Wer ist Christopher Wylie?

Christopher Wylie trägt sein Haar pink und ein Piercing zwischen seinen Nasenlöchern. Es gibt aktuell wahrscheinlich keinen Mann, der Facebook-Chef Mark Zuckerberg mehr aufregt. 

Wylie ist Ko-Gründer der US-Firma "Cambridge Analytics" und arbeitete dort bis 2014. Jetzt ist er Whistleblower. 

Das bedeutet, er hat interne Informationen öffentlich gemacht, die dem Unternehmen, und in diesem Fall auch Facebook, schaden. Wylie will Strippenzieher des größten Datenlecks in der Geschichte von Facebook gewesen sein. Er sagt: "We broke Facebook." (Guardian)

Worum geht es?

Um die Firma "Cambridge Analytics": Sie soll die US-Präsidentschaftswahlen sowie den Brexit in Großbritannien mit Hilfe von sozialen Medien beeinflusst haben – im Auftrag von ranghohen Politikern in den USA und womöglich auch Russland.

Dafür erstellte das Unternehmen auf Basis von Facebooklikes, Wählerlisten und anderen kommerziell gehandelten Daten Persönlichkeitsprofile von Wählergruppen und spielte ihnen gezielt bestimmte Nachrichten aus. 

Bereits Ende 2016 wurden erste Enthüllungen über "Cambridge Analytica" bekannt:

  • Afroamerikanische Bürger etwa bekamen Fake-Videos gezeigt, in denen Hillary Clinton schwarze Männer angeblich als Raubtiere bezeichnet. Die Videos sollten die Wähler verunsichern und von der Wahl Clintons abhalten. (NZZ)

Berichte darüber waren bereits kurz nach den Wahlen bekannt geworden. Cambridge Analytica beanspruchte danach Trumps Sieg quasi für sich, was allerdings Kritiker anzweifeln. Es gibt bis jetzt keine Beweise dafür, dass ihre Methode effektiver ist als andere, noch, wie die Firma wirklich arbeitet – und mit welchen Daten. (Das Magazin, Zeit Online

Facebook dementierte immer wieder, dass Cambridge Analytica Zugriff auf private Nutzerdaten hatte. Christopher Wylie hat nun die Gegenbeweise geliefert.

In Zusammenarbeit mit dem "Observer" und "Guardian" hat der Programmierer Beweise geliefert, nach denen:

  • Cambridge Analytica private Daten von mehr als 50 Millionen US-amerikanischen Facebook-Nutzern sammelte,
  • Facebook bereits 2015 davon erfuhr und die Firma aufforderte, die Daten zu löschen,
  • dies aber nicht geschah und Facebook seine Nutzer trotzdem nicht informierte.
  • Auftraggeber soll unter anderem Donald Trumps ehemaliger Chef-Stratege Steve Bannon gewesen sein.

Die Datensammlung geschah über eine App mit dem Namen "thisisyourdigitallife", über die Nutzer Persönlichkeitsstest machen konnten. 

Dafür gewährten sie dem Betreiber Zugang zu ihren Facebook-Profilen. Die App hatte ein Kollege von Wylie entwickelt. 

Nun hat Wylie Gewissensbisse – deswegen ging er mit den Informationen an die Öffentlichkeit. Er sagt, der Algorithmus von "Cambridge Analytica" sei eine "Propaganda-Maschine", Steve Bannons "Kriegsgerät" zur Gehirnwäsche. 

Sie spielt mit der Psychologie eines ganzen Landes im Kontext des demokratischen Prozesses.
Christopher Wylie

Was bedeutet das?

Die Geschichte zeigt vor allem, wie wenig Kontrolle Facebook über Nutzerdaten zu haben scheint – und den eigenen Nutzern gewährt, vor allem in den USA.

Der "Observer" und Wylie bezeichnen das Ganze als ein Datenleck, über das Facebook nicht informiert habe. Als Leck im klassischen Sinne kann es aber laut Kritikern nicht bezeichnet werden, da die Daten über erlaubte Schnittstellen bezogen wurden – und auch schon Obama diese nutzte.

  • Tatsächlich sei nicht die Datensammlung das Problem, sogar üblich. Sondern, wie "Cambridge Analytica" die persönlichen Daten daraufhin verwendet hat: als kommerzielle Basis für politische Kampagnen. 
  • Das alles geschah unter dem Deckmantel "wissenschaftlicher Forschung."
  • Facebook und "Cambridge Analytica" beteuerten in der Vergangenheit außerdem mehrmals, dass sie keinerlei private Nutzerdaten verwendeten.

Ein Sprecher von Facebook sagte: "Wenn diese Berichte wahr sind, geht es um eine ernsthaften Missbrauch unserer Regeln. Sowohl die SCL Gruppe als auch 'Cambridge Analytica' versicherten uns, dass sie die betreffenden Daten gelöscht hatten." 

Wie geht es weiter?

Facebook hat die sozialen Profile von Christopher Wylie gesperrt, ebenso von der SLC Group, Cambridge Analytica und Alexandr Kogan, der die App entwarf.

Die Nachricht bringt vor allem Facebook weiter in Bedrängnis. Im US-Kongress fordern Viele erneut strengere Auflagen für das soziale Netzwerk. Einige wollen, dass Mark Zuckerberg vor dem Justizausschuss des Senats aussagt. Die Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Massachusetts nahm am Samstag Ermittlungen in dem Fall auf und auch die britischen Datenschutzbehörden kündigten eine Untersuchung an. 

Laut Washington Post könnten Facebook zumindest theoretisch Strafzahlungen von mehreren MIlliarden US-Dollar drohen. (Washington Post)

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