Bild: Imago/Privat, Montage: bento
Wir haben mit MINT-Wissenschaftlerinnen über Sexismus in der Branche gesprochen.

Der Informatikerin Katie Bouman haben wir das allererste Foto eines schwarzen Lochs zu verdanken. Ein Bild von diesem großen, wichtigen Moment ihrer Karriere postete Bouman auf Twitter – und erntete Hass und Sexismus. (bento)

Obwohl Katie Bouman niemals behauptet hatte, allein für den wissenschaftlichen Durchbruch verantwortlich zu sein, gönnten ihr viele den Ruhm nicht. Das zeigt, wie schwer es Frauen in den Naturwissenschaften noch immer haben.

Wir haben uns gefragt: Wie geht es anderen Frauen in MINT-Berufen und wie gehen sie mit Sexismus um?

Frauen in MINT-Berufen

Der Frauenanteil in MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) beträgt in Deutschland gerade mal rund 15 Prozent. Das Interesse wächst aber, vor allem bei jüngeren Frauen. Rund 28 Prozent der Studierenden in MINT-Fächern sind weiblich. (Arbeitsagentur)

Kerstin, 27, Biologiestudium, technische Assistentin aus Frankfurt

Ich wusste schon mit 16, dass ich gerne in die Forschung möchte. Biologische Abläufe und Systeme faszinieren mich und ich lerne gern Neues. Im Biologie- Studium war das Geschlechterverhältnis relativ ausgeglichen. Es gab sogar eher weniger Männer. Im Job genauso. Allerdings ist das Machtgefälle sehr stark: Männer sind in besser bezahlten Post-Doc-Stellen oder Führungspositionen, Frauen im alltäglichen Laborbereich als ausführende Hände für die Ideen und Versuche der Männer.

Der Umgangston ist auch eher rau. Oft wird man als Frau nicht nach der eigenen Meinung gefragt. Umgekehrt frage ich wegen jeder Kleinigkeit, um nichts falsch zu machen. Vorschläge von Kolleginnen, aber auch von introvertierten Kollegen werden öfter hinterfragt bevor sie für gut befunden werden.

Ich habe den Eindruck, dass es sehr traditionell zugeht. Da ist nichts mit gendergerechter Sprache oder Gleichstellung.

Es werden auch oft sexuell angehauchte Witzchen gemacht. Ich selbst musste mich mal bei meinem Chef wegen Belästigung durch einen Kollegen beschweren und habe im Gesprächsverlauf geweint. Er hat meine Beschwerde als zu übertrieben abgetan und es gab keine Konsequenzen für den Kollegen. Seitdem habe ich den Eindruck, dass er mich als schwach und emotional einstuft.

Ich glaube, das Machtgefälle in den MINT-Berufen könnte man mit Stipendien für benachteiligte Geschlechter, also nicht nur Frauen, ausgleichen, um sie in höheren Positionen anzusiedeln und zu fördern. Und mein Tipp für benachteiligte Geschlechter in der Forschung: Haltet durch. Es ist hart und unfair, dass ihr immer alles zweimal so gut belegen müsst – aber es lohnt sich.

Juliane, 30, ist IT- Beraterin für Banken in Frankfurt

Ich habe eine Ausbildung zur Investmentfondskauffrau gemacht und war damals in meiner Ausbildung die einzige Frau. Später im Wirtschaftsrechtstudium war es etwas ausgeglichener. Während meiner Ausbildung wurde ich oft ausgeschlossen, denn ich war ja ein 'Mädchen'.

Das war wirklich schwer, gerade wenn sie anfingen, dumme Witze zu machen. Außerdem war ich regelmäßig diejenige, die Plakate schrieb, denn ich hatte ja die 'schönste Schrift'. Mit der Zeit lernte ich, damit umzugehen.

Aber auch im Job gab es immer wieder Sprüche oder Anspielungen. Einmal wurde ich gebeten, zu einem Termin mitzukommen, damit 'der Kunde auch was zum Anschauen hat' oder ich wurde gefragt, ob ich mir 'sicher bin, dass ich das kann'. Ich wurde auch häufiger unterbrochen als meine Kollegen – oder es wird einfach über mich hinweg geredet.

Die Zusammenarbeit mit meinen jetzigen Kollegen ist allerdings sehr gut. Ich kann zwar am Ende von einem höheren Mitarbeiter in der Entscheidung überstimmt werden – aber meine Argumente werden alle angehört und fachlich wertgeschätzt.

