Uns hat sie erzählt, wie das Video entstanden ist. Und wie die Freude am Helfen ganz Deutschland erreichen könnte.

Emma Louise Meyer hat einen Traum: "Ich möchte, dass möglichst viele junge Menschen anfangen, Flüchtlingen zu helfen. Wir schreiben die Geschichte von morgen." Dafür arbeitet sie.

Die 23-Jährige hilft seit zwei Monaten Flüchtlingen am Hamburger Hauptbahnhof. Jeden Tag, unermüdlich, oft die ganze Nacht lang. Anfangs war sie eine von unglaublich vielen Helfern. In den vergangenen Tagen aber kamen immer weniger. Teilweise mussten sich zwei Helfer um 500 ankommende Flüchtlinge kümmern.

Am Dienstag beschließt Emma zu handeln. Spontan nimmt sie nachts ein Video auf. Sieben Minuten lang bittet Emma: "Wir brauchen dringend, dringend Hilfe. Wir sind viel zu wenig Menschen." Sie erzählt, wie es Helfern und Flüchtlingen geht, wer genau gebraucht wird. Seitdem ist vieles anders am Hamburger Hauptbahnhof.

Mehr als 57.000 Mal wurde das Video bereits angesehen. Über 150 neue Helfer hätten sich seit Mittwoch wegen des Videos gemeldet, sagt Emma. Es gibt nun wieder genug Übersetzer, genug Menschen, die Flüchtlinge einweisen und ihnen eine warme Suppe reichen. Emma hat es geschafft, zumindest ein bisschen, zumindest in Hamburg.

Dort geht es den Menschen wie vielen Flüchtlingen in Deutschland. Der Winter kommt, es ist nass, viele werden krank. In der Nacht zu Freitag mussten zwölf Flüchtlinge mit Fieber und Durchfall ins Krankenhaus gebracht werden, die meisten von ihnen Kinder. Bis zu 1500 Flüchtlinge kommen nach Angaben der ehrenamtlichen Helfer pro Tag in Hamburg an. Versorgt werden sie in provisorisch aufgestellten Zelten.

Es nützt uns nichts, warme Kleidung zu haben, wenn keiner sie verteilt.

In ihrem Video spricht Emma genau darüber. "Es kann und darf nicht sein, dass wir im Hauptbahnhof im Chaos versinken", sagt sie. "Es nützt uns nichts, warme Kleidung zu haben, wenn keiner sie verteilt." Ihre Idee: "Erst wenn die Leute ein Gesicht sehen, kapieren sie, was eigentlich abgeht", erzählt sie uns.

Was Emma beschreibt, wird in vielen Städten Deutschlands zum Problem. Die Anfangseuphorie aus dem Sommer scheint vielfach verflogen. Es kostet viel Kraft, dauerhaft Menschen willkommen zu heißen und seine Freizeit an Hauptbahnhöfen und in Flüchtlingsheimen zu verbringen. Geringer wird die Not der ankommenden Flüchtlinge trotzdem nicht.

(Bild: Emma Louise Meyer)

Eigentlich studiert Emma in Greifswald, versucht gerade an ihrer Bachelorarbeit zu schreiben. Ursprünglich aber kommt sie aus Hamburg. Nach der Demo gegen einen Naziaufmarsch in Hamburg sei sie am Hauptbahnhof hängen geblieben, sagt sie. Seitdem koordiniert sie die Arbeit der Helfer. Mittlerweile hat sie angefangen, Arabisch zu lernen, um auch ein bisschen übersetzen zu können.

Wie kann die Freude am Helfen überschwappen?

Emma ist ein gutes Beispiel für das, was mit vielen der oft jungen Helfer passiert. "Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, es gibt endlich etwas zu tun", sagt sie. Im Hauptbahnhof spüre sie im Team eine besondere Energie. "Es ist wie eine Bewegung, die nicht steuerbar ist."

Wie kann die Freude am Helfen ganz Deutschland erreichen? Auch darüber hat Emma nachgedacht. Anpacken statt Streiten ist ihre Devise. "Ich wünsche mir weniger politische Polarisierung", sagt sie. "Wir sollten uns mehr auf die eigentliche Hilfe konzentrieren. Alle gemeinsam und ganz konkret."

Hier gibt es das Video in ganzer Länge
So kannst du helfen
  • Die Flüchtlingshelfer aus Hamburg organisieren sich in diesen zwei Facebook-Gruppen.
  • Viele der bundesweiten Hilfsprojekte hat die Tagesschau in dieser Karte zusammengefasst.