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Was steckt hinter dem "Kommando Norbert Blüm"?

Ein Flugblatt sorgte am Montag dafür, dass sich über 2.000 Menschen aus Idomeni auf den Weg Richtung Mazedonien machten. Sie verließen dafür das Zeltlager und überquerten die Grenze einige Kilometer weiter östlich bei der mazedonischen Stadt Gevgelija. (SPIEGEL ONLINE)

Idomeni ist ein griechisches Dorf an der Grenze zu Mazedonien. Seit die Balkanroute geschlossen ist, sitzen hier mehr als 11.000 Flüchtlinge fest. Die griechischen Behörden sind mit der Situation überfordert.

Laut Angaben der Tagesschau geht die griechische Regierung geht davon aus, dass die Fluchtaktion geplant war – organisiert über Flugblätter, die auf eine Lücke im Grenzzaun hinweisen und zum Marsch dorthin aufrufen. Auf einer Karte ist eingezeichnet, wo der Zaun angeblich endet. Das Flugblatt gibt auch Tipps: "Wenn Sie zu Tausenden versuchen, gleichzeitig über die Grenze zu kommen, wird die Polizei Sie nicht stoppen können."

Das Flugblatt ist auf Arabisch verfasst:

Ungeklärt ist, von wem die Flugblätter stammen. Besonders der Hinweis am unteren Rand "Kommando Norbert Blüm" wirft Fragen auf. Der ehemalige CDU-Politiker hatte am Wochenende aus Solidarität eine Nacht in dem Zeltlager verbracht. Mit der Flugblattaktion habe er jedoch nichts zu tun, sagte er gegenüber SPIEGEL ONLINE.

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Das steht auf dem Flugblatt:
1. Die griechisch-mazedonische Grenze ist zu und wird zu bleiben.
2. Es gibt keine Busse oder Züge, die Sie nach Deutschland bringen werden.
3. Es ist sehr gut möglich, dass derjenige, der in Griechenland bleibt, am Ende in die Türkei abgeschoben wird.
4. Wer es schafft, illegal in einen anderen Staat Mittel- oder Osteuropas zu reisen, wird bleiben können. Deutschland akzeptiert noch Flüchtlinge.
5. Es ist möglich, dass das Lager von Idomeni in den kommenden Tagen evakuiert wird. Möglicherweise werden Sie dann in andere Lager gebracht und danach in die Türkei ausgewiesen.

Die Lösung:

1. Der Zaun, der vor Ihnen steht, soll Sie in die Irre führen, damit Sie glauben, die Grenze sei geschlossen.
Der Zaun endet fünf Kilometer von hier. Danach gibt es keinen Zaun, der Sie daran hindern könnte, nach Mazedonien zu reisen. Sie können hier rübergehen (schauen Sie auf die Karte).
2. Wenn Sie sich in kleinen Gruppen bewegen, werden Sie von der mazedonischen Polizei oder der Armee festgenommen und nach Griechenland zurückgebracht.
3. Wenn Sie aber zu Tausenden versuchen, gleichzeitig über die Grenze zu kommen, wird die Polizei Sie nicht stoppen können.

Lasst uns alle um 14.00 Uhr im Camp (von Idomeni) treffen. Bitte schauen Sie für den Weg zum Treffpunkt auf die Karte.

Die Übersetzung stammt nach Angaben der Süddeutschen Zeitung von griechischen Medien.

Geholfen hat die Aktion den Menschen vermutlich wenig:
  • Mazedonische Sicherheitskräfte nahmen die Flüchtlinge nach ihrem illegalen Grenzübertritt fest und wollen sie nach Griechenland zurückschicken. Ob Griechenland die Migranten jedoch wieder aufnimmt, ist noch nicht klar.
  • Noch tragischer: Bei ihrem Fluchtversuch mussten die Menschen einen reißenden Fluss durchqueren, der in der Beschreibung des Flugblatts als ausgetrocknet gekennzeichnet war. Dabei sind womöglich drei Afghanen ertrunken, ihre Leichen fanden die Behörden auf mazedonischer Seite im Grenzfluss Suva Reka.
So sieht es in Idomeni aus:
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