Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka

Am 31. August 2015 sagte Angela Merkel auf der Bundespressekonferenz: "Wir schaffen das." Der Satz hat die Flüchtlingsfrage in Deutschland seitdem geprägt.

Für die einen steht er für die deutsche Willkommenskultur und für den Glauben, dass Deutschland reich und souverän genug ist, Schutzsuchenden helfen zu können. Für die anderen steht der Satz für eine Regierung, die Ängste ihrer Bevölkerung ignoriert und sich Schwierigkeiten bei der Integration von Flüchtlingen schön redet.

Ein Jahr in 12 Tweets – Das ist seit "Wir schaffen das" passiert:
September 2015

Im August 2015 schätzen deutsche Behörden: Um die 800.000 Flüchtlinge könnten in diesem Jahr nach Deutschland kommen, vor allem aus dem Kriegsland Syrien. Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht sich dafür aus, die Hilfesuchenden aufzunehmen. Am 31. August sagt sie erstmals “Wir schaffen das”. Auf Demonstrationen wird sie als “Volksverräterin” beschimpft.

Anfang September ermöglichen Österreich und Deutschland Zehntausenden Flüchtlingen die Anreise aus Ungarn. Viele waren dort gestrandet. Bis zum Jahresende werden etwas mehr als eine Millionen Flüchtlinge in Deutschland gezählt. Knapp 500.000 werden einen Asylantrag stellen.

Oktober 2015

Die Flüchtlingsfrage spaltet Deutschland – vor allem die islamfeindliche Pegida schürt Ängste gegen Flüchtlinge. Am 19. Oktober jähren sich ihre Montagsdemos durch Dresden zum ersten Mal, um die 20.000 Menschen nehmen teil.

Eine Gegenveranstaltung kommt nach Zählungen auf bis zu 22.000 Demonstranten. Aktivisten beklagen rechte Ausschreitungen am Rand der Demo, viele kritisieren, die Dresdner Polizei sei mit der Lage überfordert gewesen.

November 2015

Es wird deutlich, dass wohl mehr als eine Million Menschen Zuflucht in Deutschland suchen. Die Frage, ob und wie man ihnen helfen kann, spaltet auch die Politik. CSU-Mann Horst Seehofer fordert eine Obergrenze, Merkel hält dagegen. Auf dem CSU-Bundesparteitag Ende November kommt es zum offenen Streit zwischen beiden.

Konservative und rechte Politiker versuchen den Tod von Altkanzler Helmut Schmidt zu instrumentalisieren. Zitate Schmidts zur Situation der Gastarbeiter in den 1970ern werden im Netz geteilt.

Dezember 2015

Die Europäische Union reagiert – und will Frontex zur Küstenwache ausbauen. Mehr Grenzbeamte und Patrouillen sollen die Arbeit von Schleusern unterbinden (bento I).

Aktivisten fordern hingegen mehr Hilfe: Mit dem raueren Wetter kentern häufiger Boote im Mittelmeer. Insgesamt ertranken 2015 nach Angaben der Internationalen Migrationsorganisation IOM knapp 3800 Flüchtlinge.

Januar 2016

Das neue Jahr beginnt mit einem Skandal. Am Kölner Hauptbahnhof und in anderen deutschen Städten begrabschen Männer Frauen, beklauen sie. Wie sich später herrausstellt, sind es vor allem Männer aus dem nordafrikanischen und arabischem Raum (bento II).

Schnell nutzen vor allem Parteien am rechten Rand die Vorfälle, um ihre Ablehnung gegenüber Ausländern und Flüchtlingen zu begründen – getoppt von US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump, der gar von massiven Attacken auf die Deutschen fantasiert.

Februar 2016

Im Januar haben mehrere südosteuropäische Länder ihre Grenzen Stück für Stück geschlossen – die Balkanroute ist damit dicht (bento III). Auch Österreich akzeptiert keinen weiteren Zuzug und richtet Obergrenzen ein.

In Deutschland spricht AfD-Chefin Frauke Petry davon, an der Grenze auf Flüchtlinge schießen lassen zu wollen. Parteikollegin Beatrix von Storch unterstützt sie auf Facebook – der Schießbefehl solle auch für Frauen und Kinder gelten. Viele reagieren empört, von Storch behauptet später, sie bei beim Posten auf der Maus ausgerutscht (bento IV).

