Wie verbreiten sich solche Fake News trotzdem?

Bekommen Flüchtlinge vom deutschen Staat Handys geschenkt, wenn sie hier ankommen? Erhält eine vierköpfige Flüchtlingsfamilie knapp 2000 Euro pro Monat? Gibt es für jeden Flüchtling 700 Euro Weihnachtsgeld?

Nein. Das ist alles falsch.

Trotzdem kursieren solche und ähnliche Gerüchte immer wieder (Hamburger Morgenpost). Solche Fake News werden in unsere Social-Media-Timelines gespült oder erreichen uns über WhatsApp-Kettenbriefe – vor allem in der Vorweihnachtszeit. Und Menschen glauben sie.

Dabei ist es gar nicht so schwer zu erkennen, welche Informationen seriös sind und welche nicht – wenn man weiß, worauf man achten muss. Die Nachricht über das Weihnachtsgeld für Flüchtlinge – die seit Jahren immer wieder kurz vor Weihnachten verbreitet wird – besteht beispielsweise nur aus einem Absatz voller Rechtschreibfehler und einem Bild, aufgenommen von einem Fotografen, am 10. September 2015 in Berlin-Spandau. Das ist alles. So sieht sie aus:

Die Meldung stammt von einer Webseite, auf der jeder zum Spaß Fake News basteln kann. Der Generator heißt "nachrichten.de.com". Text eingeben, Bild hochladen, fertig.

Auf Facebook wurde allein der Link zu dieser Nachricht schon 198.000 Mal geteilt. Das lässt sich anhand der Webseite SharedCount nachvollziehen, die ihre Daten direkt von Facebook abfragt. Darin sind noch keine geteilten Screenshots von der Seite enthalten. Es ist also nicht klar, wie häufig der Fake tatsächlich verbreitet wurde.

Wie erkennt man Fake News? Wie vermeidet man, auf einen Fake hereinzufallen? Hier kommt ein Crashkurs:

1 Wer erstellt Fake News?

  • Prinzipiell kann jede und jeder eine Fake News produzieren. Es gibt Seiten, die ganz gezielt dazu da sind. Zu den meist genutzten gehören nachrichten.de.com und 24aktuell.com. Von nachrichten.de.com stammt auch die Fake News über das Weihnachtsgeld für Flüchtlinge. "Erstelle deinen Witz in wenigen Sekunden" steht dort auf der Startseite. Tatsächlich werden die "Artikel", die man dort in wenigen Minuten erstellen kann, in einen Kontext von anderen Artikeln eingebettet, der Leserinnen und Leser glauben lässt, die Nachricht könnte vielleicht stimmen. Beide Seiten sehen identisch aus:
  • Fake News können natürlich auch von jedem privaten Blog, jeder Privatperson über einen Social Media Account oder einem Fake-Account verfasst und gezielt gestreut werden. Menschen, Parteien oder Institutionen, die die Nachricht für echt halten, teilen sie dann und verbreiten sie. Oder solche, die ein Interesse daran haben, eine Fake News zu verbreiten und Menschen glauben zu machen, sie würde wirklich stimmen. Hier kannst du von einem Fall lesen, bei dem ein AfD-Abgeordneter ein Bild vom halbleeren Bundestag gemacht, aus dem Zusammenhang gerissen und veröffentlicht hat, vermutlich in dem Versuch, die anderen Parteien damit zu diffamieren. Und hier und hier gibt es noch mehr Beispiele. 
  • Oft wird auch Satire nicht als solche erkannt. Ein gutes Beispiel dafür ist Der Postillon. Es ist schon passiert, dass Nachrichtenseiten Beiträge der Satire-Webseite aufgriffen und selbst vermeldeten. 
  • Ein Beispiel, das besonders gut zeigt, welche Reichweite auch ein Einzelner mit Fake-News erreichen kann, zeigt der Fall von Christopher Blair. Er eröffnete im Präsidentschaftswahlkamp eine Facebook-Seite und erfand Tausende Geschichten, um sich über extreme Rechte und ihre Ansichten lustig zu machen. Ein Spaß unter Feunden sollte das Ganze sein, berichtet die "Washington Post" nun – den nur leider viele sehr ernst nahmen. Seine Geschichten wurden zum Beispiel von russischen Fake-News-Seiten weiterverbreitet. Der "Washington Post" zufolge erreichten die Posts bis zu sechs Millionen Menschen, die die frei erfundenen Geschichten womöglich glaubten. 
  • Ein weiteres Beispiel für Satire-Beiträge, die oft nicht als solche erkannt werden, sind die der Seite Paul Newsman. Auch dort können einfach Beiträge erstellt werden, die in die Optik einer echten Nachrichtenseite eingebettet werden. Diese tragen dann auch noch Titel, die an tatsächlich existierende Medien erinnern und in einer ähnlichen Optik gehalten sind, wie die Originale, etwa das "Kölner Abendblatt" oder die "Britta", ein vermeintliches Frauenmagazin. Auch wenn sie als Satire gedacht sein mögen, eignen sich solche Angebote besonders gut, um Fake News zu verbreiten

(Eine Auflistung von deutschen und internationalen Satireseiten gibt es hier.)

2 Wie fällt man nicht auf Fakes herein?

  • Man sollte sich immer Fragen: Woher kommt die Information? Was ist die Quelle? Ist diese Quelle glaubwürdig? Ob eine Quelle zuverlässig ist oder nicht kann einem oft schon ein Blick auf den Wikipedia-Artikel verraten. Steckt ein Medium oder eine Redaktion dahinter? Hat diese einen Geschäftssitz und Mitarbeiter in Deutschland? 
  • Beiträgen, die von den Seiten nachrichten.de.com oder 24aktuell.com stammen, sollte man grundsätzlichen nicht vertrauen.
  • Eine gute Anlaufstelle sind auch die Faktencheck-Seiten, die es inzwischen von verschiedenen Medien gibt, zum Beispiel den Faktenfinder von tagesschau.de.
  • Je krasser eine Nachricht ist, desto eher berichten auch andere Medien. Bevor man eine News teilt, kann man mit einer kurzen Googlesuchen prüfen: Wer berichtet noch? Stimmt das tatsächlich? Dass es sich bei dem Weihnachtsgeld für Flüchtlinge um keine authentische Nachricht handelt, hatte die Mitteldeutsche Zeitung bereits 2017 berichtet.

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit Mimikama.at entstanden, dem Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch.


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Mit diesem iPhone-Trick löst du dein Wurstfinger-Problem
Keine nervige Cursor-Tipperei mehr!

Mit jedem neuen iPhone-Update kommen auch neue Funktionen hinzu, die den Smartphone-Begeisterten das Leben leichter machen sollen. Dumm nur, wenn niemand diese Funktionen kennt. 

Etwas, was sicher fast alle, die viel Zeit bei WhatsApp verbringen, schon mal aufgeregt hat: 

Wie umständlich es ist, den Cursor an eine gewünschte Position im schon geschriebenen Text zu bewegen. 

Das Textfeld ist zu klein, um mit dem Finger immer gleich die richtige Stelle zu treffen. Oft geht es ja nur darum, ein Autokorrektur-Fail zu beseitigen. 

Eine Funktion, die schon länger existiert, hat nun die Bloggerin Krissy Brierre-Davis entdeckt:

Du kannst deinen Finger auf der Leertaste bewegen, um damit den Cursor in alle Richtungen zu verschieben.