Ein Tweet – und drei schöne Reaktionen darauf

Der Fußballclub Carl Zeiss Jena muss sich regelmäßig antisemitische Sprüche anhören und Schmierereien ertragen. Seit Jahren kommt es bei Fußballduellen im Osten mit Beteiligung des Traditionsvereins zu Beleidigungen und Zwischenfällen. 

Die Anhänger vom FC Carl Zeiss Jena gelten politisch eher als linksgerichtet – also werden sie von rechts angegangen. 

"Im Westen rufen sie: 'Baut die Mauer auf', im Osten: 'Juden Jena'. Lauter alte dumme Sprüche, die man schon langsam überhört", hatte vor einigen Jahren der damalige Beauftragte vom Jenaer Fanprojekt versucht, eine Erklärung zu finden (SPIEGEL ONLINE).

Nun hat der Verein eine perfekte Antwort auf jüngste antisemitische Beschimpfungen.

Die Vorgeschichte:

Bei Fußballspielen des FC Carl Zeiss Jena gibt es immer wieder Rufe wie "Juden Jena", auf Graffitis in der Stadt sind Judensterne neben dem Mannschaftslogo zu sehen. Doch für das Thüringer Ministerium für Inneres und Kommunales stellt das keinen Straftatbestand dar. 

Die Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss von den Linken hatte eine entsprechende Kleine Anfrage gestellt, um den Verein zu unterstützen. Doch das Ministerium watschte sie ab. 

Die Ausrede des Ministeriums:

Das Innenministerium und die Staatsanwaltschaft sehen die Verwendung "Juden Jena" im Zusammenhang mit Fußball als unkritischer an. Genauer begründen sie: 

"Nach der im Zusammenwirken mit den Leitenden Oberstaatsanwälten erarbeiteten Rechtsauffassung der Thüringer Generalstaatsanwaltschaft erfüllt die Parole "Juden Jena" für sich keinen Straftatbestand, insbesondere nicht den Tatbestand der Volksverhetzung gemäß § 130 Strafgesetzbuch, wenn auch im allgemeinen Sprachgebrauch sehr wohl eine Herabsetzung des Gegenübers impliziert sein kann."

Die Begründung klingt nach dem Grundsatz: "Im Zweifel für den Angeklagten." 

 "Das Grundgesetz sieht einen sehr weiten Schutzbereich für das Grundrecht auf Meinungsfreiheit nach Artikel 5 Abs. 1 Satz 1 Grundgesetz vor. Immer dann, wenn andere (nicht strafbare) Deutungsmöglichkeiten nicht ausgeschlossen werden können, ist der Tatbestand der Volksverhetzung nicht erfüllt."

Doch der Verein lässt sich nicht unter kriegen – und hat die perfekte Antwort gepostet. 

Der Tweet hat mittlerweile fast 3000 Likes bekommen, hunderte Menschen haben kommentiert. (Thüringer Allgemeine)

Die drei schönsten Reaktionen auf den Post:

  • "Bin Erfurt-Fan und bin sehr peinlich berührt, wenn ich sowas sehe. Das ist eine Schande für jeden Fußballklub, der solche Fans in den Reihen hat." 
  • "Wie wäre es, wenn man ein Freundschaftsspiel mit einem israelischen Fußballclub stattfinden lässt."
  • "Buchenwald ist von Jena nicht so weit. Es ist definitiv geschichtliche Aufklärung notwendig für solche Vollidioten. Das Problem: häufig mangelt es genau daran – Verstand. Kein Platz für Nazis. Nicht in Jena – nicht in Deutschland – Nirgendwo.

Was ist über die Vorfälle bekannt?

Seit 2015 erfasste die Thüringer Polizei mindestens acht Vorfälle, wie "Thüringen 24" berichtet. Dabei sei von den Beamten nur ein einziger als antisemitisch eingestuft worden. Sieben wurden als Straftaten gewertet, drei Delikte zudem als "politisch motiviert". 

Hinter den aufgezählten Vorfällen sollen fast immer Anhänger des Thüringer Regionalligisten FC Rot-Weiß Erfurt gestanden haben. Häufig waren die Schmierereien mit "Hools EF", Hakenkreuzen und anderen NS-Symbolen aufgebracht.


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