Bild: dpa / Roland Weihrauch

Worum geht es?

Um die Diskussionen rund um die Tafel in Essen. Vergangene Woche hatte sich der örtliche Chef der Hilfsorganisation dazu entschlossen, nicht-deutsche Kunden vorübergehend nicht mehr aufzunehmen. Der Anteil liege mittlerweile bei 75 Prozent. (bento)

Seitdem sind die sozialen Netzwerke voll mit Kommentaren, Politiker aller Parteien äußern sich, genauso wie Verbände und die Kanzlerin höchstpersönlich. Rechte Hetzer nutzen es, um Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen, andere erzürnen sich über das Verhalten des Essener Tafel-Chefs, der Ausländer mit seinem Ausschluss diskriminiert. 

Selbst Angela Merkel äußerte sich in einem TV-Interview: "Da sollte man nicht solche Kategorisierungen vornehmen. Das ist nicht gut." Merkel wies zudem darauf hin, dass die Maßnahme den Druck auf die Tafeln zeige.

Über diese Worte regt sich nun der Vorsitzende der Tafeln in Deutschland, Jochen Brühl, auf.

In einem ausführlichen Interview kontert er Merkels Aussagen. Aber es ist mehr als ein persönlicher Angriff. Brühl macht deutlich, dass es nicht darum gehe, Deutsche und Ausländern gegeneinander auszuspielen, sondern darum, dass Deutschland ein Armutsproblem habe. Und daran ist für Brühl vor allem eine Schuld: Angela Merkel. (Neuen Osnabrücker Zeitung)

Die wichtigsten Aussagen aus dem Interview: 

  • Es mache ihn wütend, "dass die Skandalisierung eines lokalen Vorgangs den wirklichen Skandal verdrängt", sagte er. Deutschland habe ein "enormes Armutsproblem"
  • Deutschland habe einen "unfassbaren Niedriglohnsektor" und "unzureichende Grundsicherung", zudem gebe es eine "unausgegorene Zuwanderungspolitik". Die politischen Rahmenbedingungen müssten verbessert werden. 
Das ist nicht die Aufgabe der Tafel. Das ist Aufgabe des Staates.
Jochen Brühl
  • Brühl sagte, er erwarte von Merkel, dass sie "sich deutlich vor die Tafeln, ihre Arbeit und die Ehrenamtlichen" stellt. 
  • Brühl kritisierte, dass Kritiker sich kein Bild von der Arbeit und den Umständen vor Ort gemacht hätten. Es gehe nicht um Deutsche und Ausländer, sondern um Menschen in Not.

Wir haben nachgefragt, wie es bei anderen Tafeln funktioniert


Today

Warum abgewanderte Ostdeutsche ihre Heimat feiern – und zurück ziehen
Back to the roots

Jammer-Ossi, Besser-Wessi, No-Go-Areas und Kapitalismus-Opfer – obwohl die Mauer zwischen Ost und West mittlerweile länger weg ist, als sie stand, wirkt es manchmal, als blieben die Vorurteile auf beiden Seiten für immer. 

Dabei hat sich verdammt viel getan zwischen Ost und West. Während die Menschen direkt nach dem Mauerfall geradezu aus dem Osten flohen, ist die Ost-Westwanderung heute ausgeglichen.  (SPIEGEL ONLINE