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Leben wir in getrennten Internetwelten?

Es scheint, als ob wir derzeit in Parallelwelten leben: In den USA fragen sich viele, warum sie den Wahlsieg von Donald Trump nicht ahnen konnten. Warum die Anhänger nicht auftauchten in der eigenen Timeline (bento). Ähnlich fühlte es sich bereits beim Brexit an und bei den Landtags-Erfolgen der AfD.

Auf der einen Seite progressive Liberale, auf der anderen Seite konservative Globalisierungsgegner. Zwei Lager, die kaum mehr miteinander in Berührung kommen. Die Schuld, dass sich beide Seiten nicht mehr lesen und wahrnehmen, schieben Experten auf sogenannte "Filter Bubbles" (Medium).

Wir haben mit Katharina Kleinen-von Königslow gesprochen. Sie forscht an der Universität Hamburg zu politischer Kommunikation in sozialen Medien und sagt: "Filter Bubbles sind ein echtes Problem."

Katharina Kleinen-von Königslöw


Professorin für Kommunikationswissenschaft an der Universität Hamburg

Was sind Filterblasen?
Den Begriff führte der Internetaktivist Eli Pariser ein. Er beschrieb die Filterung unserer Nachrichten, die wir über Google suchen und in den Nachrichtenstreams der sozialen Medien angezeigt bekommen. Algorithmen entscheiden auf Basis unseres Nutzungsverhaltens – und schneiden uns Nachrichten unseren Vorlieben gemäß weiter zu.
Lange Zeit hat die Wissenschaft versucht darzulegen, dass Filterbubbles gar nicht so einflussreich sind wie angenommen. Facebook selbst hat eine Studie vorgestellt, mit der das Unternehmen zeigen wollte: Nicht der Algorithmus ist schuld, sondern der Nutzer selbst. Der Newsfeed zeigt vielfältige Nachrichten an, allerdings klicken die Nutzer nur auf solche Nachrichten, die ihre Weltsicht bestätigen.
Was ist also das Problem daran?
Gerade bei der vergangenen US-Wahl hat man gesehen, dass die Nutzer immer stärker ihren eigenen politischen Ansichten entsprechend auswählen – und damit gar nicht mehr mit politisch anderen Meinungen in Kontakt kommen. Das ist problematisch, weil sich mittlerweile fast die Hälfte der Bevölkerung in vielen Ländern über Social Media politisch informiert.
Woher kommt die Polarisierung der Newsfeeds?
Meiner Meinung nach hängt das damit zusammen, dass Facebook grundsätzlich anders genutzt wird als eine Nachrichtenseite. Bei Facebook geht es darum, Teil einer Gruppe zu sein. Man bekommt zwar nebenbei politische Nachrichten, aber vor allem geht es um Selbstbestätigung. Nutzer sind dort viel weniger bereit, auf Dinge zu klicken, die nicht ihrer Kernidentität – also ihrer politischen Ausrichtung – entsprechen.

Aber Mediennutzer haben doch schon immer eher die Nachrichten gelesen, die mit ihrer Weltsicht übereinstimmen.
Das mag stimmen, aber in Nachrichtenfernsehen oder traditionellen Printmedien war es leichter, auch Nachrichten zu Gesicht zu bekommen, die nicht mit der eigenen Position übereinstimmten. Auf Portalen wie Facebook sieht man kaum noch gegenläufige Meinungen. Das Portal ist ja auch gar nicht darauf ausgelegt, ein vielfältiges Meinungsbild zu repräsentieren.
Was können wir tun, um aus unserer Filterbubble auszubrechen?
Man sollte ab und an gezielt nach Informationen oder Seiten suchen, die nicht mit dem eigenen Standpunkt übereinstimmen. Ich klicke zum Beispiel auch öfter die Seiten von Parteien an, die nicht meiner politischen Überzeugung entsprechen. Das bringt den Algorithmus durcheinander und man bekommt dadurch auch wieder vielfältigere Informationen zugespielt.

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Gerechtigkeit

"Werde ich sterben?": Dieser Junge erinnert uns an das Schicksal von Aleppo

Knapp 300 Tote in sechs Tagen. Mehr als 100 Luftangriffe jeden Tag. Die syrische Stadt Aleppo hat in der vergangenen Woche das schlimmste Bombardement seit Beginn des Syrienkrieges erlebt. Das gaben Beobachter der Weißhelme genannten Hilfsgruppe "Syrian Civil Defense" an (CNN).

Ein Video teilen jetzt viele nach den Angriffen: das eines kleinen Jungen. Die Hilfsorganisation "Syrian Charity" hat es zwischen den Bombenangriffen aufgenommen.

Er weint, er berichtet von gelblichem Gas, das er eingeatmet hat: