Wir haben das mal ausgerechnet.

Vor dem Bewerbungsgespräch schnell eine Nase Koks ziehen und abends gemütlich einen Joint in der Bar um die Ecke rauchen? Darf man nicht, ist klar. Denn Drogen sind so verboten, dass die USA ihnen sogar den Krieg erklärten: „Amerikas Staatsfeind Nummer eins ist der Drogenmissbrauch“, verkündete der ehemalige Präsident Richard Nixon in einer Rede 1971.

Ein Abkommen der Uno (PDF) verbietet bis heute alle betäubenden Stoffe – Opium und Kokablätter genauso wie Hanf – und alles was damit zu tun hat: anbauen, gewinnen, herstellen, besitzen, anbieten, feilhalten, verteilen, kaufen, verkaufen, liefern, vermitteln, versenden.

Aber was würde eigentlich passieren, wenn Drogen legal wären?

Wenn nicht mehr illegale Kartelle in Mexiko und Klein-Dealer im Görlitzer Park das Geschäft mit den Drogen führen, dann werden sich Unternehmen darum kümmern. Genau solche Unternehmen, die auch Autos oder Joghurts verkaufen; Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen und Steuern zahlen. Und das könnte der Wirtschaft zu Gute kommen. Im nordamerikanischen Bundesstaat Colorado sind nach der Legalisierung von Cannabis rund 10.000 Arbeitsplätze entstanden (Telegraph). In Deutschland leben fast 20-Mal so viele Menschen; das wären Hunderttausende Jobs allein durch die Legalisierung von Cannabis - vorausgesetzt in Deutschland würden so viele Menschen kiffen wie in Colorado.


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Und dann sind da die Steuern: In Deutschland macht zum Beispiel die Tabaksteuer etwa 75 Prozent des Preises aus, das sind gut 3 Euro pro Schachtel. Viel Geld für den Staat.

Das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung schätzt den Umsatz des Drogenhandels in Deutschland auf 2,5 Milliarden Euro im Jahr. Alleine mit der Umsatzsteuer von 19 Prozent kämen so rund 475 Millionen Euro in die Staatskassen. Eine zusätzliche Drogensteuer dürfte noch weitere hundert Millionen Euro bringen.

Experten des Bundesnetzwerks Drogenpolitik der Grünen gehen davon aus, dass sich allein mit der Legalisierung von Cannabis Steuereinnahmen von etwa ein bis zwei Milliarden generieren lassen (Gesetzentwurf als PDF). Geld, viel Geld, das man sicherlich gut brauchen würde, zum Beispiel für vermehrte Drogentests vor Prüfungen oder beim Autofahren. Geld, mit dem auch saubere Spritzen, Präventionsangebote, Drogenberatungsstellen und die Ausbildung von Verkäufern und Pflegepersonal finanziert werden könnten.

Natürlich würde man Heroin, Crack und LSD nicht einfach an der Tanke kaufen, zusammen mit einer Schachtel Zigaretten und einem kühlen Bier. Denn gesünder oder ungefährlicher werden Drogen mit der Legalisierung natürlich auch nicht. Ähnlich der Coffeeshops in Holland könnte es Fachgeschäfte geben mit strengen Auflagen und geschultem Personal, das auch gleich über die Risiken und die richtige Anwendung aufklärt - und das natürlich nichts an Kinder und Jugendliche verkaufen dürfte.

Klar, auch Unternehmen, die Drogen verkaufen, wollen damit vor allem Profit machen. Möglich, dass im Kino neben der Gute-Laune-Werbung für Zigaretten bald auch bunte Werbespots für fröhliches Feiern mit Ecstasy liefen. Und wahrscheinlich würde es nicht lange dauern bis eifrige Geschäftsmänner versuchten, mit marihuanahaltigen Bonbons, Schokoladen und Gummibärchen noch mehr Geld zu machen.

Absurd und bedenklich?

Vielleicht, aber auch eine Idee, mit der wir uns auseinandersetzen sollten. Im nächsten Jahr wird die UN sich zum nächsten Drogengipfel treffen und darüber beraten, ob der Handel mit den Drogen weiterhin allein in den Händen von mafiösen Clans liegen soll oder ob sich Staaten und Wirtschaft schrittweise einer Legalisierung nähern (PDF der Global Commission on Drug Policy).