Bild: we Anspach/dpa

Papa geht arbeiten, Mama passt auf die Kinder auf: Gerade für junge Menschen scheint das ein antiquiertes Rollenbild. Und doch nehmen Männer heute immer noch deutlich seltener und kürzer Elternzeit als Frauen.

Gerade erst wurde der Mann der Astronautin Insa Thiele-Eich als "Spitzenvater des Jahres" ausgezeichnet – einfach dafür, ein Jahr Elternzeit genommen zu haben, damit seine Frau ihren Beruf ausüben konnte. (bento)

Aber warum sind Väter in Elternzeit immer noch so eine Seltenheit? 

Wie viele Väter genau Elternzeit nehmen, weiß in Deutschland niemand so genau, weil es nicht statistisch erfasst wird. "Dafür gibt es schlicht keine gesetzliche Grundlage", erklärt eine Sprecherin des Bundesfamilienministeriums bento auf Anfrage. Festgehalten werde nur, wie viele Männer und Frauen das Elterngeld beim Staat beantragen. Demnach nehmen 35,9 Prozent der deutschen Väter Elterngeld in Anspruch. Das klingt wenig, zeigt aber einen deutlichen Aufwärtstrend: 2008 waren es nur 20,8 Prozent. 

Wirklich lange bleiben aber die wenigsten Väter für die Familie zu Hause: Im Durchschnitt beziehen Papas 3,7 Monate Elterngeld. Die Zeit, in der sie tatsächlich nur beim Kind sind, dürfte aber noch darunter liegen, weil das sogenannte ElterngeldPlus einbezogen wird. Damit dürfen die Väter in Teilzeit weiter arbeiten. Zum Vergleich: Mütter beziehen nach derselben Berechnungsmethode im Durchschnitt über 13 Monate Elterngeld.

Bei diesen Zahlen drängt sich das Bild eines gefühlskalten Vaters auf, der keine Lust hat, Zeit mit der Familie zu verbringen. Umfragen zeigen das Gegenteil. Mehr als die Hälfte der Väter von Kindern unter sechs Jahren würde gern den gleichen Anteil an der Erziehung haben wie ihre Partnerin. 79 Prozent der Väter wünschen sich mehr Zeit für ihre Familie. Bei den 18 bis 29-jährigen sind die Sehnsucht nach Zeit mit der Familie und der Wunsch nach Teilhabe an der Erziehung am größten.* 

Doch als Mann diese Zeit zu bekommen ist oft schwerer, als man denkt. 

Im Väterreport des Bundesfamilienministeriums heißt es: Ein Fünftel der Männer hätte gerne Elternzeit genommen – und seien es nur die zwei Partnermonate – traute sich wegen Abstiegsangst und Druck durch Chefetage und Kollegen aber nicht, sie einzufordern. 

Die Arbeitswelt ist immer noch nicht hundertprozentig familienfreundlich.

Das erklärt Familienforscher Harald Rost, stellvertretender Leiter des Staatsinstituts für Familienforschung an der Universität Bamberg. Im Vergleich zu Frauen zeige sich: "Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für Männer immer noch schwieriger, weil Geschäftsleitung, Personalverantwortliche und Kollegen davon überzeugt werden müssen. Es ist bisher leider noch keine gesellschaftliche Normalität." 

Dass Unternehmen ihren männlichen Mitarbeitern bei der Elternzeit Steine in den Weg legen, schadet aber nicht nur den Familien der Angestellten. Wie das Bundesfamilienministerium feststellt, sind Firmen betriebswirtschaftlich erfolgreicher, wenn sie ihre personalpolitischen Maßnahmen auch auf die Väter ausrichten. Das führe zu höherer Mitarbeiterzufriedenheit und dadurch zu geringeren Fehlzeiten und einer höheren Produktivität. Außerdem würden Väter nach der Elternzeit mit mehr Soft Skills zurückkehren. 

Trotzdem bleiben die Väter nach der Geburt meist im Job. Außer, sie haben keinen. "Es zeigt sich, dass Männer, die wenig bis gar nicht berufstätig sind, das Elterngeld öfter in Anspruch nehmen", sagt Rost. Was auch daran liege, dass Männer trotz der geänderten Rollenvorstellungen immer noch in den drei Viertel der deutschen Haushalte Hauptverdiener in der Familie seien. Besonders junge und einkommensschwache Familien können sich die Einbußen beim Hauptgehalt schlicht nicht leisten. Gerade in Großstädten müssen oft beide Partner arbeiten, um die Miete zu bezahlen. Viele Väter stocken deshalb nach der Geburt ihre Stunden noch auf, so eine Studie des Familienministeriums.

Ökonomischer Druck versus Vaterfreuden? Oft. Aber nicht immer.

Ein Argument, das selten gehört wird, wenn es um den Gender-Pay-Gap geht: Wenn Frauen besser verdienen würden, entfiele vielfach der Druck auf die Männer, Versorger der Familie sein zu müssen. Stattdessen könnten sie mehr Zeit mit den Kindern verbringen. 

Nicht immer liegt es aber am Geld, dass Väter mehr arbeiten als Mütter. Oft sind es auch die Frauen, die die Rolle der Hausfrau und Erzieherin aktiv ergreifen, sagt Familienforscher Rost: "Viele Mütter wollen die Zeit außerhalb des Jobs gerne in Anspruch nehmen und nicht sofort zurück in die Arbeitswelt. Ob das eine bewusste Entscheidung oder eine Antizipation der gesellschaftlichen Rollen ist, können wir bisher leider nicht sagen. Wahrscheinlich spielt beides zusammen."

Am Ende sind es vielleicht also nicht nur die Frauen, die in die Rolle der Hausfrau, sondern die Väter, die in die Rolle des Versorgers gedrängt werden. Dass ihnen dabei etwas Lebensqualität verloren geht, ist den meisten inzwischen bewusst. Dass dies eine Auswirkung der immer noch existierenden Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern ist, oft nicht.

Ein Ausweg aus der Misere – für beide Geschlechter – liegt in der gleichwertigen Aufteilung der Aufgaben. Besonders Familien unter 30 entscheiden sich laut einer Studie des Familienministeriums immer häufiger für ein Modell, in dem beide Eltern in Zwei-Drittel-Teilzeit arbeiten und in der freien Zeit auf das Kind aufpassen. Im Bundesdurchschnitt nahmen 29% der Familien den Partnerschaftsbonus in Anspruch, den nur erhält, wer sich Sorge- und Erwerbsarbeit für mindestens vier Monate partnerschaftlich aufteilt.

Der Anteil junger Väter, die ihre Arbeitswoche um einen Tag reduzieren wollen, hat sich seit 2015 auf 46 Prozent verdoppelt. Das hat Vorteile: Wenn beide Partner gleichberechtigte Versorger werden, verteilen sich auch die finanziellen Risiken. Ein Jobverlust des einen oder Altersarmut der anderen kann dann ausgeglichen werden.

Und es gibt noch einen entscheidenden Vorteil: Es macht viel mehr Spaß, das eigene Kind beim Aufwachsen aktiv zu begleiten, als im Büro zu sitzen und daran zu denken. Da sind sich alle Eltern einig, die wir gefragt haben.


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