Die Franzosen haben einen neuen Präsidenten: Der parteilose Emmanuel Macron gewann die Stichwahl gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen. Er bekam rund 66 Prozent der abgegebenen Stimmen, seine Konkurrentin 34 Prozent. Mehr zum Wahlausgang liest du hier.

Was denken junge Franzosen über Macrons Sieg? Wie sehen sie ihr Land, das offensichtlich so gespalten ist? Wir haben sie gefragt:

Bevor es losgeht: Wie gut kennst du eigentlich Frankreich?

Josepha Kaptur, 18 Jahre, Schülerin
(Bild: Hanna Gieffers)

Ich konnte zum ersten Mal in meinem Leben bei einer Präsidentschaftswahl meine Stimme abgeben. Ich habe Emmanuel Macron gewählt. Er symbolisiert für mich Hoffnung und eine Zukunft innerhalb von Europa. Im Sommer werde ich mit einem Interrail-Ticket nach Berlin, Budapest und Rom fahren. Ich kenne keine Grenzen. Es wäre schrecklich gewesen, wenn Marine Le Pen Frankreich abgeschottet hätte. 

Ich gehe in die letzte Klasse eines Gymnasiums, mein Spezialgebiet ist Wirtschaft. Ich habe mir die Programme beider Kandidaten angeschaut. Macron hat viele gute Ideen, um zum Beispiel die Jugendarbeitslosigkeit zu verringern. Er will kleinen und mittleren Unternehmen helfen, dass sie weniger staatliche Abgaben zahlen müssen und mehr Leute einstellen können. Das finde ich super. Ich habe Vertrauen in Macron, und glaube, dass er für viele Franzosen ein Hoffnungsschimmer sein wird. 

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Jean Diego, 30 Jahre, Informatiker
(Bild: Hanna Gieffers)

Ich bin sehr enttäuscht vom Ergebnis. Ich hätte mir gewünscht, dass Marine Le Pen wenigstens 40 Prozent holt. Heute Abend bin ich extra zu ihrer Wahlfeier am Chalet du Lac im Osten von Paris gefahren. Aber die Stimmung war sehr schlecht. 

Ich habe gemerkt, dass sich ein Teil der Franzosen von der Marke "Marine Le Pen" immer noch abgestoßen fühlt. Obwohl sie ihr Programm, das für Souveränität und Nationalismus steht, unterstützen. Ich selbst finde ihre Ideen für die französische Wirtschaft sehr gut. Wenn Frankreich zu seiner alten Größe zurückkommen soll, dann brauchen wir eine unabhängige Währung und nicht mehr den Euro. 

Violaine Groler, 27 Jahre, Theaterassistentin
(Bild: Hanna Gieffers)

Ich bin nicht wählen gegangen. Das ganze Getue um die Präsidentschaftswahl hat mich zum Schluss nur noch genervt. Ich finde es schrecklich, dass eine Populistin mit solch abstrusen Abschottungsideen wie Marine Le Pen so populär geworden ist. Emmanuel Macron hat nach der ersten Wahlrunde jedoch auch keine gute Figur gemacht – er tat so, als ob er die Wahl schon gewonnen hätte. Diese Überheblichkeit hat mich abgeschreckt. 

In der ersten Runde habe ich dem Linken Jean-Luc Mélenchon meine Stimme gegeben. Wie fast alle meine Freunde, die wie ich beim Theater arbeiten. Ich habe mich nicht sehr viel mit seinem Programm auseinandergesetzt, aber seine Pläne für die Umwelt fand ich gut. Dass Frankreich zum Beispiel aus der Atomenergie aussteigen soll. Ich hoffe, dass Macron in den nächsten fünf Jahren die Jugendarbeitslosigkeit in den Griff bekommt. Ansonsten wird der Front National in der nächsten Präsidentschaftswahl bestimmt gewinnen. Und das wäre schrecklich.  

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Eléonore Garnier, 24 Jahre, Studentin


(Bild: Eléonore Garnier)

Ich bin überzeugte Europäerin und finde es deshalb super, dass der proeuropäische Kandidat Emmanuel Macron gewonnen hat. Viele meiner ausländischen Freunde haben mir heute Abend auf Facebook gratuliert, dass Marine Le Pen nicht Präsidentin geworden ist. Ich bin froh, dass ich weiterhin ohne Visa in Europa reisen kann. Dass Frankreich sich nicht abgeschottet hat. Es wäre nicht mehr mein Land gewesen.

Ich selbst habe für Macron gestimmt. Nicht, weil ich mit allem übereinstimme. Eigentlich fand ich das Programm des Sozialisten Benoît Hamon besser. Aber ich habe in der ersten Runde strategisch gewählt, damit der Kandidat mit den besten Chancen gegen Le Pen antreten kann. In der zweiten Runde musste ich keine Sekunde überlegen, wem ich meine Stimme gebe. Heute ist ein guter Tag für Frankreich und für Europa. 

Zakaria Maloumi, 27 Jahre, Berater

Heute Abend habe ich mich extra in der Bar La Place Verte mit einer Freundin getroffen, weil sie hier auf einer großen Leinwand die Wahlergebnisse gezeigt haben. Ich stamme aus Algerien, lebe aber seit vier Jahren in Frankreich. Diese Wahl war sehr wichtig für mich. Es ist eine Erleichterung, dass Emmanuel Macron gewonnen hat. Hätte Marine Le Pen gewonnen, hätte ich mich in Frankreich nicht mehr wohl gefühlt. Für mich ist sie die Inkarnation des Bösen. 

Sie hetzt gegen Ausländer und spaltet die französische Gesellschaft. Ich konnte bei dieser Wahl noch nicht wählen, da ich noch nicht die französische Staatsbürgerschaft habe. Ich werde sie aber bald bekommen und in fünf Jahren auf jeden Fall gegen den Front National stimmen. Diese populistische und rassistische Partei ist gefährlich – für mich persönlich, da ich ausländische Wurzeln habe, und für ganz Frankreich.

Und? Wie französisch bist du?


Die Kosten für die Frankreich-Reise der Autorin hat die Robert-Bosch-Stiftung übernommen. 


Streaming

Die neueste "Simpsons"-Folge wird in Russland nicht gezeigt – wegen "Pokémon Go"
Der Sender hat die Folge zurückgezogen.

Westliche Filme und Serien haben es in Russland nicht leicht. Fast immer gibt es eine Szene, die einem Politiker oder Würdenträger missfällt. Dann wird Druck aufgebaut und mit einem Verbot gedroht. Oft reicht schon die Drohung, um entsprechende Szenen oder ganze Filme verschwinden zu lassen. 

  • Die "Schöne und das Biest" sollte verboten werden, weil in dem Musical angeblich schwule Propaganda betrieben werde. (bento)
  • Und eine Szene aus "Power Rangers" sollte gestrichen werden, weil ein Charakter lesbisch ist. (bento)
Jetzt sind "Die Simpsons" dran. Der Grund ist eine umstrittene Kirchenszene.