Achtung, Ärger!

Das Baden-Württembergische Landesarbeitsgericht hat klargemacht, dass "Fettes Schwein" auch als Emoji auf Facebook eine Beleidigung darstellt. In dem konkreten Fall hatte ein Mann gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber geklagt, der ihm wegen seiner Kommentare im Netz gekündigt hatte.

Unter anderem hatte er einen Kollegen, der sich bei der Arbeit verletzt hatte, per Emoji als "Fettes Schwein" bezeichnet. Seinen Produktionsleiter nannte der Montagearbeiter zudem, auch per Emoji, einen "Bärenkopf". Was auch immer das bedeuten mag.

Aus dem Urteil:

Der Mitarbeiter M. I. war seit 17.07.2015 wegen eines Arbeitsunfalls arbeitsunfähig erkrankt. Er verletzte sich an der Hand. Herr I. postete seine Verletzung in seiner Facebook-Chronik. Es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion in der Kommentarfunktion, an der sich 21 Personen beteiligten, unter anderem der Kläger und vier weitere Mitarbeiter der Beklagten (G. L., J. N., I. T. und M. S.). Die Diskussion handelte vom Arbeitsunfall und der Krankmeldung des Herrn I. sowie um den Zeitpunkt dessen Rückkehr in den Betrieb der Beklagten. Die Diskussion nahm, soweit vorliegend von Interesse, folgenden Verlauf:

C. H.: 6 Wochen gelben Urlaubsschein.
M. I.: Hahahaha hahahaha
L. F.(Kläger): Lars Ricken sags nicht er kommt im Oktober wieder!!!
M. I.: Was Oktober ich ab gedacht in Dezember!!!
L. F.(Kläger): Hahhahhahahahabild1_160812_171743.jpg#asset:780480:url
L. F.(Kläger): Das Fettebild2-1.jpg#asset:780487:url dreht durch!!!bild3.jpg#asset:780438:url
M. I.: Das Spanferkel meinst du!!!!!bild4.jpg#asset:780431:url
L. F.(Kläger): Hahahahah
L. F.(Kläger): Und der bild5.jpg#asset:780424:urlkopf auch!!! bild6_160812_172204.jpg#asset:780494:url
C. H.: wat nüü a nü lös hier?? krank schreiben is wohl mode geworden bei a., seit schonny nicht mehr da ist bild7.jpg#asset:780396:url
L. F.(Kläger): Eyyyy keine Namen !!!!bild8.jpg#asset:780417:url zuviele bild9.jpg#asset:780410:urlund bild10.jpg#asset:780403:urlhier!!!!bild11.jpg#asset:780620:url

Gegen die Kündigung klagte er. Erst vor dem Arbeitsgericht Pforzheim, dann vor dem Landesarbeitsgericht. Unter anderem wies er darauf hin, dass es sich um eine private Kommunikation in einem geschützten Raum gehandelt habe. Das Gericht entschied nun: Irgendwie haben beide Recht. (LArbG Baden-Württemberg)

Erst bestätigt das Arbeitsgericht, dass es sich bei "Fettes Schwein" um eine grobe Beleidigung handle, die auch eine Kündigung rechtfertigen würde.

Danach weist das Urteil aber darauf hin, dass der Kläger in diesem Fall nicht gleich hätte gefeuert werden müssen. Unter anderem sei dieser nämlich ein überdurchschnittlich guter Mitarbeiter gewesen, seit 16 Jahren im Unternehmen, außerdem noch zu 20 Prozent behindert, pflege eine demenzkranke Mutter und habe ein einjähriges Kind. Sozialverträglich und angemessen sei die Kündigung deshalb nicht. Eine Verwarnung hätte es auch getan.

In der Begründung des Urteils gibt das Gericht außerdem Nachhilfe in Emoji: Schließlich handelte es sich nicht, wie zuerst behauptet, um einen Bärenkopf, sondern um ein "Monkey Face":

Das vom Kläger benutzte Emoticon bild14.jpg bedeutet ausweislich der List of Emoticons for Facebook nämlich nicht „Bärenkopf“, sondern „monkey face“. Ein Bärenkopf wird dagegen mit dem Emoticon bild15.jpg ausgedrückt, welches „teddy bear Emoticon“ heißt. Aber offenbar haben beide Parteien das verwendete Emoticon als Bärenkopf angesehen.
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