Wir haben mit Mimikama über die Drohungen gesprochen

Andre Wolf hat 658.000 Facebook-Fans – und ein Problem. Denn im Internet nutzen Rechtsradikale seine Identität, um gegen Migranten zu hetzen und Schreckschusswaffen zu verkaufen. Die Macher der Seite "Migrantenschreck" haben seine Adresse ins Impressum ihrer Seite kopiert.

Was ist Mimikama?

Bekannt geworden ist der Verein vor allem durch die Facebook-Seite "Erst denken, dann klicken". Hier werden täglich Hoax-Meldungen korrigiert und wilde Gerüchte geprüft. Mimikama bedeutet übrigens "Gefällt mir" auf Suaheli. Der Verein sitzt in Wien und hat etwa 20 ehrenamtliche Unterstützer. Andre Wolf arbeitet mit einem Kollegen hauptamtlich für ihn. Hier hat er auch schon für Bento über Falschmeldungen berichtet.

Wolf und sein Kollege bekommen jetzt regelmäßig Post. Von rechten Fans und von linken Gegnern. Adressiert an den "Migrantenschreck". Eine größere Verwechslung könnte es vermutlich kaum geben. Denn die beiden Männer arbeiten für Mimikama, einen österreichischen Verein, der sich ja gerade gegen Hass-Nachrichten und Fake-Meldungen im Internet einsetzt. Das sorgt regelmäßig für Konflikte.

Andre Wolf, Mitarbeiter bei Mimikama

Hinter "Migrantenschreck" soll jemand stecken, gegen den Mimikama mehrmals offensiv vorging. Es ist vermutlich dieselbe Person, die zuvor bei Facebook bereits eine der größten deutschsprachigen und rechtsradikalen Seiten betrieb: "Anonymous.Kollektiv". Auf der Seite wurde unter dem Anonymous-Deckmantel gegen Muslime und Migranten gehetzt. Mimikama berichtete ausführlich über das Portal und seinen mutmaßlichen Betreiber. Im Mai wurde die Seite endgültig gesperrt.

Die Drohungen, die Mimikama seitdem erhält, sind mittlerweile auch in der analogen Welt angekommen. Wöchentlich erreicht den Verein Drohbriefe von Unbekannten. Zuviel, um sich dauerhaft auf die eigentliche Arbeit konzentrieren zu können.

Deshalb hatte Mimikama beinahe schon ans Aufhören gedacht:

"Wir sind nur ein Verein, haben keine finanziellen Ressourcen. Bei dem, was wir machen, steckt Herzblut drin. Wenn wir von Außen bedroht werden, können wir das nicht dauerhaft weiterführen", sagt Wolf im Gespräch mit bento. Mit dem alarmierenden Facebook-Post habe man aber vor allem wachrütteln wollen, was offenbar auch funktioniert hat.

Aufgeben will man nicht wirklich.

Mittlerweile unterstützt sogar das österreichische Kanzleramt die Seite, die Grünen spendeten 1.000 Euro.

Unser Ziel ist es, unseren Job selbst abzuschaffen - wenn wir das erreicht haben, sind wir arbeitslos, aber glücklich.
Andre Wolf
In den Fall hat sich mittlerweile auch das Landeskriminalamt Berlin eingeschalten.

Die Cybercrime-Stelle ermittelt. Neben Vorwürfen wie Hate-Speech geht es auch darum, dass auf "Migrantenschreck" offenbar illegal Waffen gekauft werden konnten. "Wir haben hier Screenshots, die uns zeigen, wer da involviert ist und von wem das ausgehen könnte", sagt Andre Wolf. "Wir geben dafür alles weiter, sodass es zentral gesammelt wird in Berlin."

Für ihn ist die Seite sein Leben: "Wir arbeiten hier eben auch 13 bis 15 Stunden am Tag und müssen damit unser Geld verdienen." Die Seite lebt bislang nur von Werbung und erhält keine öffentlichen Gelder. Ein Umstand, den Wolf bis zum Jahresende gern ändern würde. Die jetzt gewonnene Aufmerksamkeit wird ihm dabei sicherlich nicht geschadet haben.

"Man muss eben auch wissen, dass Mimikama aus dem Bauch heraus entstanden ist. Das ist dann einfach gewachsen und wir machen einfach immer weiter. Das ist eben auch die Mimikama-Philosophie". Aufgeben ist also noch lange nicht angesagt – erst Recht nicht im Kampf gegen Hass.


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