Bild: imago
Es müssen mehr werden. Unsere Forderungen zum Weltfrauentag

Schon mal was von Etta Palm d'Aelders, Jane Addams oder Mileva Einstein-Maric gehört? Nein? Dann hattest du wohl einen ähnlichen Geschichtsunterricht in der Schule wie ich. Wir sprachen damals nämlich fast ausschließlich über Männer. Sehr viele Männer. 

Neben Karl Marx, Napoleon und Otto von Bismarck waren Frauen eher eine Randerscheinung. Sie wurden eigentlich nur erwähnt, wenn es um französische Mütter während der Revolution oder die Trümmerfrauen nach dem Zweiten Weltkrieg ging. Dass Frauen im Unterricht tatsächlich so unterrepräsentiert waren, fiel mir lange Zeit überhaupt nicht auf – bis ich diesen Tweet sah:

Haben wir im Geschichts-Leistungskurs wirklich so wenige Frauen behandelt? Ich versuche, mich zu erinnern. Rosa Luxemburg hat kurz vorbeigeschaut. Auch über Sophie Scholl sprachen wir. Ansonsten sah es eher trist aus für historisch wichtige Frauen. 

Aber trügt mich meine Erinnerung? Oder hat sich seitdem ohnehin viel verändert? Ich werfe einen Blick in zwei Schulbücher. 

Das erste Buch heißt "Geschichte entdecken 3 – Ausgabe Hessen" und ist aus dem Jahr 2015. Ich blättere mich durch die Seiten und halte Ausschau nach Frauen. Irgendwann werde ich im Kapitel über die Französische Revolution fündig. Ihr Name: Joséphine. Nicht mal ein Nachname. Joséphine ist aber nicht alleine, Napoleon ist natürlich auch da. Ein Mann an ihrer Seite. Ich blättere weiter, bis ich am Ende angelangt bin. Hier werden noch einmal die wichtigsten Personen aufgelistet. Sieben sehr wichtige Personen – sieben Männer. 

Das zweite Buch: "Kursbuch Geschichte 1: Oberstufe Baden-Württemberg" aus dem Jahr 2009. Hier werde ich schneller fündig, aber das Verhältnis der Männer und Frauen wirkt auf den ersten Blick ziemlich unausgeglichen. Wie sehr – das stelle ich anhand des Personenverzeichnisses fest. 91 historische Persönlichkeiten – davon 87 Männer und vier Frauen. 

Das Problem betrifft nicht nur den deutschen Unterricht: Eine Studie aus den USA, die sich mit aktuelleren Geschichtsbüchern beschäftigte, untersuchte, ob es einen Zusammenhang zwischen den dargestellten Personen und den Autoren der Bücher gibt. Das Ergebnis: Generale und Präsidenten dominieren bei allen Büchern den Inhalt – 75,8 Prozent davon wurden von Männern geschrieben, 24,2 Prozent von Frauen. (Slate)

Man könnte nun sagen: Vielleicht haben Frauen ja einfach nichts Bedeutendes zur Geschichte beigetragen? 

Von wegen. Es gibt genug Frauen, die es verdient hätten, in unseren Klassenzimmern erwähnt zu werden. Zum Beispiel:

  • Jane Addams – eine Feministin, Soziologin und Gründerin der "Women's International League for Peace and Freedom";
  • Etta Palm d'Aelders, die als erste Frau im "Cercle social" öffentlich das Wort ergriff und 1790 während der Französischen Revolution eine Rede vor dem Nationalkonvent hielt (Universität Wien); 
  • Rosalind Franklin – eine Biochemikerin, die entscheidende Vorarbeiten für die Entschlüsselung der DNA-Struktur leistete, dafür aber, im Gegensatz zu James Watson und Francis Crick, fast gar keine Anerkennung erhielt (SPIEGEL ONLINE);
  • Marie Juchacz – die erst mit anderen Sozialreformerinnen das Frauenwahlrecht in Deutschland erkämpfte und dann als eine der ersten weiblichen Abgeordneten im Parlament saß;
  • oder Mileva Einstein-Maric – die nicht nur einfach die Frau von Albert Einstein war, sondern selbst Mathematikerin. Eine der ersten Europas. Während sie in Texten über Albert Einstein meist gar nicht oder nur am Rande erwähnt wird, gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass sie die Relativitätstheorie gemeinsam mit ihrem Mann entwickelt hat (Heise).

Es mangelt also nicht an spannenden Frauen der Geschichte, es mangelt nur an Büchern, in denen sie vorkommen. 

Das ist ein großes Problem: Mädchen und junge Frauen brauchen Vorbilder. Solange man immer nur Männer sieht, die Großes geleistet haben, werden sich auch weiterhin eher Männer zutrauen, Großes zu leisten – ein Teufelskreis. Studien wie diese von Microsoft zeigen, dass Mädchen sich meist erst dann in männerdominierte Berufe trauen, wenn sie weibliche Vorbilder in diesen Tätigkeiten kennen. 

In einer Welt, die uns Frauen immer wieder das Gefühl gibt, wir müssten wie Männer sein, um etwas erreichen und erfolgreich sein zu können, brauchen wir andere Frauen, zu denen wir aufschauen können. Frauen, die für ihre Rechte gekämpft und ihre Stimme erhoben haben. Frauen, von denen die meisten von uns erst lange nach der Schulzeit erfahren haben. 

bento per WhatsApp oder Telegram


Fühlen

Darum schäme ich mich nicht mehr für meinen Kosenamen
Ich bin eine stolze Süßmaus!

Ich hatte in meinen Beziehungen immer einen Kosenamen. Früher war ich "Baby" oder ein "Bär", heute bin ich eine "Süßmaus" und manchmal ein "kleiner Gorilla".

Das war mir früher immer peinlich. Wenn meine Freundin mich in der Öffentlichkeit als "Süßmaus" ansprach, fühlte ich mich in meinem männlichen Ego verletzt. Ich, der sonst so starke Mann, sollte auf keinen Fall als süße Maus gesehen werden.

Was mich zum Umdenken gebracht hat, erzähle ich im Video.