass sie die Taten durch ein anderes Verhalten hätten verhindern können. Dass sie eine Mitschuld tragen.

Die Lösung ist nicht, dass Frauen keinen Alkohol mehr trinken und keine Drogen mehr nehmen. Wir können nicht permanent in Habachtstellung sein, weil wir damit rechnen müssen, angegriffen zu werden. Stattdessen muss die Lösung so aussehen:

Wir müssen ein gesellschaftliches Klima schaffen, in dem Frauen sich sicher fühlen können. 

Indem Männern beigebracht wird, dass Frauen keine Objekte sind, die sie sich einfach nehmen können. Und indem diejenigen, die das doch so sehen, hart bestraft werden.

Im Notfall sind wir alle wehrlos. Ob uns jemand etwas in den Drink mischt, uns verbal bedroht oder eine Waffe an den Kopf hält. 

Das Problem liegt nicht bei den Opfern, sondern bei den Tätern. 

Mit solchen Hinweisen wie denen von Bernhard Rotzinger lösen wir dieses Problem nicht.


Gerechtigkeit

"Man wird wie ein Gegenstand behandelt": Was Hostessen auf Messen erleben

Jung, hübsch, weiblich - es gibt wenige Jobs auf der Welt, bei denen derart offen kommuniziert wird, dass es hauptsächlich um das Aussehen geht, wie bei Messe-Hostessen. Was das Model für ein Produkt auf der Plakatwand macht, sollen Hostessen oft im wahren Leben schaffen: Aufmerksamkeit lenken.

Doch während Models den Menschen vor dem Fernseher selten begegnen, sind Hostessen direkt mit den potentiellen Kunden konfrontiert. Und nicht selten scheinen die Kunden zu verwechseln, was an einem Messestand angepriesen wird – und versuchen ihr Glück bei der Frau und nicht mit dem Produkt.

"Ein etwa 50-jähriger Anzugträger kommt näher, mustert mich, von oben bis unten, und blättert dann im Info-Flyer. Ich gehe auf ihn zu, um ihn über den Messestand zu informieren. Er wirkt erfreut über meinen Anblick, aber verwundert über meine Fachkenntnis: 'Ach, du weißt wirklich Bescheid. Ich dachte ihr seid eher nett anzusehen.' Dann schiebt er mir seine Nummer rüber. 'Melde dich doch mal nach der Arbeit', sagt er mit einem Zwinkern."

So schildert Aya eine typische Begegnung bei einer Hamburger Messe. Aya* ist 25, studiert und hat vor kurzem zum ersten Mal als Hostess gearbeitet.