Bild: unsplash.com / Fabrizio Verrecchia

Deutschland sollte ein Ministerium für Einsamkeit haben – nach britischem Vorbild. Das fordern nun auch deutsche Politiker: Karl Lauterbach, gesundheitspolitischer Experte der SPD, sprach sich dafür aus, einen vergleichbaren Posten in Deutschland zu schaffen. 

"Es muss für das Thema Einsamkeit einen Verantwortlichen geben, bevorzugt im Gesundheitsministerium, der den Kampf gegen die Einsamkeit koordiniert“.​
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach

Lauterbach meint, Einsamkeit könne auch ein wichtiges Thema für die kommenden Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und CDU werden. (Bild)

Auch Marcus Weinberg von der CDU ist ein Befürworter eines Einsamkeits-Ministeriums: Der Sprecher für Familienpolitik appellierte, dass sich der Thematik Einsamkeit angenommen werden müsse. Es brauche hier mehr Forschung und neue Konzepte. (SPIEGEL ONLINE)

Unterstützung kommt vom Diakonie-Präsident Ulrich Lilie: Seines Erachtens nach sollten sich die Politik und gesellschaftliche Vereinigungen wie Kultur- und Wohlfahrtsverbände verbünden, um Einsamkeit einzudämmen. (Hamburger Abendblatt)

"Einsame Leute wieder in die Gesellschaft zu holen, ist eine Aufgabe, die man nicht einfach kommerziellen Anbietern wie Facebook oder Partnerschaftsbörsen überlassen darf"​
Diakonie-Präsident Ulrich Lilie

Wer sich jetzt fragt, ob Einsamkeit wirklich ein großes Problem ist, sollte ein Blick auf die Zahlen werfen. In Deutschland fühlen sich laut der Studie eines Marktforschungsinstituts 4 von 5 Menschen manchmal einsam. (Splendid Research) Auch Forscher aus Chicago gehen davon aus, dass sich im Schnitt etwa 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung einsam fühlen. (Focus)

In Großbritannien hatte am Mittwoch Premierministerin Theresa May verkündet, dass die Staatssekretärin für Sport und Ziviles, Tracey Crouch, sich in Zukunft auch der Vereinsamung der britischen Bürger widmen soll.  (SPIEGEL ONLINE)

Jeder Fünfte Brite fühlt sich laut Studien einsam, das Rote Kreuz spricht von einer "Epidemie im Verborgenen". (SPIEGEL ONLINE

Die britische Regierungschefin Theresa May wolle so vor allem Menschen helfen, die ihre Probleme mit niemandem besprechen können, beispielsweise Senioren ohne Anschluss. Das neu geschaffene Amt soll die Vereinsamung mit politischen Maßnahmen entschleunigen. 

Das Ministerium ist auch eine Würdigung der ehemaligen Amtsinhaberin und verstorbenen Jo Cox: Sie hatte eine Anti-Einsamkeits-Initiative gegründet. Vor dem EU-Referundum wurde sie von einem rechten Extremisten getötet. (Handelsblatt)

Diese Nachricht ist ein kleines Licht gegen die Einsamkeit:


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