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Wenige Tage nach den Golden Globes und der bewegenden Rede von Oprah Winfrey, den beeindruckenden Bildern von den schwarzen Kleidern auf dem roten Teppich, den zahlreichen "Time’s Up"-Pins an den Revers der männlichen Gäste, könnte man das Gefühl haben: In der Filmindustrie tut sich etwas. 

Doch diese aktuelle Studie zeigt, dass es in Sachen Frauenpower noch sehr viel zu tun gibt.

Die traurige Erkenntnis der "Celluloid Ceiling"-Studie:

Seit 1998 ist die Anzahl an Frauen an Filmsets nicht signifikant gestiegen, sie liegt 2017 immer noch bei lediglich 18 Prozent. 

Was genau wurde erforscht? 

Das "San Diego State University’s Center for the Study of Women in Television and Film" untersucht seit 20 Jahren in einer Langzeitstudie, wie viele Jobs an Filmsets mit Frauen besetzt werden und zwar als Regisseurinnen, Autorinnen, Produzentinnen, Produktionsleiterinnen, Cutterinnen und Kamerafrauen. Dafür haben sie sich die Top 100, 250 und 500 amerikanischen Filme angeschaut, die 2017 am meisten Gewinn gemacht haben.

Was sie für das Jahr 2017 herausgefunden haben? Unter anderem das hier:
1998 lag der Anteil an Frauen hinter der Kamera bei den Top 250 Filmen bei 17 Prozent. 2017 sind es 18 Prozent.
Frauen sind bei den top 250 Filmen als Produzentinnen am stärksten vertreten – allerdings auch nur mit 25 Prozent.
Nur in 4 Prozent der untersuchten Top 250 Filme stand eine Frau hinter der Kamera.
In 30 Prozent der Top 250 Filme war keine oder nur eine Frau in einer der oben genannten Positionen eingestellt.
Nur bei 20 Prozent der Top 250 Filme war eine weibliche Autorin beteiligt.
Im Umkehrschluss heißt das: Bei 80 Prozent der Top 250 Filmen hat nicht eine einzige Frau als Autorin mitgemischt.
Bei nur 11 Prozent der Top 250 Filme wurde von einer Frau Regie geführt.
Unter den Top 100 Filmen lag sogar nur bei 8 Prozent die Regie in den Händen einer Frau.
Die ultimative Männerdomäne: Der Ton. Nur bei 3 Prozent der Top 250 Filme waren Frauen für den Ton zuständig.
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Hier kannst du dir alle Ergebnisse der Studie anschauen. 

Warum ist das ein Problem?

Filme und Literatur prägen unser Weltbild, die Art wie wir denken, wie wir Dinge wahrnehmen. Barbara Streisand hat es bei der Vorstellung der Nominierten für "Best Motion Picture" bei den Golden Globes 2018 so formuliert:

Die Wahrheit ist mächtig. Und in einem wirklich guten Film erkennen wir die Wahrheit über uns selbst und über andere. Die Wahrheit kann so mächtig sein, dass sie die Gedanken von Menschen verändern, ihre Herzen berühren und letztlich auch die Gesellschaft als solche verändern kann.

Aus diesem Grund müssen auch Frauen an der Entstehung von Filmen beteiligt sein. Weil auch sie mitbestimmen sollten, wie die Gesellschaft aussieht. Und ein Blick auf die Programme der Kinos in Deutschland zeigt: Amerikanische Filme sind auch auf unseren Leinwänden sehr präsent. Dieses Problem geht auch uns etwas an. 

Streisand war die einzige Frau, die jemals bei den Golden Globes eine Auszeichnung als "Best Director" erhalten hat. Im Jahr 1984, vor 34 Jahren.

Warum ändert sich in Hollywood nichts?

Das stimmt so nicht ganz. Zumindest gibt es einige aus der Industrie, die auf das Problem aufmerksam machen, wie etwa Barbara Streisand. Auch Natalie Portman kommentierte bei der Vorstellung der Nominierten für "Best Director" bei den Golden Globes das Fehlen von weiblichen Nominierten:

"And here are the all-male nominees" 

Und andere wie Reese Witherspoon treten richtig in Aktion: 2012 hat die Schauspielerin gemeinsam mit Bruna Papandrea die Produktionsfirma "Pacific Standard" ins Leben gerufen. Sie möchte Filme fördern und produzieren, die starke Frauen und ihre Geschichten in den Fokus stellen.

Man sieht, dass das Bewusstsein für das Problem immerhin wächst und Initiativen gestartet werden, um auch hinter den Kulissen mehr Frauen zu beschäftigen. 

Es bleibt zu hoffen, dass im Zuge der #MeToo-Debatte und der "Time's-Up"-Aktion endlich auch die Zeit für Frauen als Regisseurinnen, Produzentinnen oder Kamerafrauen gekommen ist. 


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