Ich glaube dennoch, dass ich es schwerer habe als Männer. Egal, was ich tue – es wird öfter bewertet und hinterfragt als bei Männern. Mache ich einen Fehler, bin ich nicht für den Job geeignet. Kann ich mein Wissen unter Beweis stellen, bin ich zu pedantisch. Sehe ich müde aus, achte ich nicht genug auf mich. Erzähle ich von meinen fachlichen Aktivitäten außerhalb der Arbeit, bin nicht fokussiert. Welchem Mann passiert das?

Merle, 28, studiert in Leipzig Wirtschaftsingenieurwesen

(Bild: Privat)

Mein Vater ist Diplom-Ingenieur und hat mir und meinem Bruder schon als Kinder die Faszination an Naturwissenschaften beigebracht: Wir lernten die Reihenfolge der Planeten und er zeigte uns, wie unser Teleskop funktioniert. Und im Fernsehen liefen neben Kindersendungen auch Dokumentationen.

Ich habe erst Kauffrau für Marketingkommunikation gelernt, dann aber schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist. Der Weg zur Wirtschaftsingenieurin erschien mir das Sinnvollste, um die Ausbildung nicht zu vergeuden.

In meinem Studiengang sind knapp die Hälfte Frauen. Ein Unterschied fällt mir allerdings auf: die Familienplanung. Während es unter den männlichen Kommilitonen einige Väter gibt, kenne ich nur zwei Frauen mit Kindern und die haben heftig zu kämpfen.

Gerade in den ersten beiden Semestern gab es oft Tage von 7.30 Uhr bis 20.30 Uhr. Eine Kommilitonin hat versucht, über das Programm für Studierende mit Kind Lösungen zu finden. Deren plumpe Antwort war: 'Studieren Sie halt was anderes. Soziale Arbeit oder sowas.'

Ich komme durch meine vorherige Ausbildung mit Anfang 30 aus dem Master, bin in einer festen Partnerschaft und kinderlos.

Ich gehe fest davon aus, dass ich einige interessante Arbeitsplätze, für die ich geeignet wäre, vergessen kann.
Merle

Allein, weil die Personaler davon ausgehen, dass ich  schnell schwanger werde. Ich möchte aber nicht auf einen Traumjob verzichten müssen, nur weil ich einen Uterus habe.

Zum Glück muss ich mir bei meinem Partner keine Sorgen machen, wer beim Nachwuchs zu Hause bleibt. Das ist bereits besprochen. Wenn es so weit sein sollte, nehmen beide Elternzeit und danach wird geschaut, wer je nach Position und Arbeitsmodell Stunden reduzieren oder von Zuhause arbeiten kann.

Karolin, 32, ist IT-Beraterin in Bonn

"Ich habe Mathematik und Informatik studiert. Heute bin ich in meiner Abteilung die einzige Frau. Im Alltag habe ich fast nur mit männlichen Kollegen und männlichen Kunden zu tun. Auch in Meetings bin ich meist die einzige Frau. Ich war immer ein wenig stolz auf meine Sonderstellung und dachte: 'denen zeige ich es'.

Ich gehöre zu der glücklichen Minderheit, die nie bewusst Diskriminierung erfahren hat. Unter meinen Kollegen habe ich nicht das Gefühl, als Frau anders wahrgenommen zu werden und mich mehr behaupten zu müssen, weil ich eine Frau bin. Ich habe aber den Eindruck, dass Männer zunächst als kompetenter wahrgenommen werden, als Frauen.

Wir müssen uns oft erstmal beweisen.
Karolin

Ich denke, dass schon in der Schule darauf geachtet werden muss, dass Mädchen mehr zugetraut wird. Sätze wie 'Du bist ein Mädchen. Klar, dass du kein Mathe kannst', sind einfach total blöd. Schließlich ist fürs Programmieren oder Rechnen kein Penis nötig.

Und ich finde es wichtig, dass Frauen netzwerken und sich gegenseitig helfen. Denn gerade die, die sich ungerecht behandelt fühlen, können so unterstützt werden.


Fühlen

Das passiert, wenn man zehn Tage lang das gleiche Outfit trägt

Wer morgens ratlos vor einem vollen Kleiderschrank steht, hat sich vielleicht schon einmal gefragt, ob es nicht einfacher wäre, jeden Tag das gleiche Outfit zu tragen. Bluse oder Lieblingspullover? Hemd oder Hoodie? Wenn man sich nicht mehr entscheiden muss, was man tragen wird, bleibt mehr Energie für andere Entscheidungen übrig. (Business Insider

Warum tragen wir überhaupt verschiedene Klamotten? Und wie viele brauchen wir wirklich?