Bild: Erik Marquardt
"Derzeit haben wir ordentlich Rückenwind."

Fast jeden Tag sterben Flüchtlinge im Mittelmeer vor der libyschen Küste. Gleichzeitig liegen die Schiffe in den Häfen, die in den vergangenen Jahren Tausende Menschen gerettet haben. Sie dürfen nicht auslaufen. Nur die zwei Schiffe der spanischen Organisation "Open Arms" sind noch auf dem Mittelmeer unterwegs. Die italienische Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen deutsche Flüchtlingsretter. Der Kapitän der "Lifeline" steht in Malta gar vor Gericht.

Wir haben mit Gorden Isler von der privaten Rettungsorganisation "Sea-Eye" über die schwierige Situation der Retter gesprochen. Der 36-Jährige war selbst auf mehreren Missionen dabei, zuletzt rettete er im Mai auf der "Seefuchs". Im normalen Leben arbeitet er als Versicherungsmakler.

(Bild: Burgos Vehri)

Gorden, Eure beiden Schiffe sind derzeit nicht auf dem Mittelmeer. Warum nicht?

Unser Schiff "Sea Eye" haben wir im März bis auf weiteres außer Dienst gesetzt. Uns fehlte es an Crewmitgliedern und vor allem hatten wir Anfang des Jahres nicht genug Spenden, um zwei Schiffe das gesamte Jahr über zu betreiben.

Und euer anderes Schiff, die "Seefuchs"?
  
Die liegt im Hafen von Valleta, in Malta, und darf nicht auslaufen. Der italienische Verkehrsminister hatte auf Twitter geschrieben, dass es Zweifel am Status der Schiffe "Lifeline" und "Seefuchs" gibt. Daraufhin haben wir beim zuständigen niederländischen Wirtschaftsministerium angefragt, weil wir unter niederländischer Flagge fahren. Drei Tage später bekamen wir eine Antwort: Angeblich würden unsere Papiere plötzlich nicht mehr ausreichen, um zu beweisen, dass wir die niederländische Flagge tragen dürfen.
  

Zu diesem Zeitpunkt waren wir auf Mission. Wir mussten sofort umkehren, weil wir ab diesem Moment flaggenlos und damit schutzlos waren.

Was heißt das?
  
Zum Beispiel könnte die libysche Küstenwache einfach an Bord kommen. Und Libyen ist ein Bürgerkriegsland. Dieser sogenannten Libyschen Küstenwache kann man nicht vertrauen, das sind zum Teil Milizen. Also sind wir sofort umgekehrt. Seitdem liegt sie in Valetta. Als wir das Schiff gestern um einige Meter verlegen mussten, war sofort die Hafenpolizei und die Marine vor Ort. Man hatte wohl Angst, dass wir zur Seenotrettung auslaufen.

(Bild: Erik Marquardt)

Könnt ihr nicht einfach die deutsche Flagge annehmen?  
  
Ja, das werden wir wohl tun müssen. Aber die "Seefuchs" ist laut deutschem Recht nicht geeignet, um als Rettungsschiff auszulaufen. Wir würden also von den deutschen Behörden keine Genehmigung bekommen, um unsere Arbeit fortzusetzen. In den Niederlanden konnten wir das Schiff als sogenanntes "pleasure boat" anmelden.

Ist der Zeitpunkt ein Zufall?
  
Wir halten das für unmöglich. Seit die neue italienische Regierung an der Macht ist, sind unglaublich viele Maßnahmen ergriffen worden, um uns Hilfsorganisationen zu bekämpfen. Außerdem fallen seitdem wütende italienische Bürger über uns her und beleidigen uns auf Social Media. Das ist das Ergebnis einer massiven Verleumdungskampagne. Den Leuten wird erzählt, dass wir dafür verantwortlich seien, dass Menschen überhaupt fliehen. Das ist natürlich Quatsch.

(Bild: Erik Marquardt)

Halten euch die Behörden gezielt fest?

Ich unterstelle der niederländischen Regierung ganz klar, dass das politisch motiviert ist. In den vergangenen zwei Jahren waren die Papiere kein Problem, wir sind Dutzende Male kontrolliert worden. Tausende Schiffe sind mit diesen niederländischen Flaggenzertifikaten unterwegs, auch die deutschen Behörden haben diese bis jetzt als Nachweis akzeptiert. Erst seit Amtsantritt des rechtsradikalen Innenministers Salvini in Italien gibt es Probleme. Die "Sea Watch 3" beispielsweise hat bereits bestätigt bekommen, dass ihre Papiere in Ordnung sind. Trotzdem darf sie nicht auslaufen, die Behörden hindern sie daran. Das ist ein Rechtsbruch.

