Russland darf nicht am G8-Gipfel teilnehmen, führende russische Staatsmänner dürfen nicht mehr nach Europa einreisen, auch die Einfuhr und Ausfuhr von Waren ist verboten. Seit mehr als zwei Jahren schon gelten die Sanktionen der Europäischen Union. Russland hatte die zur Ukraine gehörende Krim-Halbinsel annektiert, die EU betrachtet das als völkerrechtswidrig (Hier erfährst du mehr zum Thema).

Die Sanktionen zielen vor allem auf die politische Elite ab – und trotzdem: Auch die russische Bevölkerung spürt die Auswirkungen.

Bei bento erzählen junge Russen, wie sie die EU-Sanktionen im eigenen Land erleben – und was sie über Europa denken.
Olga, 26, Sekretärin aus St. Petersburg
(Bild: Privat)

Ich sehe die EU-Sanktionen als eine logische Reaktion auf das Vorgehen Russlands. Sie musste ja irgendwie auf die Verletzung des Völkerrechts reagieren, um ihr Gesicht nicht zu verlieren.

Die Sanktionen werden sicher bald aufgehoben.

Ich spürte eigentlich nur das Lebensmittel-Embargo: Man kann nicht mehr in Supermärkten den köstlichen französischen Käse, den spanischen Jamón oder den finnischen Joghurt kaufen. Es tauchen in den Regalen nun immer mehr inländische Produkte auf.

Ich glaube, immer mehr EU-Länder unterstützen eine Aufhebung der Sanktionen gegen Russland, zum Beispiel Frankreich, Italien und sogar einige Politiker in Deutschland; sie leiden auch unter den schrumpfenden Exporten. Für mich sieht es momentan sehr danach aus, dass die Sanktionen bald aufgehoben werden.

Anastasia, 20, Studentin aus Twer
(Bild: Privat)

Die EU-Sanktionen gegen Russland sehe ich sehr negativ. Sie schaden nicht nur der russischen Wirtschaft, sondern auch der EU.

Seit es die Sanktionen gibt, denke ich nicht mehr so positiv über Europa. Für mich stand Europa einmal für Humanismus, Offenheit und Hilfsbereitschaft. In Bezug auf Russland fährt die EU aber eine Strategie der Doppelmoral: Die Sanktionen treffen doch nicht die verantwortlichen Politiker, sie schaden den einfachen Menschen.

Wir haben junge Russinnen gefragt: Was bedeutet euch eigentlich Feminismus? Die Antworten lest ihr in der Fotostrecke.

Was denken junge Russinnen über Feminismus?

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Oleg, 27, IT-Unternehmer aus Nischni Nowgorod
(Bild: Privat)

Die Auswirkungen der Sanktionen sind ein sehr wichtiges Thema für mein Unternehmen, ich diskutiere oft mit Kollegen und Geschäftspartnern darüber. Ich persönlich habe Glück – im Gegensatz zu einigen meiner Freunde, die in der Lebensmittelindustrie arbeiten und eigentlich Produkte aus Europa importieren. Die Gewinne haben sich ziemlich reduziert und manche mussten sich ein anderes Geschäftsfeld suchen.

Ich mache jetzt häufiger Urlaub im eigenen Land.

Natürlich steigen die Preise, der Wechselkurs, ob in Dollar oder Euro, hat sich deutlich erhöht. Deshalb haben viele Russen aufgehört, in Europa Urlaub zu machen. Früher war ich zum Beispiel fast jede Skisaison dort: in Frankreich, Italien oder Bulgarien. In diesem Jahr ging es nach Krasnaja Poljana, ein Skigebiet bei Sotschi. So lerne ich mein eigenes Land besser kennen.

Durch die Sanktionen haben sich auch die heimischen Unternehmen weiterentwickelt, sie produzieren zum Beispiel mehr Milchprodukte, weil sie sie nicht mehr einführen können. Aber natürlich ist mir klar, dass wir eigentlich die Geschäftsbeziehungen mit europäischen Unternehmen wieder aufnehmen müssen. Es ist unmöglich, so lang gewachsene Verbindungen durch die Sanktionen zu kappen, ohne dass es beiden Seiten erheblich weh tut.

Sofya, 21, Studentin aus St. Petersburg
(Bild: Privat)

Wir hatten zu Beginn Angst, dass die Regale sich leeren, wie zu sowjetischen Zeiten, und irgendwann die russischen Produkte aufgebraucht sind. Aber die russischen und weißrussischen Produzenten bemühen sich um mehr Vielfalt, es gibt jetzt sogar weißrussischen Ricotta und Mozzarella. Über die Qualität lässt sich in diesem Fall allerdings streiten.

Insgesamt ist sind Umfang und Qualität der Waren schon gesunken, weil wir eben viel weniger importieren. In Russland gibt es einfach noch keine solche Vielfalt an Produkten wie in Europa.

Ich würde mir wünschen, dass die EU Russland nicht mehr als Bedrohung ansieht, sondern wir wieder miteinander reden.

Aleksandr, 26, Unternehmer aus Nischni Nowgorod
(Bild: Privat)

Die Sanktionen sind natürlich schlecht für Russland, obwohl mein Unternehmen davon nicht wirklich betroffen ist. Wir stellen chemische Reinigungsmittel für große Maschinen her und sind vor allem auf dem russischen Markt unterwegs.

Ich halte die Krisenstimmung für übertrieben

Ich persönlich merke die Sanktionen allerdings jedes Mal beim Einkaufen, den finnischen Käse zum Beispiel, den ich so liebe, gibt es überhaupt nicht mehr im Supermarkt. Außerdem habe ich einen Mercedes und wenn das Auto gewartet werden muss und Teile fehlen, ist jetzt alles viel teurer. Ein neues Auto kann man sich auch kaum noch leisten.

Ansonsten finde ich die Krisenstimmung in der Öffentlichkeit übertrieben.
Ich glaube nicht, dass uns eine wirtschaftliche Katastrophe bevorsteht und bin eigentlich ganz optimistisch, dass sich unsere Politiker mit Europa schon noch einigen werden. Die Sanktionen bringen schließlich niemandem etwas.

Natalia, 23, Kulturmanagerin aus Wladimir
(Bild: Privat)

Ich betrachte die Sanktionen der Europäischen Union in erster Linie als guten Grund, dass Russland sich wirtschaftlich weiterentwickelt. Ich denke, dass die Sanktionen Ausdruck der Angst der Europäischen Union sind.

Mit den Sanktionen sollen wir geschwächt werden, aber das wendet sich gerade: Die europäischen Länder bekommen selbst die Auswirkungen zu spüren. Ich persönlich merke davon im Alltag wenig, wir reden nur eine Menge darüber. Das Einzige, was ich ändern musste: andere Käsesorten essen.

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