Deutsches Essen findet Ibrahim lecker. Nur ein afghanisches Gericht vermisst er

"Jedes Essen ist hier anders als in Afghanistan. Nur gekochte Eier, die gibt es genauso auch in meiner Heimat.

Hier in Deutschland habe ich viele neue Sachen entdeckt wie Pizza oder Lasagne. Und ich entdecke viel mehr. Ich hätte nie gedacht, dass es so viele unterschiedliche Sachen gibt, die ich nicht kenne und die mir so gut schmecken. Mein Lieblingsgericht ist Pizza: am besten mit Gemüse und ganz viel Käse. Der geschmolzene Käse ist ein Traum!

Ich versuche, hier im Internat hauptsächlich vegetarisch zu essen. Wegen meiner Religion esse ich kein Schwein. Ich habe hier in Deutschland erst entdeckt, dass Fleisch nicht halal sein kann. Bei uns in Afghanistan ist Fleisch einfach immer halal.

Fotostrecke: So kannst du Naan-Brot backen:
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Neu für mich ist, dass nur mittags warm gegessen wird. In Afghanistan habe ich mittags und abends warm gegessen. Meistens Reis oder Bohnen mit Naan, dem typischen afghanischen Brot. Gefrühstückt habe ich in Afghanistan nicht, nur Tee getrunken. Bei uns im Dorf trinken viele grünen Tee. Die Leute, die so glücklich waren und Kühe oder Schafe hatten, haben Milch und Butter gehabt. Meine Mutter und ich haben manchmal Milchprodukte von unseren Nachbarn bekommen.

Wer ist Ibrahim?

Ibrahim ist 18 Jahre alt, er kommt aus dem Dorf Daimerdad, das westlich der afghanischen Hauptstadt Kabul liegt. Um Lebensmittel für sich und seine Mutter einzukaufen, musste er zweimal im Monat durch ein Tal, das von den Taliban kontrolliert wurde. Er floh zuerst nach Pakistan, um von dort in den Iran einreisen zu können. Von der Türkei aus hat ihn ein Schlepper mit dem Boot nach Griechenland gebracht. Zu Fuß hat er die Balkanroute Richtung Österreich genommen. Seit Oktober ist er in Deutschland. Er lebt im "Internat Solling“ in Holzminden, im Weserbergland.

Zu besonderen Anlässen wie dem Zuckerfest gab es häufig Naan mit Kartoffeln und Gemüse wie Tomaten oder Pilzen. Das Gericht heißt "Bolani", ich vermisse es hier in Deutschland. Mir fehlt auch die Schärfe im deutschen Essen.

Fotostrecke über afghanisches Essen:
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Auf der Flucht aus Afghanistan hatte ich nicht viel zu essen. Als ich die Grenze zwischen Afghanistan und Iran passiert habe, wurde ich zusammen mit anderen Flüchtlingen von Taliban gefangen genommen. Sie haben uns sieben Tage lang festgehalten. Dort haben wir nur einmal am Tag Brot und Wasser bekommen.

An der Grenze zwischen dem Iran und der Türkei haben uns die Schlepper getriezt – wir mussten ohne zu essen 14 Stunden gehen, manchmal laufen und ab und zu auch klettern. Das war sehr anstrengend. Als wir in Mazedonien waren, haben wir von Helfern Wasser und Bananen bekommen. Ich erinnere mich noch an mein erstes Essen in Deutschland: Es war ein Brot mit Käse."

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