Bild: Salma El Ayyadi

Seine Umfragewerte waren zuletzt deutlich zurückgegangen – trotzdem feiern ihn besonders die jungen Franzosen: Sie unterstützen den Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron, 39, und seine neu gegründete Bewegung "En Marche!" (sueddeutsche.de). Obwohl er sein detailliertes Wahlprogramm erst Anfang März veröffentlicht, steht der Name Macron schon jetzt für eine liberale Flüchtlingspolitik, mehr Europa und einen dynamischen Führungsstil.

In der Stichwahl im Mai wird der ehemalige Banker Macron nach aktuellen Umfragen gegen einen unberechenbaren Gegner antreten müssen: gegen Marine Le Pen, Parteichefin des rechtsextremen Front National. Macron könnte somit Frankreich vor einer Präsidentin bewahren, die den Austritt Frankreichs aus der EU durchsetzen will und gegen Ausländer hetzt.

Wir haben Macron-Unterstützer gefragt, warum sie ihn wählen wollen und was er in Frankreich ändern muss.
(Bild: Thomas Lehmann)
Thomas Lehmann, Berlin, 20

Bei jeder Rede von Emmanuel Macron schwingen die Leute im Publikum nicht nur Frankreich-, sondern auch Europaflaggen. Das ist bei keinem anderen Kandidaten der Fall. Er ist der einzige, der wirklich pro-europäisch ist.

Für mich ist das ein wichtiges Argument – schließlich lebe ich seit acht Jahren in Berlin und habe mit Erasmus in England studiert. Nationalismus bedeutet Krieg – das hat schon ein anderer französischer Präsident, François Mitterand, gesagt.

Thomas mit Emmanuel Macron (Bild: Christian Bourguignon)

Dass Marine Le Pen im Moment so stark ist, macht mir keine Angst. Es stärkt mein Engagement für Macron. Ich will alles tun, damit sie ihren "Frexit"-Plan nicht in die Realität umsetzen kann.

Zum Beispiel organisiere ich eine Konferenz an meiner Uni, der Humboldt-Universität, bei der ich mit dem Politiker Daniel Cohn-Bendit über Populismus rede. Und ich erarbeite in einer Arbeitsgruppe Vorschläge für Macron, was wir Franzosen von den Deutschen lernen könnten. Ich bin zum Beispiel großer Fan der Pfandflasche. Ich hoffe, dass Macron sie als Präsident in Frankreich einführen wird.

(Bild: Salma El Ayyadi)
Salma El Ayyadi, Paris, 24

Sehr früh war für mich klar, dass ich für Emmanuel Macron stimmen werde. Die meisten meiner Freunde sind anderer Meinung: Sie sind enttäuscht von dem mit Affären durchtränkten Politikbetrieb und haben dem ganzen System den Rücken zugekehrt. Immerhin: Zwei meiner Freundinnen habe ich von Macron überzeugt.

Zum Klicken: Worum geht es bei der Wahl?

Welche Kandidaten in Frankreich zur Wahl stehen – und wer Chancen auf den Sieg hat
Le Pen kandidiert für den rechtsextremen Front National (FN). Sie will unter anderem den Frexit, den Austritt Frankreichs aus der EU und dem Euro. In aktuellen Umfragen liegt Le Pen weit vorn.
Macron ist der Gegenentwurf zu Le Pen: Er gibt sich weltoffen und ist ein starker Verfechter Europas. Zuletzt sahen Umfragen ihn etwa gleichauf mit Le Pen, aus einer möglichen Stichwahl könnte er als Sieger hervorgehen.
Fillon vertritt eine wirtschaftsliberale Politik. Anfangs hatte er gute Chancen – inzwischen wird allerdings gegen ihn ermittelt, weil er seine Ehefrau mit Geld aus der Staatskasse entlohnt haben soll.
Hamon kandidiert für die französischen Sozialisten, die Partei von Präsident Hollande. Er gehört zum linken Flügel der Partei und fordert beispielsweise ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle sowie eine 32-Stunden-Woche.
Der 65-Jährige sieht sich als wahrer Vertreter der französischen Linken. Er will die Europäische Union demokratischer machen und einen höheren Mindestlohn einführen.
Der erste Wahlgang findet am 23. April statt, die entscheidende Stichwahl dann am 7. Mai.
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Ich finde es toll, wie er auf die Ideen der 'einfachen Bürger' eingeht. Ich selbst habe Vorschläge für seine Gesundheitspolitik erarbeitet. Überall in Frankreich gibt es solche Treffen, bei denen Leute für unterschiedliche Themen Ideen sammeln. Auch wenn ich noch nicht genau weiß, wie sein Programm schließlich aussehen wird, habe ich das Gefühl, ein Teil davon zu sein.

