Eine junge Europäerin ist in den Libanon gereist – und arbeitet dort mit Flüchtlingen wie Isra, einer jungen Frau aus Syrien, an Gedanken und Texten.

Die 23-jährige Maguelone Girardot aus Vannes in Frankreich konnte einfach nicht mehr. Nicht mehr rumsitzen, nachdem sie ihr Studium der Politik und humanitären Hilfe abgeschlossen hatte. Nicht, wenn täglich Tausende Menschen aus ihrer Heimat flüchten, im Meer ertrinken, Hunderte Kilometer laufen, um am Ende vor einem abgeriegelten Grenzzaun um Einlass zu betteln – und keinen zu bekommen.

"Es störte mich, dass wir ständig was über Flüchtlinge hören – aber nie von ihnen selbst", sagt sie. "So bilden sich Klischees und schlimme Vorurteile."

Seit drei Monaten lebt Maguelone nun in Akkar, Nordlibanon, etwa zwölf Kilometer entfernt von der syrischen Grenze. Sie arbeitet dort bei der internationalen NGO "Relief and Reconcilation for Syria" (R&R), die sich für Bildung syrischer Flüchtlinge einsetzt.

Die junge Isra, 21, aus Kusair in Syrien, hat mit Maguelone Bilder und Texte über ihren Alltag in Akkar erstellt. Die Fotostrecke zeigt, wie es den Menschen dort geht:
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Maguelone wohnt gemeinsam mit anderen Freiwilligen und Flüchtlingen im Friedenszentrum der Organisation, einem offenen Haus für die jungen Menschen aller verfeindeten Gruppen. Von hier aus arbeiten Maguelone und ihre Kollegen mit den Menschen, die schon länger hier leben oder gerade erst eintreffen. Die meisten stammen aus Syrien, viele aus der durch Bombenangriffe schwer zerstörten Kleinstadt Kusair.

Weltweit befinden sich 59,5 Millionen Menschen auf der Flucht. Das geht aus dem Weltbevölkerungsbericht der Uno-Organisation Unfpa hervor. Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge stammt laut dem Bericht aus Syrien, Afghanistan, dem Sudan und Somalia.

Im Nordlibanon helfen Maguelone und ihre Kollegen den Flüchtlingen, Englisch oder Französisch zu lernen und die Kinder zur Schule zu bringen.

Maguelones Job hier – und ihr ganz persönliches Anliegen: mit den Flüchtlingen reden. Vor allem mit den jungen unter ihnen will sie sprechen, mit Menschen in ihrem Alter und unbegleiteten Minderjährigen, aber auch mit Erwachsenen.

Sie will sie kennenlernen, ihnen Fragen stellen, sich Fragen stellen lassen. "Einfach sprechen", sagt Maguelone. Nur selten könne jemand Englisch oder Arabisch, die Hände helfen, um sich zu zeigen, was man meint.

Die Themen: Wie geht es dir? Was machst du gern in der Freizeit? Was hast du studiert, für was interessierst du dich? Was machst du gern?

Und, auch ein Thema: Wie geht es jetzt weiter? Es geht oft um den Krieg, sagt Maguelone, "ganz viel Krieg". Die Frustration, die Furcht davor, nicht weiter machen zu können mit dem Lebensplan.

"Wird sind klug. Wir wollen zurück nach Syrien und eine Familie gründen", schreibt die junge Isra, mit der Maguelone oft spricht, über ihre Gedanken. "Ich würde so gern weiter studieren. Ich würde gern reisen, heiraten, ich will eine Arbeit haben."

Hier, in den Zelt- und Hüttendörfern haben sie kaum frisches Wasser, keinen Strom und wenig Privatsphäre. Niemand weiß, wie lange er hier noch ausharren muss, es können Wochen sein oder Monate, der Libanon bietet keine Perspektive.

Der Fotograf Kevin Mc Elvaney hat Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa mit einer Einwegkamera ausgestattet. Das ist dabei herausgekommen:
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Während der Ausnahmezustand für Maguelone bald vorüber ist – wenn sie zurück geht nach Frankreich –, fängt er für die meisten gerade erst an. "Viele berichten lange und immer wieder von ihrer wunderschönen Heimat, die sie verloren haben. Sie beschreiben die Eskalationen, wie plötzlich immer mehr Waffen im Umlauf waren, wie Krieg ausbrach."

Manche seien mit dem Grollen der Bomben im Rücken geflohen. "In Europa denken viele, der Krieg in Syrien sei ein Bürgerkrieg. Nein. Es ist der Krieg eines Präsidenten, der dem Volk den Tod bringt", sagt Maguelone.

Die Protokolle, Texte und Fotos stellen sie und die Geflüchteten ins Internet, auf Blogs oder auf ihre Facebook-Seite "Generation Peace".

Maguelone sagt, sie aufzeigen, dass die Menschen in Europa eine andere Haltung annehmen müssen. "Flüchtlinge sind keine Opfer, sondern Menschen." Wir könnten von ihnen lernen, mit ihnen lernen, vor allem aber müssten wir verstehen, dass sie zu uns gehören.

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