Bild: Sea-Watch/Chris Grodotzki
"Was hat Horst Seehofer im Weihnachtsgottesdienst zu suchen, wenn er jetzt eine Lösung blockiert?"

Die deutschen Retter der Organisation Sea-Watch haben im Mittelmeer 33 Geflüchtete gerettet, dürfen aber bisher keinen sicheren Hafen anlaufen. Nach Angaben eines Sprechers habe man alle in Frage kommenden Staaten kontaktiert, darunter auch Deutschland. Bisher habe die Organisation aber keine Erlaubnis erhalten, einen sicheren Hafen anzulaufen. "Wir fordern eine sofortige Zusage, einen möglichst nahe gelegenen Hafen ansteuern zu dürfen", sagte Sprecher Ruben Neugebauer im Gespräch mit bento.

Bisher ist die Situation an Bord stabil, aber schon morgen soll sich das Wetter verschlechtern.
Ruben Neugebauer

Wie lief die Rettung ab?

Nach Angaben der Retter hatte die Sea-Watch 3 am Samstagmorgen um 9.30 Uhr deutscher Zeit 33 geflüchtete Menschen von einem seeuntüchtigen Boot an Bord genommen. Die Aktion habe sich 27 Seemeilen, also etwa 50 Kilometer, vor der libyschen Küste abgespielt – und damit außerhalb libyscher Territorialgewässer.

(Bild: Sea-Watch/Chris Grodotzki)

Warum darf das Schiff keinen Hafen anlaufen?

Italien und Malta haben ihre Häfen für Schiffe mit Geflüchteten an Bord geschlossen. Die populistische Regierung in Italien hat Rettungsschiffe von privaten Hilfsorganisationen bereits mehrmals blockiert. Italiens fremdenfeindlicher Innenminister Matteo Salvini (Lega Nord) twitterte am Samstagmorgen in Richtung der Besatzung der Sea-Watch 3. "Meine Antwort ändert sich nicht: Die italienischen Häfen sind geschlossen, schrieb er.

Seit Malta und Italien keine Seenotretter mehr an Land lassen, müssen sich die EU-Staaten bei jedem einzelnen Boot einigen, wer die Geflüchteten aufnimmt. Die Hängepartien im Mittelmeer sind für die Retter also inzwischen keine Seltenheit.

Am Samstag hatte Spanien dem Rettungsschiff Proactiva Open Arms erlaubt, den Hafen im südspanischen Algeciras anzulaufen. Das Schiff hat 310 Geflüchtete an Bord.

Die sozialistische spanische Regierung hatte zuvor in einigen Fällen einzelnen Booten von zivilen Seenotrettungsorganisationen erlaubt, spanische Häfen anzusteuern. Gleichzeitig steht sie in der Frage unter großem Druck konservativer und rechtsradikaler Oppositionsparteien. Spanien ist inzwischen die beliebteste Migrations-Route in die EU.

Wie geht es weiter?

Nach Angaben von Sea-Watch hatten die deutschen Retter versucht, der Proactiva Open Arms die 33 geflüchteten Menschen zu übergeben. Das habe die spanische Regierung aber nicht zugelassen.

"Es ist zu befürchten, dass die Menschen auf dem Boot über Weihnachten aushalten müssen", sagte Sea-Watch-Sprecher Neugebauer im Gespräch mit bento. Libyen sei aber kein sicherer Hafen. "Die EU versucht sich aus der Verantwortung zu stehlen, das ist beschämend." 

Ruben Neugebauer, Sprecher von Sea-Watch

(Bild: dpa/Klaus-Dietmar Gabbert)

Die Retter hoffen auf eine baldige Lösung, auch weil für Heiligabend schlechteres Wetter vorausgesagt sei. Neugebauer hält es für denkbar, dass die EU-Staaten sich einigen, wer die 33 Menschen letztendlich aufnehme. Sobald das klar sei, könnte beispielsweise Malta eine Einfuhrerlaubnis erteilen. 

Neugebauer fordert auch die deutsche Regierung auf, die Geflüchteten aufzunehmen: "Was hat Horst Seehofer im Weihnachtsgottesdienst zu suchen, wenn er jetzt eine Lösung blockiert?", fragt er.

Wer christliche Werte verteidigen möchte, hat nun die Möglichkeit dazu.
Ruben Neugebauer, Sea-Watch

Wie gefährlich ist die Flucht übers Mittelmeer?

Sie gilt als gefährlichste Route in die EU. Der Internationalen Organisation für Migration zufolge kamen 2018 bislang mehr als 113.000 Migranten über das Mittelmeer nach Europa. 56.480 Menschen erreichten über das westliche Mittelmeer Spanien, 31.310 kamen nach Griechenland und 23.126 nach Italien. Viele Migranten haben die Fahrt nicht überlebt: 2242 Menschen ertranken oder werden vermisst.

Mit Material von dpa




Fühlen

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