Bild: Reuters/Noah Berger
Am Ende bekamen sie nicht einmal die vier Dollar.

Eine Gerichtsjury hat den Hinterbliebenen eines erschossenen Familienvaters vier Dollar Entschädigung zugesprochen. Die Mutter des 30-Jährigen und seine drei Töchter seien "untröstlich", sagte der Anwalt der Familie dem Sender CNN.

Es geht um einen Vorfall vom Januar 2014. 

Nach einer Lärmbeschwerde in der Stadt Fort Pierce im US-Bundesstaat Florida rückten zwei Polizisten an. Der 30-jährige Schwarze wurde bei dem Einsatz in seiner Garage erschossen. Die Polizisten sagten aus, er sei bewaffnet gewesen.

Die Mutter des getöteten Mannes verklagte die beiden Polizisten CNN zufolge unter anderem wegen eines widerrechtlich herbeigeführten Todes ("wrongful death"), Fahrlässigkeit und unangemessener Gewalt. Sie forderte laut CBS eine Summe zwischen 500.000 und einer Million Dollar, davon 11.000 Dollar für die Beerdigung.

Ein Dollar für jedes Kind

Die Jury entschied jedoch, dass der 30-Jährige zu 99 Prozent selbst schuld an seinem Tod war. Sie hat der Familie nur vier Dollar zugesprochen, wie CNN berichtet. Einen Dollar für die Beerdigung, und je einen Dollar für die drei Kinder des toten Mannes - und zwar für den Verlust der elterlichen Fürsorge sowie den seelischen Schmerz und das Leiden. Die Kinder sind demnach 7, 10 und 13 Jahre alt.

Da die Polizei nur zu einem Prozent schuld an dem Tod des Mannes sei, wurde die Summe sogar noch auf vier Cent reduziert - und weil das Opfer während des Vorfalls betrunken war, ging die Familie laut CNN letztlich komplett leer aus

Der Anwalt der Familie nannte die Entscheidung "verstörend". 

"Wollten Sie der Familie ein Signal senden?", fragte er. Die Jury hätte auch einfach keine Entschädigung aussprechen können. Dem Sender CBS sagte er: "Null Dollar wären besser gewesen." Laut CNN bestand die Jury aus einem schwarzen Mann, zwei weißen Männern und vier weißen Frauen.

Umstritten war in dem Verfahren zudem, ob das Opfer bewaffnet war. Laut CNN steht in den Gerichtsakten folgendes: Gegen drei Uhr Nachmittag holte eine Frau ihr Kind von der Grundschule ab, die gegenüber dem Haus des 30-Jährigen liegt. Er hörte laute Rapmusik mit expliziter Sprache, weshalb die Frau die Polizei rief.

Zwei Polizisten trafen ein und klopften an der Garagentür des Mannes. Den Polizisten zufolge öffnete er - mit einer Waffe in seiner Hand. Der Mann habe seine Tür dann wieder geschlossen. Einer der Polizisten zog seine Waffe und schoss vier Mal. Er traf sein Opfer laut CNN durch die geschlossene Tür im Bauch und im Kopf. Der zweite Polizist schoss demnach nicht.

Auch ein SWAT-Team rückte an.

Die Polizisten alarmierten außerdem die Spezialeinheit SWAT, da sie nicht erkannten, dass der Mann bereits tot war. Die Einheit stürmte das Gebäude, trat Türen ein, schnitt die Garagentür auf und setze Tränengas ein, wie CNN berichtet.

Die Einsatzkräfte fanden den Mann tot vor - eine Waffe steckte laut "New York Times" in der hinteren Tasche seiner Jeans. Das Opfer war demnach betrunken.

30 Zeugen wurden gehört.

Manche sagten, das Opfer habe die Waffe nicht in der Hand gehabt. Dazu gehört auch die 13-jährige Tochter des getöteten Mannes. Sie saß während des Vorfalls auf einer Bank der Schule gegenüber. Die Hände ihres Vaters seien leer gewesen.

Laut dem Anwalt der Familie befanden sich auf der Waffe keine Blutspuren. Außerdem gab der Polizist alle vier Schüsse innerhalb von 1,2 Sekunden ab - der Treffer in den Kopf habe den 30-Jährigen sofort bewegungsunfähig gemacht. Dem Anwalt zufolge ist es daher unklar, wie die Waffe aus seiner Hand in die hintere Tasche seiner Hose gelangt sein soll. Er kündigte an, einen Antrag für ein neues Verfahren stellen zu wollen.

Dieser Text ist zuerst bei SPIEGEL ONLINE erschienen.


Fühlen

Lea ist sexsüchtig. Hier erzählt sie, was das bedeutet
Vor vier Jahren wurde Lea bewusst, dass sie ohne täglichen Sex nicht mehr leben kann – und Hilfe braucht.

Sex ist was Schönes – für manche. Wenn Lea, die eigentlich anders heißt, an Sex denkt, löst das Gedanken aus, die sie an eine furchtbare Zeit erinnern. Denn die 32-Jährige hat eine Krankheit: Sie ist sexsüchtig. 

Vor vier Jahren wird ihr bewusst, dass sie ohne täglichen Sex nicht mehr leben kann – und Hilfe braucht. Doch der Weg zu dieser Erkenntnis ist hart.

Wir haben sie gebeten, uns ihre Geschichte von ihrer Sexsucht zu erzählen.

"Angefangen hat alles mit meinem ersten festen Freund vor knapp zehn Jahren. Ich wollte einfach zu viel Sex. Ich weiß noch, wie mein damaliger Freund witzelte, ich sei sexsüchtig. Bald aber kam der Punkt, an dem mich Sex mit ihm, egal wie viel, nicht mehr befriedigte. Ich fing an, mir Sex mit meinen Arbeitskollegen vorzustellen. 

Eines Abends passierte das: Ich landete mit einem Kollegen im Bett. Sofort spürte ich, wie viel Befriedigung mir die Abwechslung verschaffte.

Noch zweimal habe ich es danach mit Beziehungen probiert – nie habe ich es geschafft, treu zu bleiben. Verhütung wurde mir immer unwichtiger, Hauptsache, ich konnte meinem Trieb nachgehen. 

Ist Sexsucht eine Krankheit?

Ich bekam Geschlechtskrankheiten wie Tripper und Genitalherpes, mit denen ich andere ansteckte. Und ich wurde schwanger. Siebenmal habe ich abgetrieben. Die Schuldgefühle plagen mich noch immer."

Lange stand zur Debatte, ob die Sucht nach Sex als Krankheit bezeichnet werden kann. Für Diskussionen und Uneinigkeit unter den Experten sorgten die Fragen: Ab wann ist das Verlangen ungewöhnlich? Ist jemand, der einmal pro Tag Sex will, schon süchtig? Oder muss er es mehrere Male wollen – ganz gleich, wo und mit wem?

Im Jahr 2003 definierte die "Psychatric Association", die wichtigste Organisation amerikanischer Psychiater, ab wann Sexsucht krankhaft ist: Nämlich sobald jemand unter seinem ausprägenden Trieb leidet und er unkontrollierbar wird. Das Fachwort dafür: Hypersexualität.