Jetzt wurde sie entlassen. Vier Antworten zu dem Fall

Was ist da in Duisburg passiert?

Die Chefin einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WFBM) in Duisburg, Roselyne Rogg, ist fristlos entlassen worden. Der Grund ist ihr hohes Gehalt – 376.000 Euro hatte sie jährlich erhalten. 

Zum Vergleich: Bundeskanzlerin Angela Merkel bekommt pro Jahr ein Gehalt von knapp 240.000 Euro. (Bund der Steuerzahler)

Für die Entlassung sorgte der Aufsichtsrat der Werkstatt, welcher ihr zudem ein Hausverbot erteilte. Als Begründung nannte der Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Krützberg ein "nachhaltig gestörtes Vertrauensverhältnis". (WAZ)

Rogg habe zwar "fachlich gute Arbeit" geleistet und die Werkstatt "gut aufgestellt", aber ihr Gehalt der vergangenen Jahre sei inakzeptabel und "deutlich überdimensioniert".

Wie konnte es zu dem hohen Gehalt kommen?

Als die Geschäftsführerin ihre Arbeit 2009 aufnahm, erhielt sie rund 80.000 Euro im Jahr. 2011 sei zuletzt eine Erhöhung ihrer Bezüge im Aufsichtsrat besprochen worden, anschließend jedoch nicht mehr. Der stellvertretende Vorsitzende des Gremiums, Manfred Lücke, sagte: "Über Gehalt ist in all den Jahren nicht gesprochen worden." Es habe nur Informationen zu der Gesamthöhe von Bezügen gegeben, nicht über das der Chefin. 

2013 sei dem Aufsichtsrat eine Vertragsverlängerung für die Geschäftsführerin vorgelegt worden, nicht aber auch die gleichzeitig unterzeichnete Anhebung ihrer Vergütung. Diese habe offenbar nur der damalige Aufsichtsratsvorsitzende und Sozialdezernent unterzeichnet, wie die "WAZ" berichtet. Sein Nachfolger sagte, dass sachlichen Gründe für die Trennung der beiden eng verknüpften Vorgänge nicht ersichtlich seien – der Aufsichtsrat müsse daher von einem ganz bewussten Verstoß gegen die Statuten der Werkstatt ausgehen.

Dieser Darstellung widersprach jedoch Geschäftsführerin Rogg: "Auch der Oberbürgermeister, als dessen Vertreter der Aufsichtsratsvorsitzende tätig war, wusste von den Verhandlungen", sagte sie. "Es gab keine Mauschelei." (Correctiv)

Der Oberbürgermeister wies diese Äußerungen zurück. In einer Pressemitteilung sagte er, der damalige Aufsichtsratsvorsitzende habe ihn auf den Vertrag angesprochen, ihm dabei aber ein offensichtlich falsches Gehalt genannt.

Welches Gehalt ist als Geschäftsführer oder Geschäftsführerin einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung üblich?

Laut einem Gutachten von Wirtschaftsprüfern könne ein angemessenes Geschäftsführergehalt für die Werkstatt zwischen 150.000 und 180.000 Euro liegen, sagte Krützberg außerdem (RP Online). Laut "Correctiv" erhalten die Chefs anderer Werkstätten in den benachbarten Städten Essen und Düsseldorf zwischen 112.000 und 140.000 Euro.

Die Chefin der Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Duisburg findet indes, dass sie nicht zu viel verdiene. Kurz bevor sie fristlos entlassen wurde, kündigte sie dennoch ihren Rückzug an – für Juni 2019. Ihr Gehalt sei aber angemessen, findet sie: Unter ihrer Führung hätten sich Einnahmen und Umsatz erheblich gesteigert. Sie legte außerdem ein Gutachten eines anderen Wirtschaftsprüfers vor, welches bescheinigte, dass ihr Gehalt nicht zu hoch liege.

Wie geht es weiter?

Der Aufsichtsrat will eine Kanzlei beauftragen, um die rechtlichen Aspekte des Falls zu ergründen. Der Duisburger CDU-Fraktionschef Rainer Enzweiler forderte, dass Rogg das zu viel ausgezahlte Geld zurückzahlen müsse. Falls der Aufsichtsrat nicht mit der Festlegung des Gehalts befasst gewesen sein sollte, habe die Chefin ihre Bezüge ohne Rechtsgrund erhalten. (WAZ)

Unterdessen prüft die Staatsanwaltschaft Duisburg wegen des hohen Gehalts einen Anfangsverdacht auf Untreue. Unklar ist noch, ob es zu einem Ermittlungsverfahren gegen Rogg oder andere kommt. (Correctiv)


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