Bild: bento / Philipp Awounou

Der Rheinische Platz in Essen: Ahornbäume, durch eine Brunnenanlage plätscherndes Wasser, Kirche mit Glockenturm. Graffitis an Mauern und Wänden erinnern an Ruhrpott. Der Platz ist zentral gelegen, Uni-nah, gut angebunden. Ein beliebter sozialer Treffpunkt ist dieser Ort trotzdem nicht. Im Gegenteil: Er ist das, was man im Polizeijargon einen "kriminogenen Ort" nennt. Ein Brennpunkt, an dem außergewöhnlich viele Straftaten begangen werden, vor allem Drogen- und Raubdelikte. 

"Aufgrund seiner Lage und Unübersichtlichkeit hat sich der Rheinische Platz zu einem Schauplatz der Straßenkriminalität entwickelt", sagt Detlev Köbbel, Leiter der Direktion "Gefahrenabwehr und Einsatz" der Polizei Essen. Das Problem ist seit Jahren bekannt, lange ließ es sich nicht eindämmen. 

Dann kam der 17. Januar 2017. Der Tag, an dem der gesamte Platz mit hochmodernen Kameras ausgestattet wurde.

550.000 Euro gab es für die Maßnahme von der früheren Landesregierung. 

Genau wie bei ähnlichen Projekten in Düsseldorf, Köln, Berlin oder Dortmund, stellt sich auch in Essen die in den vergangenen Jahren viel diskutierte Frage: Wird die Atmosphäre an einem Ort durch Kameras besser? Sicherer? Entspannter?

Der Rheinische Platz: 550.000 Euro für – mehr Sicherheit?(Bild: bento / Philipp Awounou)

Den Entschluss zur Videobeobachtung fasste die damals rot-grüne Landesregierung Nordrhein-Westfalens. Infolge der sexuellen Übergriffe in Köln an Silvester 2015 brachte sie ein neues Sicherheitspaket, inklusive verstärkter Kamerapräsenz, im öffentlichen Raum auf den Weg – gegen den Widerstand von Linken, Datenschutzexperten und Kriminologen.

Die argumentierten, dass Kameraüberwachung Persönlichkeitsrechte verletze und dass sie Kriminalität in anderen Ländern, zum Beispiel in England, erfahrungsgemäß kaum eindämme. 

Hinweisschild am Rheinischen Platz: Gegen den Widerstand(Bild: bento / Philipp Awounou)

In Essen kamen die Kameras trotzdem – als Aufsichtshilfe für die Beamten vor Ort. Die Aufnahmen dürfen maximal drei Tage gespeichert und nur in Ausnahmefällen nachträglich eingesehen werden. 

Was hat sich seither verändert? Funktioniert das System?

Auf den ersten Blick fallen die Kamerakästen am Rheinischen Platz kaum auf. Sie schmiegen sich dezent an Hausfassaden oder sind in Laternenhöhe auf Masten montiert: hochauflösende Objektive, die jeden Winkel des Platzes erfassen. Zusammen mit den schon zuvor bestehenden Sicherheitskameras in der U-Bahn-Station kann die Polizei so den gesamten Brennpunktbereich beobachten, in Echtzeit.

In der Essener Leitstelle sitzen zwei bis vier Beamte vor jeweils drei Monitoren. Rund um die Uhr verfolgen sie, was auf dem Platz passiert.

Wechselte gerade ein weißes Päckchen den Besitzer? Wartet der Typ im Kapuzenpulli auf einen Freund – oder auf Kunden? "Hier ist die polizeiliche Erfahrung Gold wert", sagt Detlev Köbbel. Nur in Kombination mit den Präsenzteams, bestehend aus fünf bis zehn Beamten am Rheinischen Platz, seien die Maßnahmen wirksam. 

Leitstelle Essen: Brennpunktbereiche beobachten, in Echtzeit(Bild: bento / Philipp Awounou)

Laut Polizeistatistik gab es seit Einführung des Sicherheitskonzeptes 427 Einsätze am Rheinischen Platz, 294 davon initiierten die Videobeobachter der Leitstelle. 

So konnten fünf Raubdelikte aufgeklärt, zwei vermisste Kinder wiedergefunden und zwei medizinische Notfälle gemeldet werden. Die Zahl der Betäubungsmittelvergehen sank um 21 Prozent, die der Diebstahlstraftaten um 50 Prozent. 

Für die Polizei sind all das Erfolge. "Es geht darum, das Sicherheitsgefühl der Bürger zu erhöhen", sagt Köbbel. 

Vera, die eigentlich anders heißt, erinnert sich noch daran, was für ein Sicherheitsgefühl sie hatte, als es noch keine Kameras am Platz gab. An das Unwohlsein und die Enge in der Brust, wenn sie als Frau allein die Treppen zur U-Bahn hinablief oder die Straße überquerte, vorbei an Junkies und Dealercliquen. 

Manchmal standen da Gruppen von 20 Mann herum. Die haben mir nichts getan, aber das war sehr unangenehm.
Vera

Vera lebt und arbeitet in der Nähe des Platzes. "Oft lungerten Dealer auch vor der Ladentür rum. Das schreckte Kunden ab." Mittlerweile sei das nicht mehr so. Große Dealergruppen sehe man kaum noch, "diese Kameras bringen was." 