März 2016

Die AfD punktet in der Flüchtlingsdebatte mit ihrer ablehnenden Haltung gegenüber Ausländern. Die Partei triumphiert gleich bei drei Landtagswahlen: In Sachsen-Anhalt erzielt sie ein Rekordergebnis von 24,3 Prozent und wird zweitstärkste Kraft. Auch in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg zieht die AfD mit zweistelligen Ergebnissen in die Landtage ein.

April 2016

Am 4. April tritt der Flüchtlingsdeal zwischen EU und der Türkei in Kraft: Die Türkei erhält bis zu sechs Milliarden Euro Unterstützung für die Unterbringung von Flüchtlingen. Dafür schützt sie ihre Küsten vor Schleppern. Die EU schickt Flüchtlinge in die Türkei zurück und lässt hingegen ausgewählte Asylbewerber einfliegen (bento V).

Bis zum Sommer werden nur wenige hundert Flüchtlinge auf diese Weise ausgetauscht. Die östliche Mittelmeerroute kommt allerdings fast zum Erliegen. Viele kritisieren den Deal trotzdem: Die EU mache mit der Türkei Geschäfte und missachte dabei Menschenrechte.

In der Slideshow – Wie es Flüchtlingen in der Türkei geht:
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Mai 2016

Kanzlerin Angela Merkel besucht den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Zu diesem Zeitpunkt wird bereits über den Flüchtlingsdeal gestritten. Die Beziehungen zwischen Deutschland und der EU einerseits und der Türkei andererseits sind angespannt – das liegt auch am Schmähgedicht von Jan Böhmermann.

Juni 2016

Die Fußball-EM startet in Frankreich. Gesprächsthema in Deutschland ist nicht allein die sportliche Leistung, sondern vor allem Jérôme Boateng. Vor Beginn des Turniers hatte AfD-Vize Alexander Gauland in einem Interview über Boateng gesagt: "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben."

Eine absurde Aussage, wie Politiker und zahlreiche Bürger anschließend deutlich machten. Jusitzminister Heiko Maas bezeichnete sie als "niveaulos und inakzeptabel".

Juli 2016

In Deutschland kommt es zu islamistisch motivierten Anschlägen. Ein Syrer jagt bei einem Musikfest in Ansbach einen Sprengsatz in die Luft, verletzt zwölf Personen (bento VI). Ein Flüchtling geht bei Würzburg mit der Axt auf Touristen los (bento VII).

Im Land wird diskutiert, ob und wie viele islamistische Anhänger sich unter den Flüchtlingen befinden. Und was man tun muss, um früh zu erkennen, wer sich radikalisiert. Angela Merkel kündigt einen Plan für mehr Sicherheit anund wiederholt ihr mittlerweile berühmtes "Wir schaffen das".

August 2016

Burka – was ist das eigentlich genau? Alle sprechen nach den islamistisch motivierten Anschlägen in Deutschland von einem möglichen Burkaverbot. Es schüre einerseits Ängste vor fremden Kulturen, andererseits symbolisiere es die Unterdrückung der Frau im Islam. Das Absurde an der Debatte: Es gibt in Deutschland so wenige Burka-Trägerinnen, dass man sie nicht mal findet, wenn man sie sucht (bento VIII). Es ist wohl eher die Vollverschleierung gemeint.

Kritiker finden, es handele sich bei der Debatte um einen plumpen Versuch konservativer Politiker, sich zu profilieren. Für bessere Sicherheit in Deutschland sorge man nicht, wenn man Frauen verböte, sich zu verschleiern.

In der Slideshow – Wie bento über Verhüllung berichtet:
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Mehr zum Thema:


Art

Wie Pokémon als echte Tiere aussehen würden

"Pika, pika." Kaum jemand kann der niedlichen gelben Fellkugel Pikachu widerstehen, wenn sie mit traurigen Augen in den Bildschirm schaut. Obwohl Pokémon sich in Kämpfen gegenseitig fertig machen, sehen die kleinen Monster doch eher niedlich aus.

Wie viel niedlicher wären Pokémon aber noch, wenn sie echte Tiere wären?

Wenn sie nicht als virtuelle Wesen durch die Gärten und Wohnzimmer springen würden – sondern als fiese Nager Stromkabel durchknabbern oder ihre Trainer mit scharfen Krallen angreifen würden?

Sieht man sich einige Pokémon im Pokédex genauer an, sieht man, dass viele der Monster Tieren zumindest nachempfunden sind: Pikachu ist der Kategorie Maus zugeordnet, Schiggy gehört zu den Minikröten und Taubsi zu den Kleinvögeln.

Der japanische Künstler Totomame gibt den Pokémon einen äußerst realen Anstrich.

So würden Pokémon als echte Tiere aussehen: