Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka
3 Antworten einer neuen Studie

Wie über Flüchtlinge berichtet und diskutiert wird, verändert, wie wir über sie denken. In den vergangenen Jahren werden viele Schutzsuchende vor allem von rechtspopulistischen Parteien pauschal als kriminell und gierig abgestempelt. Diese Methode wird Framing genannt, heißt: jemanden in einem bestimmten Rahmen darstellen.

Forscher aus Harvard haben nun untersucht, wie sich das auswirkt. Das Ergebnis: Schon beim Wort "Flüchtling" werden Menschen weniger spendabel.

Die Forscher der Harvard University wollten untersuchen, wie sehr Vorurteile gegen Flüchtlinge in verschiedenen Ländern verankert sind. Ihre Ergebnisse haben sie im National Bureau of Economic Research veröffentlicht.

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Insgesamt 22.500 Menschen aus Deutschland, Frankreich, Italien, Schweden, Großbritannien und den USA wurden zu zwei Themen befragt.

  • Thema 1: Flüchtlinge und Migration
  • Thema 2: Soziale Gerechtigkeit und Sozialhilfe

In beiden Themen geht es um hilfebedürftige Menschen. Die Reihenfolge, in der beide Themen besprochen wurden, wurde aber willkürlich durchmischt. 

Was kam dabei heraus?

Die Befragten, die sich zuerst mit sozialer Gerechtigkeit beschäftigten, waren deutlich hilfsbedürftiger. Der Teil, der erst über Flüchtlinge befragt wurde, hingegen am Ende deutlich geiziger. 

Die Forscher schreiben: 

"Die, die zuerst Migrationsfragen vorlegt bekamen, zeigten eine stärkere Abneigung gegen soziale Umverteilung, hielten Ungleichheit seltener für ein Problem und wollten auch seltener für wohltätige Zwecke spenden."

Das heißt: Obwohl es um soziale Ungerechtigkeit im Allgemeinen ging, urteilten Menschen kritischer, sobald Flüchtlinge ins Spiel gebracht wurden.

Was sagen die Forscher über das Ergebnis?

Sie glauben, das negative Framing in der Öffentlichkeit spielt in die Antworten hinein. Flüchtlinge würden generell als ärmer und schlechter gebildet wahrgenommen – unabhängig davon, ob das stimmt. Das wirke sich auf den Umgang untereinander aus:

Gruppen, die gegen den Sozialstaat sind, können gezielt die "Migrationskarte" spielen, um Ablehnungen gegen Sozialhilfe zu erzeugen.

Was die Befragung übrigens auch zeigte: Viele schätzen die Situation von Flüchtlingen total falsch ein.

So glaubten Befragte in allen Ländern, dass deutlich mehr Flüchtlinge in ihrem Staat leben, als tatsächlich da sind. Auch den Anteil an Muslimen gegenüber Christen schätzen viele deutlich zu hoch ein, Bildungsgrade zu niedrig.

In den USA gingen die Befragten zum Beispiel von einem Migrantenanteil von 36 Prozent aus. Tatsächlich liegt er bei 10 Prozent. In Deutschland glaubten die Befragten, der Anteil liege bei 30 Prozent, tatsächlich sind es weniger als 15 Prozent. 


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