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41 Millionen Frauen leben in Deutschland. Was passiert, wenn sie alle einen Tag nicht zur Arbeit gehen? Nicht in die Uni? Wenn sie sich nicht um ihre Kinder kümmern? Wenn sie an diesem Tag keinen Sex haben?

Was passiert, wenn sie alle streiken?

Was radikal klingt, soll am 8. März, dem Weltfrauentag, Wirklichkeit werden.

In the spirit of women and their allies coming together for love and liberation, we offer A Day Without A Woman. We ask:...

Posted by Women's March on Washington on Tuesday, February 14, 2017


Zum Women's Strike aufgerufen haben die Organisatoren des "Women's March" in den USA. Doch nicht nur dort soll gestreikt werden. Sondern auch in Deutschland, in Polen, in Argentinien, auf der ganzen Welt.

Es ist DER Aufruf zum globalen Generalstreik.

In Deutschland gibt es nicht die eine Vereinigung, die zum Streik aufruft. Aber viele kleine Organisationen und Initiativen wollen sich dem Streik anschließen. Hier findest du heraus, wer wo streikt:

Das sind die Aktionen zum Weltfrauentag in deinem Bundesland:

In ganz Deutschland werden Aktionen zum Weltfrauentag geplant. Das im Februar gegründete "Feministische Netzwerk" gibt einen Überblick: Wer noch nach einer passenden Veranstaltung in seinem Bundesland sucht, kann hier eine passende Veranstaltung finden.

Es sind Freundinnen und Kolleginnen, die sich plötzlich organisieren. Die sich in Küchen treffen und in Projekträumen. Die Demos planen. Und Partys. Und die den Frauenstreik ausrufen. In Hamburg zum Beispiel gehören Daniela Wurbs, 36, und Silvia Hafkus, 34, dazu. Sie engagieren sich in der neu gegründeten Initiative "FrauenBewegen".

Auch wenn die Idee des Streiks radikal klingt, radikal soll es nicht sein. Kämpferisch hingegen schon.
Silvia Hafkus

Aber das Ganze solle ohne Druck geschehen. Das heißt: Keine Frau muss sich gezwungen fühlen, an diesem Tag nicht zur Arbeit gehen. Sie könne auch bewusst einfach fünf Minuten streiken. Fünf Minuten nichts tun.

Man könne aber auch anders seine Solidarität zeigen:

  1. Nicht einkaufen gehen (außer in Läden die von Frauen oder Minderheiten geführt werden).
  2. Sich rot kleiden.

So steht es auf der Seite des Women's March. Und natürlich sind auch Männer eingeladen zu streiken.

Zum Klicken: Welche wichtigen Frauenstreiks gab es früher?

Frauenstreiks sind nicht neu, schon in der Antike schrieb der Dichter Aristophanes die Komödie "Lysistrata": Um den 20-jährigen Krieg zwischen Sparta und Athen zu beenden, streikten die Frauen – bis wieder Frieden herrschte. (BR)
Welche Streiks haben uns in den vergangenen Jahren beeindruckt?
In Island zum Beispiel streikten am einem Tag im Jahr 1975 rund 90 Prozent der Frauen, um für Gleichberichtigung und bessere Kinderbetreuung einzustehen. Der Beginn der isländischen Frauenbewegung. (Tagesspiegel)
Und im Jahr 1991 streikten 500.000 Schweizerinnen unter dem Motto: "Wenn Frau will, steht alles still" – um für Lohngerechtigkeit zu kämpfen. (Wochenzeitung)
Und heute?
Bei den Womens Marches in den USA marschierten Anfang des Jahres Hunderttausende gegen den neuen Präsidenten, gegen Rassismus und für Frauenrechte. (bento)
Beim "schwarzen Protest" in Polen demonstrierten im Oktober Zehntausende Frauen gegen das strenge Abtreibungsverbot. Viele von ihnen gingen deshalb nicht zur Arbeit. (SPIEGEL ONLINE)
Im Herbst 2016 protestierten mehrfach Menschen gegen Frauengewalt in Argentinien. Auslöser war unter anderem die Vergewaltigung und der anschließende Mord an einer 16-Jährigen. (Zeit Online)
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Aber: Warum sollten sie eigentlich?

"Im Moment herrscht das Gefühl, dass es genug ist", sagt Silvia Hafkus.

Und was heißt "genug"?

Die Wahl von Donald Trump. Der Brexit. Und der allgemeine Rechtsruck in Europa. "Wir wollen dem etwas entgegensetzen. Frauen haben eine besondere Stellung in der Gesellschaft, weil sie auf vielfache Weise von Diskriminierung betroffen sind", sagt Daniela Wurbs.

Zum Beispiel verdienen Frauen statistisch gesehen immer noch 21 Prozent weniger (Destatis). Auch hat schon jede dritte Frau in Europa sexuelle oder körperliche Gewalt erlebt (sueddeutsche.de).

Wie viele Frauen tatsächlich am 8. März streiken ist ungewiss.

Wer niemanden hat, der sich um sein Kind kümmert, wer pflegebürftige Eltern hat oder wer in einem kleinen Unternehmen arbeitet, wird kaum streiken können.

Auch rein rechtlich ist ein Generalstreik nicht erlaubt, sagt Wolfgang Däubler, der Professor lehrt deutsches und europäisches Arbeitsrecht an der Universität Bremen. Er sagt:

"Nach der deutschen Rechtsprechung sind nur solche Streiks rechtmäßig, die von einer Gewerkschaft getragen sind. Streiks von Arbeitnehmergruppen werden anders als in Frankreich, Spanien oder Italien als rechtswidrig angesehen und abschätzig als 'wilde' Streiks bezeichnet."

Dennoch:

"In der Praxis gibt es die Erfahrung, dass sehr breite Bewegungen in der Regel nicht mit Sanktionen beantwortet werden."

So habe es etwa 1972 bei dem Misstrauensvotum gegen den ehemaligen Bundeskanzler Willy Brandt zahlreiche Streiks gegeben. "Doch wurde praktisch niemand auch nur abgemahnt. Ist die Front schwächer, kann mit Abmahnungen, im Extremfall auch mit Kündigungen gerechnet werden", sagt Däubler.

Wer also erst mal nicht streiken möchte, kann sich einer der vielen Demos anschließen:

Lasst uns zusammen gehen. Am 8. März ab 17:30 Uhr in Hamburg auf dem Rathausmarkt #sistersmarch

Posted by Sisters' March on Thursday, February 16, 2017
Und danach vielleicht noch gemeinsam feiern, in Hamburg zum Beispiel organisiert "FrauenBewegen" eine Party:
(Bild: FrauenBewegen)

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