Bild: dpa/Heiko Wolfraum; Montage: bento

Vor Kurzem habe ich auf eBay-Kleinanzeigen meinen alten Laptop verkauft. Der Käufer kam zu mir, testete ihn aus – und war happy.

Bis zum nächsten Tag. Das Ladegerät sei kaputt, obwohl er es erst am Vortag getestet hatte, sagte mir der Käufer am Telefon. Jetzt wollte er Geld zurück oder ein neues Netzteil, obwohl er den Preis ohnehin schon gedrückt hatte. 

Ich gab schon aus diesem Grund erst mal nicht nach. Das ging ein paar Wochen hin und her. Dann schrieb er per E-Mail: "Zum Glück haben wir einen Vertrag abgeschlossen." 

Dazu sandte er ein PDF, auf dem stand, dass ich ihm das Produkt "inkl. neuem Netzteil" verkauft hätte. Auch eine Unterschrift war zu sehen. Es sollte offenbar meine sein – nur, dass die meiner nicht mal ähnlich war.

Was Menschen auf eBay-Kleinanzeigen sonst noch erleben:
Eigentlich wollte David nur sein Festivalzelt verkaufen...
Und Jessica wollte ihre alte Küche verschenken – guter Witz, fand einer...
Joscha hatte extra in die Anzeige geschrieben, dass er nicht tauschen will...
Lena schreibt: "Nachdem mir jemand meine Halskette abgekauft hatte, schrieb er mir noch einmal per Chat: 'Deine Kette ist einfach hässlich!!! Habe ich entsorgt!!'"
Jan hatte sein Sofa inseriert...
Jenny schreibt: "Ich fragte bei jemandem, ob neben dem Bett auch noch die abgebildete Matratze zu verkaufen sei...
...Die Antwort: 'Nein! Türen, Fenster und Wände gehören NICHT dazu, Alter!'"
Und Lene schreibt: "Zugegeben, ich hatte keine guten Fotos eingestellt. Doch eine Nachricht machte mich richtig sauer..."
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Ich fand das so absurd, dass ich nur noch darüber lachen konnte. Ich fühlte mich in die Schulzeit zurückversetzt, als ich heimlich Entschuldigungen fälschte, um die Schule zu schwänzen. (Ganz selten, Mama!)

Andere haben vielleicht den Schülerausweis vom großen Bruder kopiert, um in die Disko zu kommen oder die Eintrittskarte für das Konzert. 

Wir haben euch gefragt, was ihr im Alltag schon mal gefälscht habt – und wie ihr euch damit fühlt.
Sandra, 29: "Nach der Kündigung habe ich mein Arbeitszeugnis aufgebessert"

Bei meinem ersten richtigen Job wurde ich zwar offiziell als "Junior" eingestuft: Das bedeutet so viel wie Anfänger. Nach einem Jahr sollte ich aufsteigen. Die Absprache hatten meine Chefs dann aber schon wieder vergessen. Sie wollten die Leute lieber klein halten. 

Mittlerweile habe ich wegen der – fehlenden – Führungskultur gekündigt. Für meine darauffolgenden Bewerbungen habe ich mein Arbeitszeugnis dann "angepasst" und den Juniortitel entfernt. Gerade in Agenturen hätte ich ansonsten eine wesentlich schlechtere Verhandlungsbasis. Dafür habe ich einfach das Zeugnis-PDF mit Photoshop bearbeitet.

Ich habe schon ein schlechtes Gewissen. Allerdings passt der Titel ja auch nicht mehr zu meinen beruflichen Fähigkeiten und Erfahrungen. Und meine Angst, dadurch vielleicht Chancen zu verpassen, war größer.

Ben, 30: "Ich bin ein Jahr lang 'kostenlos' Bus gefahren, weil ich meiner Mutter keinen Kummer bereiten wollte"

Als ich in die elfte Klasse kam, habe ich eine Schülerjahreskarte für den Bus gefälscht. Bei uns in Schleswig-Holstein war es nämlich so, dass die Karte nur bis zum Ende der zehnten Klasse gratis war – weil die Schulpflicht danach erfüllt sei. Dabei ist das schon nach der neunten Klasse der Fall. 

Ich habe mit meiner alleinerziehenden Mutter auf dem Land gelebt, viele Kilometer von der Schule entfernt, ich war auf das Ticket angewiesen. Es war eine harte Zeit, meine Mutter hat sich als Altenpflegerin kaputt gearbeitet. Weil ich wusste, dass das Geld immer sehr knapp ist, habe ich ihr nicht erzählt, dass die Karte etwas kostet – und sie stattdessen gefälscht.

