Die Vorweihnachtszeit ist eine Zeit der Besinnung. Es geht um christliche Werte, Nächstenliebe zum Beispiel. In genau dieser Zeit nun hat das deutsche Innenministerium Plakate in vielen Städten aufhängen lassen.

"Freiwillige Rückkehr", steht auf diesen Plakaten. "Dein Land. Deine Zukunft. Jetzt!" Es gibt die Plakate nicht nur auf Deutsch, das Innenministerium hat sie zum Beispiel auch auf Arabisch und Russisch drucken lassen.

So sehen sie aus:

Mit der Aktion wirbt das Ministerium damit, für volle zwölf Monate die Wohnkosten von Geflüchteten in ihren Heimatland zu übernehmen – wenn sie sich noch bis zum 31. Dezember 2018 für die freiwillige Rückkehr entscheiden. Die Zahl der Rückkehrer soll wieder steigen.

Auf Twitter kann man gut nachlesen, wie sehr sich mancher Nutzer und manche Nutzerin über die Plakate aufregt. Ob die Mehrheit der Deutschen das auch so sieht, wissen wir nicht. 

Fest steht: Einige Menschen wollten die Plakate so nicht stehen lassen. Sie griffen zum Stift, überkritzelten und beklebten die Plakate des Innenministeriums.

Hier sind ein paar Beispiele:

"Kommt ihr klar?"

"Es ist schön mit euch, bleibt doch hier!"

Der schönste Vorschlag: "Germany can be your future, too"

In dieser Bilderstrecke verbirgt sich unter anderem: "MakingGreatFalafelInGermany.de"

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#stopdeportations #proasyl #refugeeswelcome

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"Stay with us"

Die Plakate des Innenministeriums haben zwei Botschaften. Die faktische: Wer freiwillig zurückkehrt an den Ort, von dem er oder sie noch vor ein paar Monaten oder Jahren geflohen ist, bekommt Geld von uns. 

Was aber emotional rüberkommt: Wir wollen euch hier nicht. Dein Land ist deine Zukunft. Deutschland ist erstens nicht dein Land und auch nicht deine Zukunft. So implizieren es die Plakate.

Im Kleingedruckten erfahren die Geflüchteten, dass sie sich besser bis Ende Dezember zur freiwilligen Rückkehr entscheiden sollten. Ausreise im Winterschlussverkauf. Schöne Bescherung

Das größte Problem: Auf den Plakaten ist nicht erkennbar, dass die Aktion sich an Geflüchtete richtet, deren Asylantrag abgelehnt wurde. Das Plakat pauschalisiert ohne Not. Jeder Geflüchtete kann sich angesprochen fühlen. Es ist ein seltsames Zeichen in der Vorweihnachtszeit und im 70. Jahr nach Verabschiedung des Grundgesetzes.

Großflächig prangt es derzeit an U-Bahn-Stationen und Hauptbahnhöfen. Eine halbe Million Euro Steuergeld hat das Innenministerium dafür ausgegeben. Mit dem Ergebnis, das man sich als Geflüchteter derzeit eigentlich nicht willkommen fühlen kann in diesem Land. Wo man auch hinguckt: Rückkehr – jetzt! 

Man hätte für das Geld viele persönliche Briefe an die Betroffenen schreiben können – doch davon hätten deutsche Pendler vermutlich weniger gesehen. Es geht eben auch darum, ein Zeichen zu setzen.

Viele Menschen haben für ihre Flucht nach Deutschland alles aufgegeben, einige haben ihr Leben riskiert, alles auf eine Karte gesetzt. 

Die Kritzeleien und aufgeklebten Zettel zeugen nun von der Fremdscham, vom Entsetzen, das einige Menschen packt, wenn sie die Plakate sehen. Vor allem die überklebten Zettel, die der Kampagne einen neuen Sinn verleihen, setzen den unsäglichen Plakaten des Innenministeriums etwas entgegen: eine andere Vorstellung von unserer Gesellschaft

Dafür sollte man dankbar sein.



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