Bild: Jessica Rold/privat
Das Internet feiert sie.

Als Jessica Rold vor wenigen Wochen ihren zweijährigen Sohn aus der Kindertagesstätte abholte, hatte sie ihre kleine Tochter Clementine mit dabei. Offenbar fragen Kinder immer wieder, ob  Clementine ein Junge oder ein Mädchen sei. Der Rat der Erzieherinnen und Erzieher: Die junge Mutter solle ihre Tochter doch "mehr wie ein Mädchen" anzuziehen. Sie könne ihr ja Schleifen ins Haar machen oder ihr mehr Kleider anziehen, hieß es.

Am nächsten Tag reagiert Jessica auf ungewöhnliche Art: Sie klebte ihrer Tochter ein Post-it mit einer Schleife auf die Stirn.

(Bild: Steve Rold/privat)

Ihr Mann, Steve Rold, fand ihre Reaktion auf den Ratschlag so gelungen, dass er ein Foto davon auf Reddit postete. Daraufhin ging das Bild und die Geschichte der Familie, die in Dänemark lebt, viral.

Wir haben mit Jessica und Steve Rold gesprochen und sie gefragt, welche Folgen die ganze Geschichte für sie hatte.

Was haltet ihr davon, Kinder geschlechtsspezifisch anzuziehen?

Das Geschlecht unserer Kinder war uns schon vor ihrer Geburt nicht besonders wichtig. Unsere Tochter trägt deshalb meistens die gebrauchten Klamotten ihres großen Bruders, die wir gekauft haben, bevor wir wussten, dass er ein Junge wird. Die meisten Strampler sind grau oder weiß.

Bei dem Vorfall in der Kindertagesstätte hat meine Frau versucht, den Humor, der in dieser ganzen Situation steckt, sichtbar zu machen. Als Elternteil muss man Prioritäten setzen und sich entscheiden, worein man seine Energie steckt.

Wenn man Zeit, Geld, und Lust hat, seiner Tochter oder seinem Sohn Bänder oder Schleifen anzuziehen und wenn es einen und sie glücklich macht – dann soll man das tun.
Steve Rold

Wie reagiert ihr darauf, wenn jemand nicht weiß, ob eure Tochter ein Mädchen oder ein Junge ist?

Wenn jemand unsere Tochter einen Jungen nennt, ist das in Ordnung. Woher sollten sie es zu diesem Zeitpunkt auch wissen? Es geht meistens ja um die Menschen selbst, weil sie wissen möchten, wie sie sie ansprechen sollen oder mit uns über sie reden können.

Habt ihr schon öfter Unterschiede bemerkt, wie Menschen auf euren Sohn oder eure Tochter reagieren?

In den ersten Wochen nach der Geburt unseres Sohnes haben wir oft Komplimente gehört wie "so ein großer, starker Junge". Sobald die Menschen wussten, dass unsere Tochter ein Mädchen ist, bekam sie Komplimente wie "Oh, sie ist eine Schönheit" oder "Wie süß sie ist", obwohl die beiden auf Fotos im gleichen Alter quasi identisch aussehen.“

Welche Folgen hatte der gutgemeinte Ratschlag der Erzieherinnen und Erzieher für euch?

Wir verstehen völlig, dass sie nur hilfsbereit sein wollten. Vielleicht dachten sie, dass es uns einfach noch nicht eingefallen wäre, dass wir unsere Tochter auch anders anziehen können oder sie waren es leid, dieselbe Fragen der anderen Kinder immer wieder beantworten zu müssen.

Der Vorschlag war eigentlich ziemlich harmlos, aber er stand für so viele ähnliche Situationen, von denen ich mir sicher bin, dass alle Eltern sie erleben. Deshalb hat meine Frau den Drang verspürt, das alles ein bisschen zurückzuweisen.

Für uns ist das aber wirklich keine große Sache. Wir sind viel überraschter darüber, wie andere Menschen auf unsere Geschichte reagieren und über die Geschichten von denen, die mit ähnlichen oder viel schlimmeren Situationen umgehen mussten.
Steve Rolds

Wenn das Internet einmal mit dieser Geschichte fertig ist, werden wir unseren Sohn immer noch in dieselbe Kindertagesstätte bringen. Ich habe das Foto auf Reddit gepostet, weil ich finde, dass meine Frau so lustig reagiert hat und ich das mit der Community teilen wollte.

Ich glaube, die wichtigste Lektion, die man daraus lernen kann, ist, dass wenn so eine Geschichte einmal in der Welt ist, sie einem selbst nicht mehr länger gehört.

Auf Reddit erreichten Jessica und Steve mit der Geschichte viele Menschen, die Ähnliches erlebt haben.

Dieser Mann erzählt, dass sein Sohn kein Pink tragen sollte, weil seine Großmutter denken würde, dass es ihn verwirren könnte. Jetzt würde er Ballet tanzen und hätte viel Spaß dabei, denn dreijährige Kinder "interessiert das einen Dreck."
Dieser Nutzer gibt zu bedenken, wie verstörend die Unterteilung in rosafarbene und blaue Kleidung bei Babys eigentlich ist: "Ich ziehe meinem Kind eine bestimmte Farbe an, damit alle wissen, wie seine Geschlechtsteile aussehen."
Und es wird erklärt, dass die Unterteilung in Rosa für Mädchen und Blau für Jungs sowieso total willkürlich ist, denn bis 1900 war es genau andersherum.
Und es gibt so viele Dinge, die wichtiger sind: zum Beispiel, dass sich Kinder selbst die Jeans oder den Rock zuknöpfen können.
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