Dafür habe ich die Karte eines jüngeren Schülers auf einem guten Farbdrucker kopiert. Dann habe ich mein Passfoto vor seines getackert und die Karte in die durchsichtige Tasche des Portemonnaies gesteckt. Es gab auch noch ein glitzerndes Sicherheitsfeld (das in meiner Kopie natürlich nicht geglitzert hat), das habe ich mit einem kaputten Anhänger einer Kette verdeckt, der ebenfalls in dieser Tasche steckte.

Es war immer ein Nervenkitzel, wenn ich in den Bus eingestiegen bin. Vor allem nachmittags, nach der achten Stunde. Denn morgens ging ich in einem Strom aus Kindern im Schulbus unter, da hat keiner stark kontrolliert. Aber am Nachmittag musste ich mit dem normalen Linienbus zurück.

Ich hatte eigentlich das ganze Jahr über ein schlechtes Gewissen. 

Aber ich habe mir immer gesagt, dass der Bus ja eh fährt, und dass es eine unfaire Regelung ist, Kindern keine Buskarte zu geben, wenn sie Abitur machen wollen.

Am Anfang der 12. Klasse habe ich es noch mal versucht – ohne Erfolg. Ich weiß nicht, woran es lag, aber ich wurde nach nicht einmal einem Monat erwischt. Wahrscheinlich lag es an meinem schuldbewussten Gesicht. Ich bekam eine Anzeige wegen Dokumentenfälschung und Schwarzfahrens und wurde vom Direktor vorgeladen, der mit Sozialstunden drohte.

Ich hatte Panik, dass ich einen Eintrag ins Führungszeugnis bekomme und dann am Ende Probleme bei der Berufswahl bekomme.

Ein paar Wochen später wurde plötzlich alles eingestellt, ich habe nie wieder etwas davon gehört. Ich hatte Glück.

Dokumentenfälschung

Dokumenten- oder Urkundenfälschung ist strafbar. Wer allein bei dem Versuch erwischt wird, muss mit bis zu fünf Jahren Gefängnisstrafe rechnen. In besonders schweren Fällen sind sogar zehn Jahre möglich – beispielsweise, wenn die Fälschungen geschäftlich verwendet werden oder wenn es um sehr viel Geld geht. 

Bei kleineren Vergehen und ohne Vorstrafen drohen vor allem Bußgelder – und ein Eintrag ins Vorstrafenregister. Geht der Fall vor Gericht, muss der Schuldige außerdem alle Prozesskosten zahlen. Akademische Titel werden aberkannt, wenn Zeugnisse gefälscht wurden. Und wer mit falschen Arbeitszeugnissen auffliegt, dem kann auch gekündigt werden.

Ina, 27: "Ich wollte raus aus meinem Fitnessstudio-Vertrag"

Ich bin nicht die größte Sportskanone. In den meisten Monaten war der teure Mitgliedsbeitrag beim Studio nebenan völlig verschwendet. Mein neuer Arbeitgeber hatte dann auch noch ein hauseigenes Fitnessstudio. Es gab also wirklich keinen Grund mehr, mein Geld für die Mitgliedschaft rauszuwerfen.

Das Problem: Ich hatte die Kündigungsfrist verpasst – und sollte nun noch ein komplettes Jahr im Vertrag bleiben. Keine Ausnahmen, wurde mir gesagt. Mist. 

Die einzige Möglichkeit wäre, teilte mir ein Angestellter des Studios mit, wenn ich umziehen würde und eine Meldebestätigung des neuen Wohnortes hätte. Ein Umzug war zwar nicht geplant, aber das Internet half. Ein bisschen googeln, eine Beispiel-Meldebestätigung aus einem anderen Bundesland in Photoshop mit meinem Namen versehen - fertig. Nimm das, Knebelvertrag!

Lars, 28: "Die Pommes rot-weiß haben wir mit Falschgeld bezahlt, kurz darauf schaltete sich das BKA ein."

Mit 12 Jahren faszinierten mich Farbdrucker sehr. So sehr, dass ich zusammen mit meinem besten Freund ausprobieren wollte, was man damit so alles anstellen kann. Also scannten wir unser Taschengeld auf dem neuen Canon-Farbdrucker meiner Eltern ein und klebten Vor- und Rückseite zusammen. Vorher hatten wir mit "Paint" sogar die Seriennummer ausgetauscht und besprenkelten das Papier mit dreckigem Wasser, damit es abgenutzt aussah.

Mit dem Ergebnis radelten wir zum Freibad, um zwei Portionen Pommes rot-weiß zu kaufen. Kostenlos schmeckte es noch besser. Naja, zumindest, bis zwei Polizeibeamte auf uns zukamen. Ein paar Scheine haben sie bei meinem Freund entdeckt, die restlichen 120 D-Mark stopfte ich in meine Badehose, bevor ich sie im Freibadklo runterspülte.