Wer Passanten fragt, was sie von den Kameras halten, bekommt zu hören: Sie schafften eine "bessere Atmosphäre", "höhere Sicherheit", es gebe "weniger gruselige Leute"

Ein junger Mann zögert kurz, ehe er antwortet. "Ich denke, für den Platz ist die Sache mit den Kameras gut. Aber Süchtige bleiben süchtig und Kriminelle kriminell. Durch die Überwachung verlagert sich das Ganze doch nur."

Stimmt das?

Direkt an den Rheinischen grenzt in Essens Innenstadt der Viehofer Platz. Die beiden öffentlichen Räume sind gewissermaßen das Tor zum Norden der Stadt – und damit eine soziale Trennlinie: Südlich der Plätze erstrecken sich familienfreundliche, eher wohlhabende Viertel, etwa Rüttenscheid oder Rellinghausen, nördlich lebt der sozial schwächere, eher bildungsferne Teil der Gesellschaft. Der Rheinische Platz wird videoüberwacht, der Viehofer größtenteils nicht.

Seyhan Eken, 26, Student an der Uni Essen, lebt direkt am Viehofer Platz in einem grauen Hochhaus, ein buchstäblich herausragendes Exempel für das Nord-Süd-Gefälle der Stadt. Kurz nach seinem Einzug begann die Polizei mit der Videobeobachtung am Rheinischen Platz.

Die Atmosphäre hier am Viehofer Platz ist schon creepy.
Seyhan

"Vor allem abends sieht man komische Gestalten, viele Junkies." Seine Freundin hole er deshalb immer direkt an der U-Bahn ab. Er wolle nicht, dass sie allein am Viehofer Platz aussteige. "Wirklich sicher fühlt man sich nicht. Jeder weiß, dass hier gedealt wird."

Es ist das, was in Polizeikreisen "Verdrängungseffekt" genannt wird: Durch die verstärkte Präsenz am Rheinischen Platz ist die kriminelle Energie der Szene nicht verpufft, sie ist teilweise nur weiter gezogen oder hat sich neu formiert – am Viehofer Platz zum Beispiel.

U-Bahn-Bereich Rheinischer Platz: "Abends sieht man komische Gestalten"(Bild: bento / Philipp Awounou)

Köbbel sagt, dass die Essener Polizei versuche, das zu verhindern: "Wir sind nicht nur im videoerfassten Bereich aktiv, sondern auch im Umkreis." Bisher habe man keine "1:1-Verdrängung" registriert, also keinen Ort entdeckt, der sich in Folge der Videobeobachtung am Rheinischen Platz zu einem vergleichbar kriminogenen entwickelt hat.

Wenn Seyhan rausgeht, sieht er ständig weggeworfenes Drogenbesteck. "Das Haus ist gut gelegen und bezahlbar. Aber eigentlich würde ich lieber woanders wohnen." Vielleicht am Rheinischen Platz? "Naja. Kameras sind sicher gut gegen Kriminalität. Aber es ist auch ein mulmiges Gefühl, immer beobachtet zu werden."

Öffentliche Räume per Video zu überwachen, das hat nicht nur Auswirkungen auf das Strafverhalten von Menschen. Es beeinflusst auch, wie völlig Unschuldige sich in diesen Räumen bewegen: Denn wer weiß, dass er beobachtet wird, der kann vielleicht nicht natürlich sein, versucht, nicht aufzufallen oder verdächtig zu wirken. 

Der Platz von unten: "Lieber woanders wohnen"(Bild: bento / Philipp Awounou)

Kann dieser Ort mit seinen Bänken und Bäumen – und Kameras – noch ein Ort sein, an dem sich junge Menschen im Sommer abends zum Cornern treffen? 

Kann er ein Ort sein, an dem Gespräche zustande kommen, an dem man den Feierabend ungezwungen ausklingen lässt? Ein Ort für die Menschen, die in dieser Stadt leben?

Überwachung schadet mehr als sie nützt, prangern Datenschützer an. Sie seien ein Eingriff in die Privatsphäre, meinen sie. Befürworter hingegen sagen: Ohne Kontrolle keine Sicherheit.

Und so betont Polizeidirektor Köbbel, die Kameraüberwachung sorge nicht dafür, dass Bürger gläsern werden. Mit Maßnahmen der Sicherheit gingen eben auch "Eingriffe in die persönliche Freiheit" einher. Dass man in 17 Monaten keine einzige Beschwerde diesbezüglich erhalten habe, wertet er als stille Zustimmung der Essener.

Hochauflösende Objektive in Essen: "Eingriffe in die persönliche Freiheit"(Bild: bento / Philipp Awounou)

Doch so scharf die Bilder der Anlage auch sein mögen, die grundlegenden Ursachen für Straßenkriminalität erfassen sie wohl nicht: Armut, mangelnde Bildung, soziale Benachteiligung. Wie kann es überhaupt dazu kommen, dass sich Plätze in Essen zu Brennpunkten entwickeln? 

"Wenn man verhindern will, dass sich Missstände und Verbrechen nur verlagern, muss man sie an der Wurzel packen", sagt Anwohnerin Vera. "Und das ist nicht Aufgabe der Polizei. Sondern der Politik."


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