Jetzt habt ihr einen neuen Plan, um weiter retten zu dürfen.

Ja, wir wollen retten, quasi so schnell wie möglich einen Rettungswagen zum Unfallort schicken. Also werden wir jetzt ein Schiff chartern. Das ist der schnellste Weg, dabei findet kein Eigentümerwechsel statt, es ist wie bei einem Mietwagen. Da fragt niemand, was du damit vor hast. Weil jeder davon ausgeht, dass du dich ans Gesetz hältst. Und das machen wir ja auch.

Die Papiere dürften deshalb kein Problem sein, auch die Flaggensituation ist klar. Wir haben darüber bereits mit den deutschen Behörden gesprochen.

Welches Schiff wollt ihr chartern?

Das kann ich noch nicht sagen. Weil die Eigner des Schiffes nicht wollen, dass der Name des Schiffs öffentlich wird, bevor alles klar ist. Die müssen damit rechnen, dass ihr E-Mail-Postfach ab diesem Moment voller Hasspost ist.

Was fehlt noch, damit ihr das Schiff mieten könnt?  
  
Vor allem Geld. Insgesamt sind für das Projekt noch 160.000 Euro nötig. Aber wir würden nicht so lange warten, bis das ganze Geld da ist. Wenn wir 100.000 bis 120.000 Euro zusammen haben, würden wir den Vertrag schon unterzeichnen. Wir wollen im August chartern und idealerweise im September starten. Derzeit sterben im Mittelmeer so viele Menschen wie nie zuvor. Deswegen haben wir es eilig. 

In den letzten acht Wochen sind 800 Menschen ertrunken, das sind 14 Menschen pro Tag.
(Bild: Erik Marquardt)

Wie viele Spenden bekommt ihr in normalen Monaten?

So zwischen 10.000 und 35.000 Euro. Derzeit haben wir ordentlich Rückenwind, weil viele Menschen jetzt Haltung zeigen, demonstrieren gehen, Geld spenden. Die Musikerin Sarah Lesch zum Beispiel hat gerade auf ihrer Facebook-Seite aufgerufen, an uns zu spenden. Das hat sehr geholfen. Die Zeit drängt: Mindestens 20.000 Tote in drei Jahren – an der Mauer zwischen BRD und DDR sind weitaus weniger Menschen gestorben als in den vergangenen zwei Monaten im Mittelmeer.

Ich würde am liebsten unter deutscher Flagge auslaufen.

Habt ihr Angst, dass ihr auch mit einem gecharteten Schiff wieder in Schwierigkeiten geraten könntet?

Vor jedem Auslaufen bereiten wir uns gedanklich auf den Worts Case vor. Bei einer unserer Missionen hat die libysche Küstenwache beispielsweise ein Schlauchboot gestohlen und zwei Menschen mit an Land genommen. Nur durch Druck aus dem Auswärtigen Amt konnten wir die beiden zurückholen. So etwas kann immer passieren. Ich würde am liebsten unter deutscher Flagge auslaufen. Dann können wir im Ernstfall in Bremen anrufen, dort sitzt die zuständige Rettungsstelle für Deutschland.

Wie geht die Crew mit der Situation derzeit um?  
  
Viele unserer Unterstützer sind angespannt. Man muss wissen: Wir sind erfahren, wir wissen was zu tun ist und wie nötig wir gerade jetzt gebraucht werden. 1200 Menschen sind mit uns bereits auf Meer gewesen. Für die ist die aktuelle Situation nicht einfach. Die bürokratischen Probleme erzeugen Unruhe und psychologischen Druck. Die Menschen wollen helfen, dürfen aber nicht.


Fühlen

Eine Frau wird 30 Jahre alt – und ihr kleiner Bruder macht ihr das schönste Geschenk
"Einige Dinge, damit du dich wieder jung fühlst."

Der 30. Geburtstag ist in unserem Leben ein ganz besonderer Tag. Während der 20. Geburtstag nichts Besonderes ist – denn der viel wichtigere 18. liegt schließlich nur zwei Jahre zurück – ist der 30. der wohl größte runde Geburtstag im Leben junger Leute.

Die reddit-Nutzerin Lindsay hatte jedenfalls anlässlich ihres 30. Geburtstag gemischte Gefühle, wie sie auf der Plattform berichtet. Sie verbindet damit das Gefühl des Älterwerdens, der Schritt in die 30er fällt ihr schwer.

Ihr jüngerer Bruder Cory wusste offenbar ganz genau, wie sie sich fühlte – und schickte ihr ein Paket.