Bild: dpa/Sophia Kembowski
Sechseinhalb Fakten über Franziska Giffey.

Die neue Regierung steht. Seit Freitag ist bekannt, welche Minister dem neuen Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel angehören sollen. Die Regierungsparteien CDU, CSU und SPD haben einige neue Nachwuchspolitiker aufgestellt. Was sich positiv auf das Kabinett auswirkt:

  • Im Durchschnitt ist das neue Kabinett 51 Jahre alt. Zwei Minister sind unter 40. (bento)
  • Die Posten sind beinahe gleichberechtigt vergeben: Von den 16 Posten werden sieben von Frauen besetzt. (bento)

Woran es allerdings mangelt: an Ministern aus Ostdeutschland.

Wenn man die Sonderrolle von Bundeskanzlerin Angela Merkel außen vor lässt, gibt es 15 Ministerien – und nur eines ist mit einer Ostdeutschen besetzt. Die 39-jährige Franziska Giffey von der SPD wird neue Familienministerin. Alle anderen Minister haben Wurzeln in Westdeutschland – vor allem im Saarland, in Niedersachsen und Bayern.

Umso mehr Aufmerksamkeit bekommt nun die "Quotenossi"-Ministerin. Aber wer ist Franziska Giffey? Die Fakten: 

1. Sie ist eine absolute Newcomerin.

Giffey hat bisher keine landes- und bundespolitischen Erfahrungen gesammelt. Stattdessen war sie als Bezirkspolitikerin in Berlin aktiv und zuletzt die Bürgermeisterin von Berlin-Neukölln. Das ist ungewöhnlich: Normalerweise arbeiten sich Politiker über einen Job in einer Landesregierung hoch, Giffey hat das einfach übersprungen.

2. Aber sie hat Street-Credibility.

Das Bürgermeisteramt hatte sie ab April 2015. In den drei Jahren hat sie sich den Ruf einer pragmatischen Anpackerin erarbeitet. Die "Welt" nennt sie die "Merkel von Neukölln", der "Tagesspiegel" taufte sie "die Unermüdliche" und SPIEGEL ONLINE nennt sie die "Königin von Neukölln".

Ihr Amtsvorgänger Heinz Buschkowsky, bekannt für seine raue Art, sagt über sie:

Es kann der Bundesregierung nicht schaden, wenn jemand am Tisch sitzt, der weiß, was ein sozialer Brennpunkt ist und dort schon politische Verantwortung getragen hat.

Als sie am Mittwoch vorab von ihrem neuen Job erfuhr, war sie gerade bei der Einweihung neuer Schultoiletten. Und das war ihr dann auch erst mal wichtiger:

3. Sie geht soziale Probleme an – notfalls mit Härte und Honigwein.

Giffey weiß, dass Neukölln ein sozialer Brennpunkt ist. Anders als die AfD sieht sie den Berliner Stadtteil allerdings nicht als verlorenes Ghetto – sondern als Modell für Integration. 

Sie setzt sich für eine Kitapflicht ein, hilft bei der Modernisierung von Schulen und bekämpft die Bandenkriminalität vor Ort. Viele Neuköllner schätzen sie genau dafür. Helfen, wo es geht; Härte zeigen, wo es nötig ist. 

Um Vertrauen zu gewinnen, packt Giffey überall mit an. Und probiert alles aus. Die "Neon" beschreibt einen Besuch bei einem Mittelalterfest, ein glatzköpfiger Hüne hält ihr ein mit Honigwein gefülltes Kuhhorn hin: "Traun sich wohl nicht, wa?" Sie greift zu und trinkt.

Ich beschreibe meinen Bezirk nicht als Ghetto, wie er manchmal gesehen wird. Manche haben so ein Bild im Kopf und dann ist es meine Aufgabe, die auch zu überraschen.
Franziska Giffey (Tagesschau)

4. Sie kommt ganz tief aus dem Osten.

Giffey wurde in Frankfurt an der Oder, an der Grenze zu Polen, geboren und ist im brandenburgischen Fürstenwalde aufgewachsen. Studiert hat sie dann Englisch und Französisch auf Lehramt – an der Humboldt-Uni in Berlin. Ihr Vater ist Kfz-Mechaniker, die Mutter Buchhalterin. Mehr auf ihrer Homepage.

5. Aber die Herkunft soll keine Rolle spielen – bei niemandem.

Vor allem soll sie nicht über Aufstiegschancen entscheiden. Das soll Giffeys Credo als Familienministerin werden. Denn in Neukölln habe sie gesehen, "wie schwierig das ist, wenn Kinder eben in Bildungsferne, in Armut aufwachsen", sagte sie jetzt. (FAZ)

6. Sie ist die Tante eines anderen bekannten Giffey.

Niels Giffey spielt in der Basketball-Nationalmannschaft. Der Sportler findet ihren neuen Posten "genial" – denn sie könne Dinge anpacken. (Tagesspiegel)

Übrigens: Ihr Name wird "Giffei" ausgesprochen.

Auch wenn der Name wie eine Plattform für Gif-Dateien klingt – tatsächlich wird er mit "ei" betont. "Giffey, wie Norderney", sagt die SPD-Politikerin selbst über die richtige Betonung. (Stern)

Mehr über die neue Regierung:


Musik

Sexy Nonne, Papp-Penis und Raffaello: Wir waren bei einem Frauenkonzert von K.I.Z.

"Heute ist Walpurgisnacht. Geht nach Hause und zündet eure Männer an!", rufen K.I.Z. – dann schlachten sie auf der Bühne einen Pappmaschee-Penis. Die 4000 Frauen im Berliner Tempodrom johlen und brüllen zustimmend.

Was zur Hölle ist hier los? Meinen die das ernst? Wir waren bei K.I.Z.s "Nur für Frauen"-Tour, um es herauszufinden.