Eine Rentnerin sammelt am Münchner Hauptbahnhof Pfandflaschen. Ein Verstoß gegen die Hausordnung, sagt die Bahn. Nun ist die Aufregung groß.

Anna Leeb wollte nur ihre Rente aufbessern. Die 76-Jährige sammelt Flaschen - das tat sie auch im Hauptbahnhof München. Laut der Bahn ist das allerdings ein Verstoß gegen die Hausordnung. Als Leeb nun dabei gesehen wurde, wie sie Pfandflaschen einsteckte, wurde sie von Sicherheitsbeamten der Bahn unsanft aus dem Gebäude befördert.

(Bild: Felix Kreuzer)

Es ist nicht das erste Mal, dass Leeb wegen des Flaschensammelns eine unangenehme Begegnung mit der Bahn hat. Vor knapp drei Jahren wurde sie schon einmal im Münchner Hauptbahnhof bei einer verbotenen Sammelaktion erwischt. Damals erteilte man ihr Hausverbot. 

Weil sie dagegen jedoch mehrfach verstieß, kam es wiederholt zur Anzeige wegen Hausfriedensbruchs. Leeb wurde damals zu Geldstrafen von insgesamt mehreren hundert Euro verurteilt, wie die Staatsanwaltschaft München mitteilt.

Die haben mich aus dem Gebäude gebracht, an mir gezerrt und mir den Rollator weggenommen. Die Flaschen musste ich wegwerfen.
​Anna Leeb

Seit dem vergangenen Jahr durfte die Rentnerin das Bahnhofsgebäude wieder betreten. So wie neulich, als Leeb wieder mit ihrem Rollator durch die Bahnhofshalle ging und zwei leere Bierflaschen einsteckte. 

Dies beobachteten zwei Mitarbeiter, die Leeb schon früher erwischt hatten. "Die haben mich aus dem Gebäude gebracht, an mir gezerrt und mir den Rollator weggenommen. Die Flaschen musste ich wegwerfen", schildert die Rentnerin den Vorfall am Telefon. 

Sie sagt auch, dass sie vorbestraft sei, doch das ist sie nicht, wie sich später herausstellt.

Die Münchner "tz" hatte den Fall als erstes aufgegriffen und damit große Aufmerksamkeit erregt, die Geschichte verbreitete sich rasant. Viele Menschen wollen die Rentnerin unterstützen.

Einer von ihnen ist Felix Kreuzer. Er ist der Vorstand der Straßenzeitung "Münchner Charity", die Leeb regelmäßig in der Innenstadt von München verkauft. Kreuzer hat einen Spendenaufruf für die Rentnerin gestartet.

Leeb, die mehr als 20 Jahre in einer Metzgerei und später in einer Pension gearbeitet hat, ist von der Aktion überwältigt. "Ich wusste ja nichts davon, dass Herr Kreuzer so etwas für mich geplant hat", sagt sie. In München sei die Resonanz auf ihre Geschichte groß. Fremde Leute steckten ihr auf der Straße Geld zu.

Es gibt so liebe Menschen. Das ist ganz toll.
​Anna Leeb

"Es gibt so liebe Menschen. Das ist ganz toll", sagt Leeb. Im Netz ist die Unterstützung für die Rentnerin noch größer. Auf der Plattform Change.org wurde eine Petition gestartet. Fast 40.000 Menschen unterstützen die Forderung nach Straffreiheit für die 76-Jährige.

Und auch die Deutsche Bahn zeigt sich dialogbereit. Man bedauere, dass der Vorfall sich so zugespitzt habe. Dennoch müsse man sich im Bahnhofsgebäude an die Hausordnung halten. Mittlerweile hat sich die Bahn bei der Rentnerin entschuldigt.

Anna Leeb wird weiter Flaschen sammeln, allerdings nicht mehr im Münchner Hauptbahnhof. Und auch die Straßenzeitung will sie weiterhin verkaufen, sieben Tage die Woche. Anstrengend findet sie das nicht. "Ich habe ja Zeit und vor die Tür gehe ich ja eh", sagt die Rentnerin. Außerdem gehe ihr 78 Jahre alter Mann ja auch immer noch arbeiten.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, Anna Leeb sei vorbestraft und habe 2000 Euro Strafe zahlen müssen - so hatte es die 76-Jährige behauptet. Tatsächlich stellte die Staatsanwaltschaft inzwischen klar, dass Leeb zwar in der Vergangenheit wegen Hausfriedensbruchs verurteilt worden war, aber mitnichten vorbestraft ist. Ihre Geldstrafen belaufen sich demnach auf deutlich unter 2000 Euro. Wir haben den Artikel entsprechend überarbeitet.

Dieser Beitrag ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.


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