Es war motivierend, viele unterschiedliche Leute kennenzulernen, die hinter ihm stehen. Es gab 80-Jährige, reiche Leute, ehemalige Links- und Rechtswähler, Menschen mit den unterschiedlichsten Religionen. Ich war bei fünf seiner Reden dabei, bei allen habe ich aus vollem Hals "Macron président" gebrüllt. Es fühlt sich gut an, Teil einer neuen Bewegung zu sein.

(Bild: Julien Ducasse)
Julien Ducasse, Bordeaux, 33

Ich habe in den vergangenen Monaten gemerkt, wie viele Nerven es kostet, sich in Frankreich selbständig zu machen. Ich eröffne gerade mein eigenes Restaurant. Es wird so viel Papierkram von mir verlangt, die Steuern und Abgaben sind sehr hoch und der Arbeitsmarkt ist nicht flexibel.

Macrons Wirtschaftspolitik ist liberaler, er pocht auf mehr Flexibilität. Ich finde seine bisherigen Vorschläge gut, auch wenn er sein ganzes Wirtschaftsprogramm erst Anfang März veröffentlicht. Ich habe das Gefühl, dass er weiß, wovon er spricht, denn er hat nicht wie die anderen Kandidaten sein ganzes Leben als Politiker gearbeitet.

Im Quiz: Wie französisch bist du?

Ich denke, er ist auch die richtige Person, um Marine Le Pen zu stoppen. Bevor ich zurück nach Frankreich gekommen bin, habe ich in New York als Weinkellner gearbeitet. Dort habe ich gesehen, wie schleichend Trump an die Macht gekommen ist. Das darf bei Marine Le Pen nicht passieren.

Macron ist jemand, der meiner Meinung nach die Kraft hat, viele Franzosen hinter sich zu versammeln. Der die Leute begeistern kann. Ich habe sogar meine Mutter davon überzeugt, für ihn zu stimmen.

(Bild: Ismail Amrani)
Ismail Amrani, Paris, 25

Ich bin gerade frisch von der Uni gekommen und auf Jobsuche. So wie mir geht es vielen Franzosen. Wir spüren die Wirtschaftskrise mit voller Kraft, die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch, sie liegt bei mehr als 25 Prozent. Ich setze auf Macron, ich denke, er hat gute Ideen, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Er sieht in der Digitalisierung eine Chance, keine Bedrohung.

Es ist das erste Mal, dass ich mich politisch engagiere. Macron ist der erste Kandidat, mit dem ich auch auf intellektueller Ebene etwas anfangen kann. Ich merke – für ihn ist Kultur wichtig. Ich finde seinen Vorschlag toll, jeder Französin und jedem Franzosen 500 Euro zum 18. Geburtstag zu schenken. Das Geld sollen sie anschließend ausschließlich für Bücher, CDs, DVDs und Konzerte ausgeben.

(Bild: Arthur Bricet)
Arthur Bricet, Lorient, 20

Ich bin auf Emmanuel Macron aufmerksam geworden, als er noch Wirtschaftsminister unter Präsident François Hollande war. Seine Unabhängigkeit hat mir gefallen, als er sich gegen seinen damaligen Chef gestellt hat. Er ist zurückgetreten, weil er nicht mehr eine Politik verteidigen wollte, hinter der er nicht steht. Diese Freiheitsliebe finde ich bemerkenswert. Er pfeift auf Regeln und gehört keiner etablierten Partei an.

Für mich steht er für ein Europa ohne Ländergrenzen, Sprachgrenzen, kulturelle Grenzen. In so einer Welt möchte ich leben. Ich selbst bin oft in Europa unterwegs, studiere deutsch-französische Kulturwissenschaften und engagiere mich ehrenamtlich als Juniorbotschafter des Deutsch-Französischen Jugendwerks.

Macrons Vision für das Frankreich von Morgen ist wagemutig. Aber das genau braucht Frankreich jetzt.

(Bild: Margaux Pech)
Margaux Pech, Toulouse, 27

Ich mag an Emmanuel Macron, dass er die Leute nicht mit zu einfachen Antworten abspeist. Als junge Franzosen im Namen des IS Attentate in Frankreich verübt haben, hat er nicht nur über eine stärkere Sicherheitspolitik gesprochen. Sondern auch über die Verantwortung der Bildung und über den Städtebau. Er hat eine globale Sicht auf die Probleme. Das, finde ich, braucht man als Politiker.

Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, bei einer Wahl wirklich für ein konkretes Projekt zu stimmen und nicht gegen irgendetwas. Gegen den Front National oder gegen die Politik der Konservativen. Er ist der erste Politiker, für den ich mich einsetze.

Ich habe den "Großen Marsch" in Paris organisiert, bei dem Freiwillige von Tür zu Tür gegangen sind. Wir wollten so möglichst viele Menschen erreichen und von Macron überzeugen. Heute kümmere ich mich um die digitale Strategie der Jugendorganisation "Les Jeunes avec Macron". Er gibt mir Hoffnung, dass die Zukunft gar nicht so schlecht sein wird.


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