Bild: Symbolbild: dpa
Frankreich zeigt, dass es auch anders geht.

Seit Wochen gehen in ganz Europa jeden Freitag Schülerinnen und Schüler für mehr Klimaschutz auf die Straße – obwohl sie eigentlich Unterricht hätten. Durch die "Fridays for Future"-Proteste zeigen sie Woche für Woche, dass ihnen das Klima wichtiger ist, als die nächste Stunde Bio oder Mathe.

Lehrerinnen und Lehrer sind in dieser Situation oft in einem Zwiespalt: Unterstützen sie die Schüler, die den Unterricht schwänzen und somit eigentlich ihre Schulpflicht missachten, oder verbieten sie ihnen sich für eine eigentlich gute Sache einzusetzen?

In den nächsten Wochen könnte der aktuelle Schulstreik in Frankreich ein Vorbild für das Vorgehen von Lehrern werden.

Was ist in Frankreich los?

Die französische Regierung unter Präsident Emmanuel Macron will ab dem nächsten Jahr neue Regeln für das Baccalauréat ("Bac") einführen. Die Abschlussprüfung ist vergleichbar mit unserem Abitur. Wie der "Guardian" berichtet, protestieren immer mehr Schülerinnen gegen die geplanten Änderung ihrer Abschlussprüfung – und die Lehrer unterstützen sie dabei.

Was soll genau geändert werden?

Die Grundlagen der derzeitigen zentralen Abschlussprüfung in Frankreich stammen aus dem Jahr 1808. Die Schüler müssen insgesamt sechs Abschlussklausuren in mindestens fünf verschiedenen Themengebieten absolvieren. Die Ergebnisse sind dabei noch wichtiger als in Deutschland: Die meisten Studiengänge in Frankreich haben eine Zulassungsbeschränkung, den Numerus Clausus. Sprich: Wer zu schlecht in der Abschlussprüfung ist, kann später nicht studieren.

Grund genug, diese Regelungen zu ändern. Allerdings stoßen die von Macron geplanten Reformen auf Widerstand. Seine wirtschaftsliberale Regierung plant nämlich, die Anzahl der Prüfungen zu reduzieren und neue Spezialisierungsthemen einzuführen. So sollen die Schülerinnen schon früher an das Bewertungssystem von Universitäten herangeführt werden.

Viele französischen Schüler wehren sich gegen diese Reform, weil sie noch mehr soziale Ungerechtigkeit befürchten. Deshalb streiken sie oder blockieren den Unterricht, indem sie nicht mitmachen.

Anders als bei den Klimademos in Deutschland sind viele Lehrer auf ihrer Seite und unterstützen die Proteste. Viele sind der Meinung, die Reform würde Ungerechtigkeiten für die Schüler vergrößern. In Frankreich ist das Thema Chancengleichheit für Schüler ein wichtiges Thema. Schülerinnen und Schüler aus armen Elternhaus oder mit Migrationshintergrund bekommen wenig oder keine Unterstützung, um ihre Schulnoten zu verbessern und das "Bac" erfolgreich zu bestehen. 

Wie helfen die Lehrinnen die Schülern?

Besonders im Westen Frankreichs haben sich viele Lehrer zusammengeschlossen und verteilen nur noch die Bestnote an alle Schüler. "Wir tragen das so ein und sagen unseren Schülern dann ihre eigentliche Note", erklärt ein Lehrer der lokalen Zeitung "Ouest France" in einem Interview. Aber in der offiziellen Software würde bei allen die Note "20/20" eingetragen werden – vergleichbar mit einer 1+ in Deutschland.

Das System scheint offenbar zu funktionieren. Ein weiterer Lehrer berichtete in einem Radiointerview mit France Inter Radio: "Mit diesem Protest können wir das administrative System blockieren."

Ihre Schüler freuen sich über die Unterstützung. Sie hoffen, dass die Reformen noch einmal überarbeitet werden. Ein Pariser Schüler sagte laut Guardian:

In Frankreich sind die Noten wirklich sehr wichtig. Deshalb könnte es funktionieren damit zu spielen. Wenn plötzlich alle die Bestnote bekommen, muss etwas getan werden.

Wie reagiert die Regierung auf die Proteste?

Emmanuel Macron bleibt bislang hart auf seiner Linie. Laut seiner Aussage bereitet das "Bac" die französischen Schüler nicht optimal auf die Universität und den modernen Jobmarkt vor. Doch auch an den Unis des Landes ist bei Weitem nicht alles in Ordnung. Im vergangenen Jahr protestierten Studierende in ganz Frankreich gegen die Verschärfung der Aufnahmebedingungen an Universitäten und besetzten viele Hörsäle.


Fühlen

Aus dem Leben einer Loserin: Wie es ist, die einzige Akademikerin der Familie zu sein
"Aha und damit verdienst du dann Geld? Wann denn?"

Von Studierenden kann man halten, was man will. Gerne kann man sie auch hassen. Ich darf das sagen, ich bin selbst Studentin. Wir denken, wir seien die überlegenste Bevölkerungsgruppe der Welt und verstehen im selben Atemzug nicht, dass es absolut nicht okay ist, beim Melden penetrant zu schnipsen. Nimm den verdammten Finger runter, Lisa!

Interessant ist, was Leute von Studenten denken, die absolut keinen Bezug dazu haben. In meiner Familie bin ich die erste Person, die studiert. 

Und die Meinungen darüber gehen, sagen wir mal: auseinander.