Bild: dpa/Georg Wendt, Montage: bento
Warum sich junge Europäerinnen im EU-Parlament organisieren müssen.

Die neue Legislaturperiode des Europaparlaments hat begonnen: Zur konstituierenden Sitzung fanden sich vergangene Woche in Straßburg all jene zusammen, die im Mai zu den Vertreterinnen und Vertretern der EU-Bürgerinnen und Bürger gewählt wurden. 

Die Jugend soll bei dieser Wahl einen nie da gewesenen Einfluss gehabt haben, zumindest auf die politische Ausrichtung der deutschen Abgeordneten: Die GroKo geriet nach der Wahl schon beim bloßen Erwähnen von "jung", "YouTube" oder "Greta" in Schnappatmung, Medien berichteten, die Jungen würden jetzt zeigen, wo's lang geht, hätten die Machtverhältnisse in der Politik verschoben. Leider sieht die Realität ganz anders aus:

Die Jungen – besonders diejenigen von ihnen, die wählen gehen dürfen – sind den Alten zahlenmäßig weit unterlegen (bento). Selbst wenn alle jungen Menschen sich einig wären, wen sie wählen wollen, bliebe die Herrschaft der Jugend doch nichts weiter als ein Albtraum der Babyboomer und Alt-68er.

Kolumne: Gestern ihr, morgen wir

Klimaschutz, Artikel 13, Gleichberechtigung: Ständig muss man die Verantwortlichen daran erinnern, nicht nur "Alte-Leute-Poltik" zu machen. Madeleine Hofmann bleibt geduldig: In ihrer Kolumne "Gestern ihr, morgen wir" macht sie darauf aufmerksam, wo diese jungen Leute mal wieder vergessen wurden – und was getan werden muss, um endlich für Generationengerechtigkeit zu sorgen. 

Umso wichtiger also, dass den Stimmen der Jugendlichen direkt in den politischen Instanzen Gehör verschafft wird – am besten, indem sie selbst Teil davon werden. 

Aber wieviele junge Menschen können in Zukunft tatsächlich bei den wichtigen Entscheidungen auf EU-Ebene mitreden, haben es also als Abgeordnete ins EU-Parlament geschafft?

Die unter 35-Jährigen in Deutschland können sich über 14 Altersgenossinnen und Altersgenossen in den Parlamentsreihen freuen. Das sind gemessen an der Gesamtzahl der deutschen Abgeordneten (96) allerdings nur rund 14,6 Prozent (eigene Berechnung anhand der Daten des Europäischen Parlamentes) und entspricht leider nicht einmal dem Anteil der unter 18 - 35-Jährigen an der deutschen Bevölkerung von 20 Prozent (Stiftung für Rechte zukünftiger Generationen). Die Stimme der Jugend bleibt vorerst auf der Straße.

Dabei sind es ja gerade die jungen Leute, die noch am längsten mit den Konsequenzen der heutigen Politik zu leben haben. Zu einem guten Miteinander der Generationen gehört auch, sich gegenseitig zuzuhören. Bei Debatten Im Europaparlament und in den Ausschüssen ist jetzt die Chance, den Alten die Lebensrealitäten der Jugend näher zu bringen, sie für ihre Sorgen und Wünsche zu sensibilisieren - und zu zeigen, dass "die Jugend von heute" eben nicht nur laut schreit und Forderungen stellt, sondern sich sehr wohl mit Fachkenntnis und guten Ideen einbringen kann.

Und deshalb wird es auch die besondere Verantwortung der 14 jungen deutschen Abgeordneten, die Anliegen der Kinder und Jugendlichen in der aktuellen Legislaturperiode besonders ernst zu nehmen - über Fraktions- und Ländergrenzen hinweg. Ähnlich hatten es junge Parteimitglieder von Grünen, Linke, SPD und Union in Deutschland schon 2018 öffentlich angekündigt (Zeit Online). Sie wollen über Partei-Differenzen wegsehen, zusammen die Zukunft gestalten.

📖 Macht Platz!

Das Buch von Madeleine Hofmann: "Macht Platz! Über die Jugend von heute und die Alten, die überall dick drin sitzen und über fehlenden Nachwuchs schimpfen". Hier auf Amazon kaufen.

Affiliate-Link: Wenn jemand auf einen Link in diesem Kasten klickt und das Produkt in dem Online-Shop tatsächlich kauft, bekommen wir in manchen Fällen eine Provision. Produktbesprechungen erfolgen jedoch rein redaktionell und unabhängig.

Am Aufruf beteligt und jetzt im Parlament: Terry Reintke (Grüne). Sie könnte jetzt ihre Altersgenossinnen aus der eigenen Partei sowie aus SPD, CDU, CSU, die Partei, Volt und FDP (diese Parteien haben mindestens eine Abgeordnete unter 35) an einen Tisch bringen.

Klar, nur weil die Abgeordneten jung sind, stehen sie nicht ausnahmslos für dieselben Inhalte. Aber sie können sich bei den Themen zusammentun, in denen der Generationenkonflikt schwerer wiegt  als die Parteizugehörigkeit. Wenn es zum Beispiel um Jugendarbeitslosigkeit geht oder um eine auch noch 100 Jahre bewohnbare Erde sind die Interessen der Jungen sich ähnlicher als die aller CDU-Miglieder. Abgeordnete wie Terry Reintke (Grüne), Nico Semsrott (Die Partei), Delara Burkhardt (SPD) und Christian Doleschal (CSU) sind durch die Europawahl zu Vertreterinnen und Vertretern einer jungen, hoch politisierten Generation geworden, ob sie das geplant haben oder nicht.

Es wird Zeit, das zu erkennen - und auch so zu handeln.  


Trip

Dieser Fotograf zeigt dir Kanada, wie du es noch nie gesehen hast!
Fotograf Paul Zizka ist in Québec City geboren und lebt nun in Banff, im Westen Kanadas. Was er an seiner Heimat liebt? Die Weite, das magische Licht und die vielen einzigartigen Fotomomente. Seine Bilder zeigen Kanadas Natur in ihren berauschenden Farben und Formen – und führen dich an spektakuläre Orte.

Magisches Labrador: Torngat Mountains National Park

„Das Inuktitut-Wort Tongait bedeutet „Ort der Geister“  und so fühlt sich der Torngat Mountains National Park im Nordosten von Labrador auch an: magisch, spirituell, nicht von dieser Welt! Vor allem für Fotos ist die Kombination aus unglaublicher Natur und seltener Tierwelt einzigartig. Wo bekommt man schon Eisbären, Karibu, Fjorde, Gletscher, Aurora, Eisberge, absolute Abgeschiedenheit und Stille? Normalerweise sieht man Eisbären vor weißem oder grauem Hintergrund. Hier blühen im Sommer bunte Blumen, die Natur ist grün und vielseitig. Die Saison ist mit sechs Wochen von Mitte Juli bis Ende August zwar kurz, aber extrem intensiv. Die beiden Eisbären habe ich aus dem Zodiac-Schlauchboot heraus fotografiert.“