Zwei Wochen später bekamen meine Eltern dann trotzdem Post vom Bundeskriminalamt. Mit 12 war ich zwar noch nicht strafmündig, das BKA musste aber trotzdem allen Fälschungen nachgehen. Ich bekam Hausarrest.

Milena, 29: "Ich habe mir auf dem Schwarzmarkt einen Kurs mehr im Auslandssemester erkauft"

In meinem Bachelor-Studium verbrachte ich ein Semester in Argentinien. Ich hatte fünf Kurse, alle in einer fremden Sprache, das war schon ziemlich herausfordernd. Einer der Kurse war früh morgens und inhaltlich auch nicht so toll. Ich ging irgendwann nicht mehr hin. Am Ende des Semesters stellte ich dann fest, dass das gleiche Kursmodul an meiner deutschen Uni im nächsten Semester nicht angeboten wurde. Ich hätte also ein Semester länger studieren müssen.

Von anderen Freunden wusste ich, dass es in der Stadt einen Markt gab, auf dem man sich alle möglichen Dokumente besorgen kann: vom Führerschein bis zum Doktortitel.

Also bin ich mit einem Freund auf diesen Markt. Wir wurden auch gleich angesprochen und weitergereicht, das ging alles ziemlich schnell. Wir folgten einem Mann in einen Hinterhof und hatten beide ein mulmiges Gefühl. Die hätten uns ja auch überfallen können – die blonde Touristin mit dem argentinischen Freund. Und dann sind die mit dem Originalzeugnis auch noch weggegangen, das hat mich zusätzlich nervös gemacht. 

Die Qualität war okay, man konnte aber schon einen Unterschied zum Original sehen. Mir hat es gereicht – ich wusste, dass ich das Zeugnis in Deutschland nur als Kopie einreichen musste

Ich hatte und habe auch heute manchmal noch ein schlechtes Gewissen und Angst, dass es rauskommen könnte. Gleichzeitig empfinde ich das Ganze aber auch als Erfolgserlebnis – dass ich mich das getraut habe und es funktioniert hat!

​Ich finde es auch irgendwie spannend, die eigene Macht gegenüber Institutionen und Bürokratie auszutesten.

Im Alltag kann ja ein Stempel darüber entscheiden, ob du in einem Land bleiben darfst oder nicht, ob du arbeiten darfst und noch viel mehr. Im Prinzip ist das ja auch gut. Aber manchmal erschwert es das Leben unnötig. Gerade an der Uni sind Regelungen der Anerkennung häufig total unsinnig. Sie schaffen fast einen Anreiz dazu, das System auszutricksen.

Klara, 29: "Das gefälschte Semesterticket blieb im Drucker stecken – und wir wurden verklagt"

Eine Freundin von mir war gerade mit dem Soziologiestudium fertig, hatte keinen Job, war nicht mehr eingeschrieben und wollte trotzdem das Semesterticket nutzen.

An unserer Uni wird das jedes Semester auf Chipkarten aufgedruckt. Mir war zu Ohren gekommen, dass es funktioniert, wenn man zwei Studienausweise mit einem Tesafilm übereinander klebt, sodass mein gültiger Ausweis gelesen wird, aber der ungültige Ausweis bedruckt wird. 

Leider blieb uns die Kartenkonstruktion im Drucker stecken.

Natürlich ist die Universität dem direkt nachgegangen. Wir bekamen eine Anzeige. Im Nachhinein kann ich gut darüber lachen, denn die Anklage hieß: Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des versuchten Computerbetrugs. 

Als ich den Brief bekam, klang der aber erst mal nicht so harmlos. Die Uni hat uns auch angedroht, die angebliche Reparatur des Automaten im vierstelligen Bereich übernehmen zu müssen. Am Ende wurde die Klage fallengelassen und wir mussten jeder 25 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

Nur hat die Uni sich während der Ermittlungen geweigert, mir einen neuen Studienausweis auszustellen, was das Studieren erheblich erschwert hat... Das Ganze zog sich über ein halbes Jahr.

Ein schlechtes Gewissen hatte ich trotzdem nicht. Ich hatte nicht das Gefühl, jemandem damit zu schaden. 


Streaming

Was diese Woche neu auf Netflix, Amazon und Maxdome ist
Moritz Bleibtreu in "Schuld"

Was lohnt sich zu schauen – und was nicht? Abonnenten von NetflixAmazon und Maxdome haben oft die Qual der Wahl. Noch dazu werden einige Neuzugänge großspurig angekündigt, während andere buchstäblich über Nacht von der Bildfläche verschwinden. Hier sind die besten Neustarts: