Bild: Screenshot/Seebrücke HH
Die Flüchtlingsaktivisten wollen nicht aufgeben.

Sie ist 100 Meter lang und 70 Kilogramm schwer: Eine einzige Liste mit den Namen der Menschen, die seit 1990 als Flüchtlinge an den Grenzen Europas ums Leben gekommen sind. Aktivistinnen und Aktivisten haben sie am Sonntag in Hamburg präsentiert.

Insgesamt sollen auf der Liste die Namen von mehr als 34.000 Menschen stehen. 

Eine Kleinstadt von Toten. Ertrunken, verblutet, vermisst. Die Aktivisten der "Seebrücke Hamburg" wollen damit zeigen, wie gefährlich die Flucht nach Europa für viele Menschen war und ist. Auch jetzt, wenn im Herbst die Zahl der ankommenden Boote wieder zurückgeht. Vor den Toren Europas wird immer noch gestorben – das ist die Botschaft, die mit der 100 Meter langen Liste durch Hamburg getragen wurde. Quer durch die Innenstadt, hin zum Fischmarkt.

Die "Seebrücken"-Bewegung brachte im Frühjahr und Sommer Tausende Menschen in verschiedenen Städten auf die Straße. Die Demonstrantinnen und Demonstranten forderten "sichere Häfen" für Geflüchtete und eine menschlichere Asylpolitik (bento).

Wenige Monate später kamen an diesem Sonntag nur noch einige Hundert zu den Protesten, in Berlin waren 250 Personen angemeldet. Auch in Hamburg zeigten die Bilder deutlich weniger Menschen. 

Doch denen, die kamen, ging es wohl auch um ein grundsätzliches Zeichen.

In einer Zeit, in der Flüchtlinge auf Plakaten zur Ausreise aufgefordert werden und Politiker über Abschiebungen nach Syrien diskutieren, gibt es immer noch Menschen, die anders denken und an einer offenen Flüchtlingspolitik festhalten.

Schon in der Vergangenheit hatten linke Aktivisten die Namen toter Flüchtlinge öffentlich aufgeführt. Dass diese Aktionsform jetzt wiederholt wurde, liegt auch am Datum. An diesem Sonntag ist Volkstrauertag. An dem Tag wird traditionell an Kriegsopfer und Opfer von Gewaltherrschaft erinnert. Auf der Flucht gestorbene Menschen hatten in dieser Erzählweise – anders als tote Wehrmachtssoldaten, beispielsweise – bislang dagegen keinen Platz. 

Neues Rettungsschiff fährt ins Mittelmeer – erstmals unter deutscher Flagge

Auch an anderer Stelle bemühen sich Seenotretter, Flüchtlingshelfer und Asyl-Aktivisten darum, die Flüchtlingsdebatte wieder stärker zu beeinflussen. Nach Monaten, in denen kein Rettungsboot mehr ablegen konnte, startete an diesem Wochenende die Organisation "Sea-Eye" ihr Schiff "Professor Albrecht Penck" in Rostock. In wenigen Wochen soll es im Mittelmeer ankommen, um dort Flüchtlinge retten zu können. 

(Bild: dpa)

Das Besondere am neuen Rettungsschiff ist die deutsche Flagge. Die Seenotretter fahren zum ersten Mal damit. Bis zum Sommer waren die Schiffe dagegen meist in anderen Ländern als Sportboote registriert. Dann wurden sie gestoppt und festgesetzt

Sollte das neue Boot ebenfalls festgesetzt werden, was nicht ganz unwahrscheinlich ist, müsste nun die Bundesregierung erklären, warum sie die Rettung von Menschen unterbindet. Es wäre eine moralische Auseinandersetzung, die rasch für neue Diskussionen sorgen dürfte – und der "Seebrücke" neue Sympathien bescheren könnte.


Gerechtigkeit

Menschen überkleben Seehofers unsägliche Ausreise-Plakate – ich bin ihnen dankbar

Die Vorweihnachtszeit ist eine Zeit der Besinnung. Es geht um christliche Werte, Nächstenliebe zum Beispiel. In genau dieser Zeit nun hat das deutsche Innenministerium Plakate in vielen Städten aufhängen lassen.

"Freiwillige Rückkehr", steht auf diesen Plakaten. "Dein Land. Deine Zukunft. Jetzt!" Es gibt die Plakate nicht nur auf Deutsch, das Innenministerium hat sie zum Beispiel auch auf Arabisch und Russisch drucken lassen.

So sehen sie aus: