Bild: dpa / Marijan Murat
Hilfsbereitschaft vs. Konsumkultur in einem Bürgerhaus bei Hamburg.

Letztes Jahr, als Millionen Flüchtlinge Schutz in Europa suchten, war Deutschland großartig. Kanzlerin Merkel meinte: "Wir schaffen das!" und viele von uns antworteten nur: "Klar schaffen wir das. Schon längst dabei." Es wurden tonnenweise Kleider gespendet, Leute gaben ihre Feierabende und Wochenenden her, um Hilfsgüter zu verteilen oder Neuankömmlingen bei Amtsgängen zu unterstützen. Helfen war ganz selbstverständlich.

Auch in der Hamburger Hochhaus-Siedlung Osdorfer Born hat man diese Zeit noch in guter Erinnerung. Die kleine Gemeinde nahm damals über 1250 Flüchtlinge auf und die Unterstützung aus der Bevölkerung war auch hier überwältigend: Von überall her kamen Freiwillige und verteilten Spenden, gaben Sprachkurse, organisierten Kinoabende und Kinderdiscos.

Heute scheint die Situation weniger akut. Und so haben viele derer, die vor einigen Monaten fleißig und selbstlos mithalfen, das Helferdasein an den Nagel gehängt. Dabei gibt es weiterhin viel zu tun. Nur muss man inzwischen eben ein bisschen auf die Not zugehen – sie wartet nicht mehr vor der Tür, sie ist nicht mehr ganz so unübersehbar.

Bestes Beispiel: das 2013 eröffnete Bürgerhaus Bornheide. Einst Dreh- und Angelpunkt der Hilfsaktionen, wirkt es jetzt vergleichsweise idyllisch. Menschen spazieren zwischen den bunten Häusern der ehemaligen Grundschule umher, arbeiten im Gemeinschaftsgarten oder spielen auf der Wiese um den ABRAX KADARABAX Kinder- und Jugendzirkus, dessen Zelte hier ganzjährig stehen. Wenn die Rasenmäher verstummen, hört man sogar die Vögel zwitschern.

Aber der ruhige Eindruck täuscht auch hier: An allen Ecken wird gearbeitet: Es gibt eine Essensausgabe, ein Sozialkaufhaus, ein Café, einen Seniorentreff, eine Kita, psychosoziale Beratung, eine Mütterberatung – insgesamt 18 soziale Einrichtungen arbeiten hier zusammen. Die Nachfrage ist so groß wie eh und je.

Denn auch wenn der Trubel von vor einigen Monaten vorbei ist: Es gibt immer Menschen, die Hilfe brauchen. "Menschen, die ein Problem haben, haben meistens nicht nur eins,“ erklärt Projekt-Koordinatorin Christine Kruse. "Diese Menschen finden hier alles, was sie brauchen, an einem Ort vereint."

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Neben den bezahlten Mitarbeitern engagieren sich hier vor allem auch ehrenamtliche Helfer. Menschen, die ihre Freizeit hergeben, um die Lebensmittelausgabe der Hamburger Tafel zu organisieren, Gesprächskreise zu leiten oder eigene, soziale Projekte auf die Beine zu stellen. Ohne die geht hier nichts, und man kann gar nicht genug betonen, wie sinnvoll und wichtig die Arbeit dieser Menschen ist.

Nur: Man könnte noch viel mehr erreichen. Es gibt genügend Raum, genügend Infrastruktur und sogar freie Gelder, um damit viele weitere Projekte zu verwirklichen. Es müssten nur Leute kommen und anpacken.

Leider passiert das allzu selten. Alle paar Monate meldet sich mal jemand, der ehrenamtlich arbeiten will. Die meisten davon sind Rentner. In der Borner Runde, bei der lokale Projekte beschlossen und Gelder für Stadtteilprojekte beantragt werden, sitzen hauptsächlich ältere Leute. Junge Menschen kommen kaum mal auf die Idee, hier irgendwas zu reißen. "Konsum- und Meckerkultur" nennt Kruse das. Sie würde sich vor allem eines wünschen: mehr Eigeninitiative seitens der Jugend.

Was hält die jungen Leute ab? "Bürgerhaus klingt vielleicht nicht so sexy," gibt Kruse zu bedenken. Außerdem haben viele vielleicht Angst, dass alles, was sie anfangen, gleich von langweiligen Sozialpädagogen betreut werden muss. Und natürlich ist jede Initiative mit Arbeit verbunden – da muss man erstmal seinen Hintern hochkriegen.

Aber bei so viel Online-Aktivismus, wie jeden Tag unsere Timeline verstopft, sollte man doch erwarten, dass ein paar junge Leute auch offline anpacken. Nötig wäre es auf jeden Fall: Die Situation ist vielleicht nicht mehr so medienpräsent wie zum Höhepunkt der Flüchtlingskrise. Das heißt aber nicht, dass man nicht trotzdem etwas verändern kann – für Flüchtlinge, für ältere Menschen und selbst für die eigene Clique.

Wer es ernst meint mit Demokratie und Engagement, der muss irgendwann das Handy wegstecken und wirklich, physisch anpacken.

(Bild: Giphy )

Dass es auch abseits der Flüchtlingssituation viel zu tun gibt, zeigt die Geschichte der Sprachbrücke-Hamburg e.V. Dieser Verein organisierte letztes Jahr viele Sprachkurse für Neuankömmlinge. Auf der Suche nach Kontakten zu weiteren Bedürftigen fragte er neulich bei der „Stadtteilgruppe der Afghanischen Frauen“ an – und stieß auch bei Teilnehmerinnen auf Interesse, die bereits seit Jahren in Deutschland leben. Zehn dieser Frauen kommen nun jeden Montag, um endlich deutsch zu lernen und sich mit anderen Menschen auszutauschen.

Seit einiger Zeit gibt es im Bürgerhaus außerdem ein gut laufendes, muslimisches Freitagsgebet. Weil es in der Gegend keine Moschee gab, hat Kadir Katran, ein ansässiger Anwalt, die Sache selbst in die Hand genommen – neben dem Job und natürlich ehrenamtlich. Inzwischen ist das Gebet zum Vorzeige-Projekt avanciert. Jeder darf kommen und dabeisitzen, die Polizei empfiehlt die Veranstaltung sogar.

So leistet das Projekt seinen Beitrag zu mehr Offenheit, mehr Verständigung und mehr Integration. Einfach, weil sich mal einer nicht lang hat bitten lassen, sondern gesagt hat: „Klar mach ich das. Schon längst dabei!“ Im Bürgerhaus Bornheide wäre man sehr froh, das öfter zu hören.

Und nicht nur da.

(Bild: Giphy )

Kundeninformationen

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) richtet mit dem Programm „Soziale Stadt“ seine Aufmerksamkeit auf die Stabilisierung benachteiligter Stadtteile. Mit städtebaulichen Maßnahmen investiert das Programm in Quartiersprojekte für mehr Generationengerechtigkeit und Familienfreundlichkeit, um lebendige Nachbarschaften und sozialen Zusammenhalt zu befördern. Dieses Jahr stellt das BMUB den Kommunen dafür rund 140 Millionen Euro bereit.

„Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier – BIWAQ“ heißt das Partnerprogramm von „Soziale Stadt“, das quartiersbezogene Projekte mit städtebaulichen Maßnahmen verknüpft und eng mit Partnern vor Ort kooperiert. In der aktuellen Förderperiode 2014 bis 2020 stehen bis zu 90 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und 65 Millionen Euro vom BMUB bereit. Ziel ist es, mit lokalen Bildungs-, Wirtschafts- und Arbeitsmarktprojekten die Qualifikation und beruflichen Perspektiven von Menschen in benachteiligten Stadtteilen zu verbessern und die lokale Ökonomie zu stärken.

Mit der Kampagne „Mehr Platz für Miteinander: Du bist die Stadt“ informiert das BMUB über diese Fördermöglichkeiten und porträtiert beispielhaft Projekte, die auf lokaler Ebene für mehr soziale Teilhabe und mehr Lebensqualität sorgen.

www.du-bist-die-stadt.de


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Das sind die besten Antworten vom "Familien Duell"
"Wir haben 100 Leute gefragt.."

Das "Familien Duell" ist wieder da: Die RTL-Kultshow aus den 90ern kehrt am 05. September zurück ins Fernsehen – zu erst RTLplus und ab dem 10. September zu RTL. Moderiert wird die Gameshow von Inka Bause, die normalerweise Single-Landwirte bei "Bauer sucht Frau" verkuppelt. In den 90ern traten bei dieser Show zwei Familien gegeneinander an und mussten die häufigsten Antworten auf Fragen erraten, die zuvor 100 anderen Personen gestellt wurden. Herrliche Fernsehunterhaltung, vor allem nach der Schule.

Seien wir aber ehrlich: Niemand von uns wird sich diese Neuauflage anschauen. In den vergangen Jahren war das "Familien Duell" vor allem für abgefahrene Antworten bekannt, die man sich in Zusammenfassungen bei YouTube anschauen kann. Die gibt es dann hoffentlich auch von der Neuauflage.

Hier findest du die besten Antworten aus "Familien Duell". "Wir haben 100 Leute gefragt...":