Bild: André Hirtz

Sie haben 1000 Unterschriften gesammelt, Briefe geschrieben, an die Stadt Essen und an die Landesregierung appelliert. Seit am Essener Helmholtz-Gymnasium bekannt ist, dass der 14-jährige Edgar aus der 9b nach Armenien abgeschoben werden soll, sind viele seiner Mitschüler aufgewühlt.

Die Gymnasiasten kämpfen für Edgar, kämpfen dafür, dass er in Deutschland bleiben kann.

"Alle sind ausgesprochen engagiert", sagt Schulleiterin Beate Zilles. "Ich habe großen Respekt gegenüber der Schülerschaft, die sich sofort eingeschaltet hat." Auch das Kollegium unterstützt die Schüler.

Im Treppenhaus der Schule haben die Schüler bereits ein Transparent aufgehängt: "Gemeinsam für Edgar - HG" ist darauf zu lesen. "HG steht für Helmholtz-Gymnasium, aber auch für 'Handeln als Gemeinschaft'", sagt Rektorin Zilles. Selten zuvor habe sie das Motto der Schule als so passend empfunden.

Seit zwei Jahren besucht Edgar die Schule.

Er kam zusammen mit seinen Eltern und einem jüngeren Bruder aus Armenien nach Deutschland - aus einem besonderen Grund: Edgars älterer Bruder war mit sechs Jahren an Lymphdrüsenkrebs gestorben. Und vor zwei Jahren hatten Ärzte die Krankheit auch bei Edgar diagnostiziert.

Die Familie verkaufte alles, um ihren Sohn in Deutschland behandeln lassen zu können und nicht noch ein Kind zu verlieren.

Doch der Asylantrag wurde abgelehnt, Armenien gilt als sicheres Herkunftsland. Edgar hatte inzwischen eine Krebs-OP. Sie sei erfolgreich verlaufen, sagen die Ärzte. Nun muss er noch alle drei Monate zur Nachsorge. Nach der OP wurde die Familie vom Ausländeramt zur Ausreise aufgefordert. Eine Abschiebung könne ab dem 15. März erfolgen, hieß es.

Als das in der Schule bekannt wurde, reagierten Lehrer und Schüler. "Wir haben gesagt: Das können wir nicht so hinnehmen", sagte Lehrerin Meike Fahimi dem WDR, "dass ein nettes, integriertes, feines Mitglied unserer Schulgemeinschaft so behandelt wird."

Mitschüler und Lehrer haben Angst, dass Edgar in Armenien nicht ausreichend versorgt werden kann.

Und dass die regelmäßige Nachsorge in Essen für die Familie nicht zu finanzieren ist. Die rechtliche Seite sei das eine, die menschlich-pädagogische Seite das andere, sagt Schulleiterin Zilles: "Wir wollen aus menschlichen Gründen helfen."

Die rechtliche Seite sei das eine, die menschlich-pädagogische Seite das andere, sagt Schulleiterin Zilles:

Wir wollen aus menschlichen Gründen helfen.

Deshalb habe die Schule Gespräche mit allen Stellen bei der Stadt geführt.

Silke Lenz, Sprecherin der Stadt Essen, verweist gegenüber dem Nachrichtenportal "Der Westen" darauf, dass die Abschiebung eigens bis Mitte März zurückgestellt worden sei, um der Familie die Gelegenheit zu geben, bis dahin einen Antrag an die Härtefallkommission des Landes NRW zu stellen. Bei allen Entscheidungen der Ausländerbehörde werde "natürlich auch der Gesundheitszustand des Jungen eine Rolle spielen".

Mut macht den Schülern und Lehrern am Helmholtz-Gymnasium ein Fall aus der Nachbarstadt Duisburg.

Dort war im Mai 2017 die in Deutschland geborene 14-jährige Bivsi Rana aus dem Unterricht geholt und abgeschoben worden - nach Nepal, ins Heimatland ihrer Eltern. Massive Proteste ihrer Mitschüler hatten mit dafür gesorgt, dass die Familie gut zwei Monate später nach Deutschland zurückkehren durfte. (bento)

In der kommenden Woche stehen zwei wichtige Termine für Edgar und seine Familie an.

Am Montag hat der Petitionsausschuss des Düsseldorfer Landtags zur Anhörung geladen, am Donnerstag folgt ein Gespräch bei der Ausländerbehörde. "Wir möchten, dass Edgar in Essen weiter behandelt werden kann – und dass er und sein Bruder hier auch ihren Schulabschluss machen können", sagt Zilles.

Die Familie werde deshalb bei diesen Terminen auch von Vertretern der Schule begleitet. Den Schülern, die sich für Edgar einsetzen, hat die Schulleiterin schon gesagt: "Es kann sein, dass wir enttäuscht werden – aber wir werden uns nicht entmutigen lassen."


Dieser Artikel ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.


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